Recht und Soziales

Bewerbungsgespräch Kandidaten sollten glaubwürdig auftreten / Experten raten, sich vorher zu informieren

Gute Vorbereitung ist wichtig

Nürnberg/Düsseldorf.Läuft im Vorstellungsgespräch alles glatt, kann das der entscheidende Schritt zum neuen Job sein. Mit simplen Benimm-Regeln können Bewerber beeinflussen, wie gut sie auf ihre Gesprächspartner wirken.

Schon die Ankunft zählt: „Kommen Sie früher, um in Ruhe ankommen zu können“, rät Phillipp Gründel, Kommunikationstrainer aus Nürnberg. „Wer gehetzt ist, kann das kaum verbergen und beraubt sich selbst seiner Souveränität.“ Auch der Versuch, den eigenen Stress zu kaschieren, sei selten erfolgreich. „Dann trägt man eine bemüht wirkende Fassade, die schnell auffliegt.“

Ist die Ankunft erfolgreich gemeistert, folgt die Begrüßung der Gesprächspartner – hier sollte man als Bewerber vorab wissen, wen man trifft. „Wird Ihnen der Name vorab nicht mitgeteilt, sollten Sie ihn auf jeden Fall erfragen, um sich so auf das Gegenüber vorzubereiten“, empfiehlt Pablo Galan (kleines Bild) von der Personalberatung Page Personnel in Düsseldorf. „Auf diese Weise hat man auch schon mal vor dem Gespräch ein Gesicht des Ansprechpartners gesehen, was oft bei der Begrüßung hilft.“ So kommt man nicht in die peinliche Situation, den Assistenten plötzlich für den Geschäftsführer zu halten – oder umgekehrt.

Fettnäpfchen vermeiden

Wer den Gesprächspartnern bereits Funktion und Gesicht zuordnen kann, vermeidet mögliche Fettnäpfchen bei der Begrüßung. Denn auch hier gibt es Regeln: „Beginnen Sie mit der Begrüßung bei der hierarchisch am höchsten gestellten Person“, sagt Karsten Noack (kleines Bild), Coach für strategische Rhetorik und Kommunikation aus Berlin. „Der Gastgeber wird üblicherweise selbst die Initiative ergreifen.“ Der Experte empfiehlt außerdem, sich bei der Begrüßung direkt für die Einladung zum Gespräch und die damit einhergehende Gelegenheit zu bedanken.

Wer sitzt wo – und wann werden die Plätze eingenommen? Hier orientiert man sich als Bewerber bestenfalls am Verhalten der Gesprächspartner. „Man sollte sich erst setzen, wenn man aufgefordert wird“, sagt Noack. „Dieser Klassiker gilt auch heute noch.“

Stehen dem Bewerber mehrere Sitzplätze zur Auswahl, hat Pablo Galan einen Tipp, um einen guten Eindruck zu machen: „Suchen Sie den Platz so aus, dass Sie die Lichtquelle im Rücken haben“, sagt er. „Das sorgt für einen hellen Hintergrund, was Sie automatisch sympathischer erscheinen lässt.“

In der Regel wird Bewerbern ein Getränk angeboten – hier gibt es einiges zu beachten. „Man sollte das Angebot annehmen, weil es sonst als Zurückweisung gewertet werden könnte“, sagt Karsten Noack.

Gleichzeitig gilt: Zu außergewöhnliche Wünsche kommen nicht gut an. „Besser sollte man aus dem klassischen Angebot wählen und keine darüber hinausgehenden Wünsche äußern“, sagt Noack. Wer ohnehin schon aufgeregt sei, sollte entscheiden, ob Koffein in dieser Situation ratsam ist. Den Kaffee deshalb nur bis zur Hälfte zu trinken, sei aber auch keine gute Entscheidung: „Das Getränk sollte am Ende des Gesprächs vollständig konsumiert worden sein“, sagt der Experte.

Häufig beginnt das Gespräch nicht direkt mit Lebenslauf oder Informationen zum Job – sondern mit Small Talk, den Bewerber nicht unterschätzen sollten. Schon hierbei hinterlässt man einen Eindruck und kann einiges über die eigene Persönlichkeit verraten. „Bewerber sollten bei der Wahrheit bleiben und Fragen freundlich und nach bestem Wissen beantworten“, sagt Coach Phillipp Gründel. „Ständige Selbstbeherrschung kostet viel Kraft und Sie verringern damit die Konzentration, die Sie auf die eigentlichen Antworten verwenden können.“

Beherrschung bewahren

Selbst wenn das Vorstellungsgespräch am Ende angelangt ist, kann man den Eindruck, den man hinterlässt, noch entscheidend beeinflussen. „Als Bewerber sollte man sich bewusst sein, dass das Bewerbungsgespräch erst wirklich beendet ist, wenn man außer Sichtweite ist“, sagt Kommunikationstrainer Gründel. Denn das letzte Bild kann den Entscheidungsträgern im Gedächtnis bleiben. Ganz unabhängig davon, wie gut oder schlecht das Gefühl des Bewerbers nach dem Gespräch ist –der Experte rät: „Treten Sie so aufrecht ab, wie Sie gekommen sind.“