Reise

5 Fragen zur Ferienplanung

Die Vorfreude auf den Urlaub macht glücklich, das haben Forscher der Universität Breda in den Niederlanden herausgefunden. Also kann man gar nicht früh genug mit der Planung anfangen. von thomas wüpper und susanne hamann

1. Kann man wieder in die Türkei reisen?

Klar kann man – sogar so günstig wie kaum einmal. Doch die Frage bleibt: Fühlt man sich dabei auch wohl? Der Sommerurlaub ist die schönste Zeit des Jahres, da will man ohne mulmige Gefühle und schlechtes Gewissen entspannen. Vor der Buchung sollten Pro und Kontra abgewogen werden, besonders, wenn man nicht allein reist. Für den Urlaub in der Türkei spricht das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Reisebüro oder online gibt es Schnäppchen zuhauf. Tolle Hotels und Strände, supergünstige All-inclusive-Angebote, traumhafte Landschaften, viele kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten, große Gastfreundschaft. Und all das kaum vier Flugstunden entfernt.

Leider ist im Land Erdogans die politische Lage höchst angespannt. Seit dem gescheiterten Putsch Mitte 2016 gelten unverändert Notstandsgesetze. Jederzeit können Ausgangssperren verhängt und angeblich Verdächtige in Haft genommen werden, Regimekritiker sitzen hinter Gittern. Auch zwischen Berlin und Istanbul gibt es Spannungen. Zahlreichen Deutschen wurde die Einreise verweigert. Anschläge auf Touristen wie vor zwei Jahren in Istanbul, als ein Selbstmordattentäter zwölf Deutsche mit in den Tod riss, haben Reisenden ebenfalls die Lust auf einen Türkei-Besuch nachhaltig verdorben. Öffentliche Plätze, Flughäfen und Nachtclubs waren bereits Ziele blutiger Terrorangriffe. In den Urlaubsregionen am Mittelmeer kamen zwar bisher keine Touristen zu Schaden, doch die scheinbar heile Ferienwelt ist nicht garantiert.

In allen Teilen der Türkei müsse mit Terrorgefahr gerechnet werden, warnt das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen, deren Lektüre unbedingt zu empfehlen ist. Der Kurdenkonflikt und die Gefechte an der Grenze zu Syrien verschärfen die Lage. Deshalb meiden viele Urlauber lieber das Land weiterhin - schließlich gibt es genug Alternativen.

2. Also im Sommer besser nach Mallorca?

Vielleicht auch nicht die beste Idee. Die beliebteste Ferieninsel der Deutschen erlebt seit der Türkei-Krise einen Ansturm wie nie zuvor. Die Folge: überfüllte Strände, Restaurants, Hotels und Straßen besonders rund um die Hauptstadt Palma, rasant gestiegene Preise, genervte Einheimische, die sich gegen die ständig anschwellende Gästeflut sogar mit Protestdemos wehren. Denn der boomende Tourismus beschert nur einem Teil der Insulaner wachsenden Wohlstand. Das Problem des Overtourism beschäftigt die Branche zunehmend. Denn nicht nur die Strände Mallorcas, viele Topsehenswürdigkeiten sind überlaufen. Vor berühmten Museen und Kathedralen gibt es fast endlose Warteschlangen. In Städten wie Barcelona, Amsterdam, Florenz, Venedig oder Dubrovnik schiebt sich an den meisten Tagen ein dichter Besucherstrom, darunter meist viele Tausend Tagesgäste von Kreuzfahrtschiffen, durchs Zentrum. Dadurch verlieren diese Orte an Reiz. Besonders Chinesen kommen gerne nach Europa. Allein in Spanien wuchs deren Zahl im ersten Halbjahr 2017 um mehr als 60 Prozent. Zur Hauptsaison sollte man sich deshalb besser Ziele suchen, die weniger überlaufen sind. Tipps gibt es im Reisebüro und unter Frage 4.

3. Einfach in Deutschland bleiben?

Keine schlechte Idee, denn unsere Heimat hat sehr viel zu bieten. Die Strände an der Nord- und Ostsee laden zum Badeurlaub ein, Mittelgebirge wie der Schwarzwald sind ein Traum für Wanderer, und in den vielen Flusstälern lassen sich entspannte und abwechslungsreiche Radtouren auf gut ausgebauten Wegen unternehmen. Man muss nicht zwingend weit weg fliegen. Rügen, Usedom, die Seenplatte rund um die Müritz, die Holsteinische Schweiz oder das Wattenmeer im hohen Norden sollte man wenigstens einmal im Leben besucht haben. Ebenso perfekt für schönen Familienurlaub ist Oberbayern mit seinen blauen Seen – und die herrliche Bergwelt der Alpen liegt gleich nebenan. Wer im Urlaub die eigene Heimat rkundet, spart sich stressige Flüge, kann das ganze Reisegepäck bequem im Auto verstauen oder die kurze Strecke mit dem Zug anreisen. Das Problem: Es gibt keine Sonnengarantie, der Strandurlaub kann selbst im Hochsommer verregnet sein. Wasserratten und Familien sollten deshalb Schlechtwetter-Alternativen einplanen, zum Beispiel Besuche mit Kindern in den zahlreichen Spaßbädern, Thermen, Ferienparks oder Museen.

