Recht und Soziales

„Detektivarbeit gefragt“

Archivartikel

Paul Grötsch, Fachanwalt für Erbrecht, zur Suche nach Konten

Wie bekomme ich als Erbe eine Übersicht über Konten?

Paul Grötsch: Zunächst einmal muss man sich als Erbe ausweisen können. Das kann man entweder mit einem Erbschein oder einem notariellen Testament machen. Mit dem Erbschein kann man dann grundsätzlich alle Banken anschreiben und sagen: „Ich bin Erbe, gebt mir Auskunft.“ Denn der Erbe hat die gleichen Rechte wie der Erblasser. Das heißt: Er kann die Konten zehn Jahre lang nachverfolgen, sich auch Kopien von den Kontoauszügen geben lassen und den aktuellen Kontostand abfragen.

Wie finde ich denn versteckte Konten?

Grötsch: Da ist ein Detektivarbeit gefragt: Zum einen schaut man, was gibt es für Unterlagen in der Wohnung? So kann es sein, dass bei einer anderen Bank Geld angelegt wurde, die Zinsen dann aber diesem einen Konto gutgeschrieben werden. Auf diese Weise kann man sich schon mal ein wenig weiterhangeln. Man kann auch Banken selber ausfindig machen, zum Beispiel über Korrespondenzen, die man im Nachlass findet. Dann gibt es noch die Möglichkeit, bei Verbänden anzufragen. Dafür braucht man aber einen konkreten Grund, also objektive Anhaltspunkte, dass irgendwelche Vermögenswerte vorhanden waren. Das Problem: Verbände können immer nur die aktuellen Kontoverbindungen abfragen. Wenn der Erblasser einen Bevollmächtigten hatte, der kurz nach dem Erbfall ein Konto bei einer unbekannten Bank aufgelöst hat, ist das Konto nicht mehr da. Bei einer späteren Abfrage taucht es nicht mehr auf.

Gibt es eine Frist, innerhalb derer Ansprüche angemeldet werden müssen?

Grötsch: Wenn Sie Erbe sind, sind Sie automatisch Inhaber dieses Guthabens. Das einzige Problem: Nach zehn Jahren erlischt die Aufzeichnungsfrist. Wenn das Geld aber noch vorhanden ist, bleibt das Konto bestehen. Wenn Sie also nach 20 Jahren noch ein altes Sparbuch entdecken, haben Sie auf das Guthaben auch noch Anspruch. dpa (Bild: Christian Müller)