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Es wird ungemütlich: Orkantief "Sabine" nimmt Kurs auf den Südwesten

Stuttgart.Seit Tagen wird "Sabine" erwartet, nun ist das befürchtete Orkantief da: Nach den stürmischen Böen vor allem an der Küste und in Nordrhein-Westfalen rechneten die Meteorologen auch in Baden-Württemberg mit einer unruhigen Nacht. Vor allem am frühen Montagmorgen und erneut im Laufe des Vormittags soll "Sabine" weite Teile des Südwestens in Atem halten, so die Prognose. Flugzeuge bleiben zum Wochenanfang am Boden, die Bahn stellt etliche Verbindungen ein und auch der Schulunterricht ist ausnahmsweise freiwillig.

Die ersten Ausläufer erreichten Baden-Württemberg nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) schon am Sonntagnachmittag. "In den Frühstunden des Montags überquert uns die dazugehörige Kaltfront von Nordwest nach Südost", warnte DWD-Experte Kai-Uwe Nerding am Sonntagabend in Stuttgart. Der DWD hat für große Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterstufe herausgegeben. Im Schwarzwald gilt in einigen Regionen sogar die höchste der insgesamt vier Warnstufen.

Der Höhepunkt des Sturms im Nordwesten Baden-Württembergs wurde am Montag zwischen 3.00 Uhr und 6.00 Uhr erwartet. Gegen 7.00 Uhr dürfte "Sabine" auch den Großraum Stuttgart erreichen. Im Laufe des Montagvormittags ziehe "Sabine" über den Südosten des Landes, teilte der DWD mit. Die höchsten Windgeschwindigkeiten erwarteten die Meteorologen auf den allein stehenden Bergen im Hochschwarzwald.

Für Montagfrüh seien orkanartige Böen auch in den Niederungen mit einer Windstärke von bis zu 120 Kilometern pro Stunde möglich, hieß es weiter. Im höheren Bergland erwarteten die Wetterexperten Orkanstärken mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde. "Mit erheblichen Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen", warnte der DWD.

Der Flughafen in Stuttgart hat bereits vorgesorgt und am Sonntag Flüge gestrichen. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich vor allem um Maschinen, die aus dem Norden und Nordwesten Deutschlands und Europas kommen oder dorthin fliegen sollten. Dort war der Sturm am Sonntag kräftig zu spüren. Der Flughafensprecher erinnerte Reisende daran, sich über mögliche Ausfälle und Verspätungen von Flügen auch am Montag zu informieren. Wenn die Maschinen nicht in Stuttgart ankämen, fehlten sie für die geplanten Weiterflüge, erklärte der Sprecher.

Angesichts möglicher Gefahren auf dem Schulweg können Eltern am Montag ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen. Sie könnten selbst "entscheiden, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist", teilte das Kultusministerium in Stuttgart am Wochenende mit. Die Schule solle aber informiert werden.

Die Deutsche Bahn hat sich entschieden, "beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen", wie sie in einem eigens für den Sturm eingerichteten Presse-Blog schrieb. Der Fernverkehr werde bundesweit eingestellt, hieß es am Sonntagabend. Reisenden wurde geraten, ihre Verbindung vor Fahrtantritt in der Reiseauskunft auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu prüfen. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen.

"Sabine" ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) werde "Sabine" nicht.

Vor allem "Lothar", der sogenannte Weihnachtsorkan, hat über Jahre Spuren in Baden-Württemberg hinterlassen: Am 26. Dezember 1999 war er mit teils mehr als 200 Stundenkilometern von Frankreich kommend über Südwestdeutschland hinweggefegt. In der Rheinebene und im Schwarzwald hatte er immense Schäden angerichtet. Allein in den Wäldern hinterließ der Orkan rund 40 000 Hektar Kahlflächen.

Dächer wurden damals abgedeckt, Bäume stürzten auf Häuser, Straßen, Schienen oder Strommasten. Auf vielen Eisenbahnstrecken ging zeitweise nichts mehr, der Flugverkehr stockte, Straßen wurden gesperrt. In Baden-Württemberg starben damals neun Menschen, 25 weitere in den Monaten danach bei Waldarbeiten. Allein den versicherten Schaden beziffert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bundesweit auf rund 800 Millionen Euro.