Recht und Soziales

Psyche Betroffene fühlen sich tagsüber überfordert, sind unkonzentriert oder gereizt / Herzrhythmusstörungen als mögliche Ursache

Kampf gegen die innere Unruhe

Archivartikel

Berlin/Bielefeld.Innere Unruhe kennt wohl jeder – vor einer Prüfung, einer Rede oder vor dem Gang zum Traualtar. In der Regel legt sich das nach der Ausnahmesituation wieder. Doch bei manchen bleibt die innere Unruhe länger oder sogar für immer, völlig unabhängig von einem Anlass. Nachts schlafen Betroffene schlecht, tagsüber fühlen sie sich überfordert und sind unkonzentriert oder gereizt. Hinzu kommen vielleicht Herzklopfen, Zittern oder Schweißausbrüche.

Wer solche Symptome bei sich feststellt, sollte aktiv werden. „Dauern die Beschwerden länger als zwei Wochen, sollte ein Arzt aufgesucht werden“, rät Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin. Innere Unruhe kann viele Ursachen haben und so zum Beispiel ein erster Hinweis auf eine Erkrankung sein. „Denkbar sind etwa eine Schilddrüsenüberfunktion oder Herzrhythmusstörungen“, erklärt Rainer Stange. Der Internist ist Präsident des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin (ZAEN).

Weitere mögliche Ursachen sind Depressionen, niedriger Blutdruck oder psychiatrische Erkrankungen etwa bipolare Störungen. „Oft quält Frauen in den Wechseljahren eine innere Unruhe, die dann hormonbedingt ist“, ergänzt Stange.

Wie im Einzelfall die Therapie aussieht, hängt von der Diagnose ab. Es kommt aber auch vor, dass sich für innere Unruhe eine organische oder psychische Krankheit als Ursache finden lässt. Was ist dann zu tun? „Hier gibt es viele Strategien“, erklärt Ute Gietzen-Wieland, Business- und Mental-Coach in Bielefeld.

Sie sieht innere Unruhe, die nicht mit einer Krankheit einhergeht, als eine Reaktion aus dem Unterbewusstsein. „Der Körper signalisiert, dass es im Leben womöglich eine Veränderung gibt, die unbewusst als Verschlechterung wahrgenommen wird“, sagt Gietzen-Wieland. Hier könne es helfen, wenn der Betroffene bei sich selbst Ursachenforschung betreibt. Das beginnt mit einer Liste: In welchem Lebensbereich macht sich die innere Unruhe bemerkbar, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf? Was erlebe ich als womöglich unerträglich und wie könnte ich es abstellen?

„Oft entsteht innere Unruhe auch durch das sogenannte Kopfkino“, so Gietzen-Wieland. Betroffene sind etwa davon überzeugt, dieses oder jenes nicht zu schaffen oder einer bestimmten Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Solchen vermeintlichen Schwächen sollten Betroffene etwas entgegensetzen: „Etwa, in dem man seine eigenen Erfolge und Stärken auf ein Blatt Papier schreibt und sie sich so klar vor Augen führt.“

Halbe Stunde joggen

Um der inneren Unruhe den Garaus zu machen, können Betroffene auch pflanzliche Arzneimittel nehmen. „Ein beliebtes Mittel ist etwa Baldrian“, sagt Sellerberg. Der Pflanzenstoff wirkt tagsüber beruhigend, abends eingenommen verbessert er die Schlafqualität. „Die volle Wirkung bei Baldrian wird allerdings bei regelmäßiger Einnahme erst nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht.“

Baldrian gibt es auch in Kombinationen mit anderen Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse, Johanniskraut und Passionsblume. Auch ein Teeaufguss kann beruhigend wirken, aus Baldrianwurzeln etwa. Aber Vorsicht: Die Baldrianwurzel kann möglicherweise die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. „Daher sollte man vorsichtshalber bis zwei Stunden nach Einnahme eines Medikaments mit Baldrianwurzel nicht Auto fahren“, so Sellerberg. Autogenes Training oder Meditation können ebenfalls helfen. „Beides muss man allerdings gelernt haben. Eine Wirkung stellt sich nicht unbedingt mit den allerersten Übungen ein“, sagt Stange. Ein Entspannungsbad hingegen stoppt die innere Unruhe oft kurzfristig.

Ebenfalls hilfreich ist körperliche Bewegung. „Es muss kein Marathon sein, sondern vielleicht einfach eine halbe Stunde joggen oder spazieren gehen und das möglichst mehrmals in der Woche“, sagt Gietzen-Wieland. Das bewusste Wahrnehmen der Natur im Wald und die Luft dort könnten Stress abbauen. Bei Unruhe vor einem bestimmten Ereignis, etwa einem Auftritt, kann die sogenannte Butterfly-Technik helfen, erklärt Gietzen-Wieland: Dabei kreuzt der Betroffene seine Arme vor der Brust, so dass die Hände auf den Schultern liegen. Im nächsten Schritt klopft man abwechselnd mit den Händen auf den Schultern und denkt an den bevorstehenden Auftritt. „Nach einer Weile beruhigen sich die belastenden Gefühle während des Klopfens und es macht sich Entspannung breit.“ dpa