4. Welche Länder sind im Kommen?

Um diese Frage zu beantworten, kann man raten – oder sich die Entwicklungen der letzten Jahre ansehen und Schlüsse daraus ziehen. Im Reisejahr 2017 war Griechenland besonders beliebt und konnte sich nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes um 30 Prozent steigern. Damit sind die Hellenen nach den Balearen im vergangenen Sommer zweitstärkste Urlaubsregion geworden. „2018 wird Griechenland zum zweiten Mal in Folge kräftig an Touristen zulegen“, sagt Eleftheria Danopoulou vom Griechenland-Spezialisten Mouzenidis Travel. Seit November schon laufen die Buchungen für Griechenland-Reisen auf Hochtouren.

Auch Kroatien boomt weiter. Portugal profitiert davon, dass viele die überfüllten Strände in Spanien meiden. Auch Italien ist wieder im Kommen und sicher eine Reise wert – sofern man von den bekannten Adria-Orten wie Rimini Abstand hält. Als preiswerte Geheimtipps gelten Zypern und Bulgarien. Auf der Fernstrecke haben die USA im letzten Jahr in der Gunst deutscher Urlauber sichtlich verloren – der Umsatz ging um 17 Prozent zurück. Man vermutet, dass die Reisenden Amerika wegen des Dollar-Wechselkurses und der Regierung Trump meiden. Dafür hatte Kanada ein gutes Jahr mit Zuwächsen im zweistelligen Bereich. Hier punkten ein charismatischer Premierminister, ein günstiger Wechselkurs und das 150-Jahr-Staatsjubiläum. Um rund 30 Prozent stiegen die Kanada-Buchungen beim Nordamerika-Spezialisten Canusa Touristik an, und auch für 2018 erwartet der Veranstalter eine starke Nachfrage für Kanada. „Das Land hat nicht nur ein sympathisches Image, es ist auch sehr sicher und bietet eine Fülle an landschaftlichen Attraktionen und reizvolle Städte-Reiseziele“, sagt Canusa-Geschäftsführer Tilo Krause-Dünow. Insgesamt ist die Branche recht zuversichtlich. „Wir blicken erwartungsvoll auf 2018 und rechnen auch für das Touristikjahr 2017/18 mit einem erneuten Plus“, sagt Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV).

5. Früh buchen oder lieber noch warten?

Wer allein oder als Paar verreist und flexibel ist, kann auf Last-Minute-Angebote hoffen. Zwar geht das Angebot für Kurzentschlossene Jahr für Jahr zurück, denn die Touristikkonzerne möchten langfristig kalkulieren und setzen daher auf Planbarkeit, doch es gibt sie noch, die unglaublichen Restposten. Man darf allerdings in Bezug auf das Ziel, den Abflughafen, den Reisezeitraum und die Hotelkategorie nicht festgelegt sein.

Wer keinesfalls in der Türkei landen will – hier gab es im vergangenen Sommer und Herbst die meisten kurzfristigen Reiseangebote –, sollte besser zeitig planen. Das gilt ebenso für Familien mit Kindern, die auf die Ferien angewiesen sind. Auch für Frühbucher gibt es Rabatte, bis zu 30 Prozent Ersparnis im Vergleich zum regulären Reisepreis sind möglich. Dass sofort eine Anzahlung fällig wird und man mitunter über Monate auf eine große Summe Geld verzichten muss, ist in Zeiten von Niedrigzinsen ja nicht mehr ganz so schlimm.

Auch wer sehr genaue Vorstellungen von seinem Urlaub hat, sollte nicht auf späte Schnäppchen hoffen. Auf den immer beliebter werdenden Kreuzfahrtschiffen zum Beispiel – die Branche verzeichnete in den vergangenen 20 Jahren ein Wachstum von über 800 Prozent – sind Kabinen für vier- oder mehrköpfige Familien rar und mitunter schon Tage nach Buchungsstart weg.

Die Pleite von Air Berlin und damit wegfallende Flüge haben Ziele wie Mallorca teurer gemacht. Hier könnte es durch zusätzliche Angebote jedoch bald wieder Entspannung an der Preisfront geben. So hat der Konzern Tui angekündigt, die (Flug-)Kapazitäten zu erweitern. Auch die Air-Berlin-Tochter Niki Luftfahrt will Ende März unter dem neuen Namen Laudamotion wieder abheben