Reise

Es muss am Wasser liegen. San Diego ist eine sehr entspannte Stadt in Kalifornien mit einer aufregenden Küche, sehr unterschiedlichen Stadtvierteln und der Möglichkeit, Urlaub in zwei Ländern zu machen.

5 Gründe für San Diego

Archivartikel

1. Selfie mit Seehund

Wenn man sich einen kalifornischen Surferboy ausdenken müsste, würde er genauso aussehen wie Aidan Bound. Er ist 21 Jahre alt, eigentlich Student der audiovisuellen Medien, hat blond ausgebleichten Salzwasser-Haare, sonnengebräunte Haut, sieht sogar im Neoprenanzug gut aus. Er erklärt in kurzen Sätzen, wie das mit dem Kajakfahren auf dem Pazifik so läuft. Sein Nebenjob sind Kajaktouren und dabei spannende Geschichten auf dem Wasser zu erzählen, während die Touristen bei der „Surf“-Übung ins 15 Grad kalte Wasser plumpsen. Unter den Klippen des La Jolla Coves gibt es ein Tunnelsystem, in dem während die Prohibition Alkohol und später dann Drogen versteckt wurden. Ein Seehund schwimmt vorbei, ein Pelikan taucht steilgerade ins Wasser, in der Ferne sind Delfine zu sehen. „Awesome“, sagt Aidan. Ständig, zu allem. Und ja: recht hat er. Hier in dem Stadtteil La Jolla ist alles „awesome“, „fantastisch“ eben. So wie die Seehunde, die auf den Felsen im La Jolla Cove entspannt herumliegen, auch wenn ihnen die Touristen für Selfies nahekommen. Dahinter liegen die Villen der Reichen, die zwischen 20 und 30 Millionen Dollar kosten. Ein Haus hat etwa einen privaten Aufzug runter an den Strand, eines besteht komplett aus Glas. Wer die Natur liebt, hat in San Diego viele Möglichkeiten: Wandern durch das Torrey Pins Reservat, Kajak fahren auf dem Pazifik, Paragliding über der Steilküste. Und man ist immer irgendwie auch in der Stadt.

2. Wo Kalifornien entdeckt wurde: Der Coronado Beach

Es muss an den vielen Stränden liegen. Diese gewisse Art der Entspanntheit gibt es nur in Millionenstädten, die am Meer liegen. „Life is better at the beach“, heißt so ein Spruch, den sich manche an die Wand kleben. Ist das Leben am Strand wirklich besser? San Diego ist ein bisschen die zu Unrecht vergessene Tante neben den Starverwandten Los Angeles und San Francisco. Vielleicht deshalb, weil es kein Wahrzeichen gibt. Keine Golden-Gate-Bridge, kein Hollywood-Schild. Dabei wurde Kalifornien hier entdeckt: 1542 ging der erste Europäer an Land und nannte die Entdeckung San Miguel. Der nächste Spanier gab dem Ort seinen heutigen Namen San Diego. Die Stadt San Diego ist Kalifornien im Miniformat: es gibt den Strand, die Berge, die Wüste. San Diego ist eine kalifornische Traumstadt. Und ist an vielen Punkten ganz und gar nicht amerikanisch. Die Menschen gehen spazieren, flanieren, joggen, sie fahren Fahrrad, Inline-Skates und natürlich Skateboard – klar. Sie sind sehr entspannt, was vielleicht an den vielen Stränden liegen mag.

