Recht und Soziales

Studium Junge Menschen kämpfen mit hohen Erwartungen und Zeitmangel / Beratungsangebote werden intensiv genutzt

Druck von außen – und von innen

Archivartikel

Studienjahre können die schönste Zeit im Leben sein. Selbst gewählte Studienfächer und möglicherweise auch der Auszug aus dem Elternhaus verheißen Freiheit und die Chance, die Weichen fürs Berufsleben zustellen. Doch die Zeit an der Hochschule kann stressig werden. Selbst die motiviertesten Studierenden kämpfen nicht selten mit Selbstzweifeln, viele verspüren hohen Erwartungsdruck, ihr Studium zügig zu beenden.

Hilfestellungen nachgefragt

Zahlen des Deutschen Studentenwerks machen deutlich, dass Beratungsbedarf besteht: Die psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke haben 108 800 Kontakte im Jahr 2017 verzeichnet. Verglichen mit dem Jahr 2006 sei das eine Steigerung von 60 Prozent, betont Sprecher Stefan Grob.

Leistungsanforderungen, Geldsorgen und persönliche Probleme sind die häufigsten Gründe für den Beratungswunsch. Dementsprechend wird vor allem Hilfestellung zu Arbeitsorganisation und Zeitmanagement nachgefragt. Aber auch außeruniversitäre Probleme wie mangelndes Selbstbewusstsein oder Partnerschaftsprobleme werden in der Beratung angesprochen.

Annette Doll ist seit bald acht Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität München in der akademischen Studienberatung tätig. Auch sie beobachtet, dass Studierende in Stress geraten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Der Prüfungs- und Zeitdruck ist gestiegen, es bleibt wenig Zeit, interessehalber in andere Studienfächer zu schauen.

Den Luxus, allein aus dem Grund der eigenen Horizonterweiterung zu studieren, gönnt sich heutzutage kaum noch jemand. „Die Jagd nach Punkten und der Wunsch nach einem möglichst stromlinienförmigen Lebenslauf für die Karriere sind den meisten extrem wichtig. Einige bekommen Druck aus dem Elternhaus, andere machen ihn sich selbst“, schildert die Beraterin.

Suchten Studierende früherer Generationen noch Rat und Unterstützung vor der Zwischen- oder der abschließenden Prüfung, registriert Doll inzwischen, dass bereits Erstsemester anfragen. Sie nutzen die akademische Studienberatung als erste Anlaufstelle.

Die Einrichtungen bieten etwa Prüfungscoachings, Kurse zum Stressmanagement oder Hilfen bei Schreibblockaden an. Stefan Grob findet es gut, dass „Studierende heutzutage deutlich pragmatischer und auch selbstbewussterer damit umgehen, wenn sie in Krisensituationen Hilfe benötigen“. dpa