Recht und Soziales

Finanzen Beratungsstellen unterstützen Privathaushalte / Künstler und Solo-Selbstständige bekommen nur in „allerschlimmsten Notfällen“ Hilfe

Wenn die Corona-Krise in die Schuldenkrise führt

Archivartikel

Göttingen.Normalerweise wäre er jetzt auf Abschlussfesten unterwegs, in Bibliotheken und in Kindergärten. Dieses Jahr ist für Liedermacher und Entertainer Frank Bode alles anders: Seit Mitte März seien seine Auftritte und damit ein großer Teil seiner Einnahmen weggebrochen. Künstler und Solo-Selbstständige gehören zu den Menschen, die infolge der Corona-Krise die stärksten finanziellen Einschnitte hinnehmen mussten. Ohne Rücklagen können sich schnell Schuldenberge anhäufen.

Angestellte Arbeitnehmer können sich dann Hilfe bei ihm und seinen Kollegen holen, sagt Thomas Bode, Leiter der Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Göttingen. Die Beratung werde allerdings meist nur für Privathaushalte finanziert. Freischaffenden Künstlern und selbstständigen Gewerbetreibenden dürfe er „nur in den allerschlimmsten Notfällen“ zur Seite stehen.

Schuldnerberater helfen meist kostenlos Einzelpersonen oder Familien, die mit Geldproblemen oder Überschuldung kämpfen. Kurzfristig geht es darum, die wichtigsten finanziellen und rechtlichen Probleme zu klären, damit Grundbedürfnisse wie die Miete und Lebensmittel bezahlt werden können. Die Berater stehen zudem bei psychischen Problemen bei und zeigen, wie die Ratsuchenden mit ihren Finanzen besser haushalten können.

Insgesamt gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen im Land. Hauptauslöser für die Überschuldung ist laut der Behörde meist der Verlust des Arbeitsplatzes. Die infolge der Corona-Pandemie gestiegenen Arbeitslosenzahlen lassen demnach auch eine Zunahme der Beratungsfälle befürchten.

Momentan sei die Lage in den Beratungsstellen noch unter Kontrolle, sagt Bode. „Man muss allerdings die Zeitachse im Blick behalten.“ Bis vor Kurzem durften Vermieter bei Zahlungsausfällen nicht kündigen, viele Gläubiger seien Stundungsbitten nachgekommen. „Die Einbußen waren also bisher nicht so groß“. Das könne sich allerdings schnell ändern – etwa wenn sich Gläubiger nicht auf weitere Stundungen einlassen.

Die typischen Ratsuchenden seien momentan Menschen, die schon vor der Pandemie nur knapp über die Runden kamen. Da die Krise so plötzlich kam, habe sich niemand auf ihre finanziellen Folgen vorbereiten können, sagt Bode. Personen, die vorher nebenbei in Branchen wie der Gastronomie gearbeitet haben, suchten nun ebenfalls Beratung.

Auch Künstler haben laut Liedermacher Bode schon vor der Krise oft „von der Hand in den Mund“ gelebt. Viele seiner Kollegen seien bereits jetzt essenziell betroffen, brauchten Rücklagen auf oder suchten neue Einkommensmöglichkeiten. Er hofft nun auf gesellschaftliche Solidarität mit der Branche und seine persönliche Fähigkeit, sich einzuschränken. „Künstler sind schon vor Corona Krisenmanager gewesen.“ epd