3. Hundert Viertel

Jede Stadt hat ein Viertel wie den Berliner Prenzlauer Berg. In San Diego heißt der Bezirk North Park. Hier gibt es hippe Bars, Craft-Beer-Brauer, schicke Schnickschnack-Läden. Was an San Diego sofort auffällt: Es ist überall anders. Die rund 1,3 Millionen Einwohner zählende Stadt gentrifiziert sich in Downtown, hat mit La Jolla ein Viertel für sehr reiche Leute. Da gibt es Little Italy, wo sich einst die italienischen Fischer angesiedelt haben und heute auf dem Wochenmarkt teures Obst und Gemüse verkauft werden. Während im Barrio Logan die Hispanoamerikaner leben und im Chicano Park Wandbilder aus Protest gegen die Brücken, die ihren Park zerstört haben, gemalt haben. Hill Crest ist die Heimat der Homosexuellen, wo Regenbogenflaggen aus den Fenstern hängen. In Old Town gibt es Margeritas in XL-Gläsern und mexikanische Souvenirs, in Mission Hills wachsen Zitronenbäume in adretten Vorgärten. Dann der Postkartentraumstrand Coronado Beach, wo das Hotel del Coronado liegt. Billy Wilder hat hier „Manche mögen’s heiß“ gedreht. San Diego hat 100 verschiedene Wohngegenden. Jede hat ihren ganz eigenen Charakter. Und: Hier gibt es einen Strand für jeden Geschmack – für Hippies, Nudisten, für Surfer und Familien – und eben auch einen für Seelöwen. Am Ocean Beach liegt der süßliche Duft von Marihuana in der Luft. Hier gab es eine Protestwelle, damit kein Starbucks im Kiez eröffnen wird. Man sieht Bettler an der Promenade, Tattoo-Läden und viele Menschen, die für Burger Schlange stehen. Und einen Strand weiter ist alles schon wieder ganz anders.

4. San Diegos Küche

„Aloha to you“ steht an der Wand des Duke’s Restaurant. Die hawaiianische Grußformel passt zum Lokal. weil hier eben kalifornische auf hawaiianische Küche trifft. Chefkoch Dustin Anselm (46) sagt selbstbewusst: „Wir haben die besten Produkte der Welt.“ Und wahrscheinlich hat er recht. Unter der Sonne Kalifoniens wachsen nicht nur Avocados, im Pazifik gibt es tollen Fisch, die Rinder weiden auf den Wiesen. Anselm ist in San Diego geboren und hat es live mitbekommen, wie die so genannte „Cali Baja Cuisine“ oder auch „Calimex“-Küche entstand, eine Kombination der beiden Küchen von Kalifornien und von Mexiko, das gerade mal 30 Kilometer entfernt ist. „Fish Tacos sind unsere Burger“, sagt Anselm. Anfang der 80er Jahre war Ralph Rubio in Mexiko zum Surfen und kam mit der Idee von Fisch-Tacos zurück. In einen Fladen aus Mais- oder Weizenmehl kommen Füllungen mit Salsa und Guacomole. Gegessen wird es – mit der Hand, der Fladen hält alles zusammen. Und ja: Es gibt sie überall in allen Varianten. Aber auch Ceviche – ein Fischgericht aus der peruanischen Küche – ist angesagt. Und Rosenkohl! Den gibt es, leicht angeröstet, auch bei Christina Rivira in ihrem „Galaxy Tacos“. Die Köchin mit der roten Haartolle pflegt ebenso diese typische San-Diego-Fusion-Küche und serviert Tortillas aus blauem Mais. Und immer wieder Avocados. Guacamole, das Avocado-Muß, ist ein Muss zu Tacos. So wird San Diego auch „die Hauptstadt der Avocados“ genannt.

5. Zwei Länder

Im Fotografiemuseum im Balboa Park werden 14 mexikanische Gegenwartskünstler gezeigt. „Frontera“ heißt eine Serie, in der es um die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten geht. Es ist immer ein Thema in der Stadt, von der aus Mexiko so schnell zu erreichen ist. An klaren Tagen kann man am Cabrillo National Monument nicht nur die Skyline von San Diego und den Hafen mit den Flugzeugträgern sehen, sondern auch bis zu den Hügeln zum mexikanischen Tijuana. Eine Straßenbahn fährt vom Zentrum San Diegos bis zum Grenzübergang. Es soll einer der umtriebigsten der Welt sein. Mexikaner kommen häufig zum Arbeiten herüber oder zum Einkaufen ins Outletcenter. Aber: Es kommen weniger seit 2017. Seit Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist. Genau hier, wo Donald Trump eine Mauer bauen will, steht schon ein mehrere Meter hoher Zaun, der bis ins Wasser reicht. Für Touristen ist ein Tagesausflug nach Mexiko kein Problem: Über die Grenze geht man am besten zu Fuß.