Reise

Nordschwarzwald Zum 95. Mal findet Ende Januar das Fassdaubenrennen auf dem Sommerberg in Bad Wildbad statt

Abenteuerfahrt auf krummen Hölzern

Das Fassdaubenrennen findet am Sonntag, 27. Januar, auf dem Sommerberg statt. Eine der wichtigsten Traditionsveranstaltungen in Bad Wildbad feiert damit in diesem Jahr das 95-jährige Bestehen im Nordschwarzwald. Für Marcus Eisele, Vorstandsmitglied der Skizunft Wildbad, ist das „ein sportliches Ereignis, das seinesgleichen sucht“.

Begonnen hat das Fahren mit Fassdauben bereits um 1900. Nachdem der Norweger Fridtjof Nansen 1891 ganz Grönland auf Skiern in nur 42 Tagen durchquert hatte, wurde das Skifahren auch im Südschwarzwald populär. Mit Gründung des ersten Ski-Clubs in Todtnau etablierte sich noch im selben Jahr der neue Modesport, der als schick galt und in den Folgejahren ein durchaus mondänes Publikum in den Schwarzwald lockte.

Erstes Rennen 1923

Da sich die Kinder und Jugendliche rund um Wildbad keine Skier leisten konnten, nahmen sie die Bretter von alten, nicht mehr benötigten Fässern und banden sich die Fassdauben unter die Füße. Wenn genügend Schnee lag, rutschten sie dann auf den kurzen „Ersatz-Skiern“ herum. 1923 initiierte ein Pforzheimer Schmuckfabrikant, der ein eigenes Anwesen in Wildbad hatte, das erste Fassdaubenrennen für die Schuljugend. Für den besten Fassdaubenfahrer lockte als erster Preis ein Paar richtige Skier.

Auch heute findet noch alljährlich das Fassdaubenrennen statt. Bei dem in Deutschland einzigartigen Skirennen auf Fassbrettern ist aber nicht nur ein Langlaufparcours, sondern auch eine Abfahrt mit Schanzen zu meistern. „2018 hatten wir 70 Teilnehmer und das im Alter von sieben bis sechzig Jahren“, lacht Marcus Eisele, der auch für 2019 ein großes Starterfeld erwartet.

War das Rennen früher nur für die Schüler des Ortes, ist es heute eine Veranstaltung, die Spaß macht und daher auch viele Erwachsene anlockt, die bereits im Kindesalter auf den Fassdauben gestanden und mutig die Hürden genommen haben. Als besten Beweis nennt Marcus Eisele hierfür Wolfgang Treiber aus Bad Wildbad, der bereite 1968 als Achtjähriger zum ersten Mal seine handgefertigten Fassdauben angeschnallt hat und im Vorjahr nach 50 Jahren erneut beim Hindernislauf auf Sommerberg unterwegs war.

Heute wie einst wird das Rennen auf Fassdauben, also den gleichmäßig gebogenen Brettern, aus denen man früher Holzfässer herstellte, gewertet.

Traditionell ist die Daube durchbohrt für Riemen als Halt für die Schuhe – und sie besteht ohne Schrauben und Nägel, denn Metallteile sind nach den Regularien verboten. Damit halten nur vorne zwei Riemchen den Vorderfuß und hinten zwei weitere Riemen die Ferse. Der Rest ist ein Balanceakt auf einem gebogenen Stück Holz.

Sehenswertes Rennen

Das wiederum ist sehenswert für die vielen Zuschauer, die die individuellen Fortbewegungsaktionen der sportlichen Rennfahrer bewundern. Ohne Stahlkante wie einem modernen Ski ist die Fahrt auf einer Fassdaube mehr als nur ein Abenteuer, es gibt keinen Halt und keine Bremse. Zudem gilt es, die größtmögliche Auflagefläche zu nutzen, um damit auch noch möglichst elegant und rasch voranzukommen.

Das Skirennen startet um 14 Uhr mit einem Anstieg am Skihang. Dann geht es den Parcours entlang mit Langlauf und endet zum Abschluss mit einem knapp 400 Meter langen Abfahrtslauf, bei dem zwei rund 30 Zentimeter hohe Schanzen als Hindernis vor dem Ziel zu bewältigen sind.

Um die Tradition des Rennens zu bewahren, hat der Verein rund 80 eigene Paar Fassdauben, die auch von Fremden und mutigen Skiläufern für das Rennen gegen eine Leihgebühr von 20 Euro genutzt werden können.

Fässer gesucht

„Früher gab es Fässer in allen Familien, da hat man die Daubenskier noch selbst gemacht“, urteilt Marcus Eisele, der noch heute von den schnellen „Bordeaux-Brettern“ seiner Frau schwärmt. Doch auch diese Bretter gehen einmal zu Bruch. Gesucht werden daher immer wieder Winzer und Partner, die Fässer zur Anfertigung von Dauben zur Verfügung stellen.

Die „Nordische Kombination für Fassdauben“ ist für Marcus Eisele einzigartig. Mit Spaß und viel Humor wagen sich bei dem Rennen oftmals auch sommerlich bekleidete Jugendliche und Männer mit kurzen Lederhosen auf die Piste und machen somit den in Deutschland unvergleichlichen Wettbewerb auch für Zuschauer zu einem unvergesslichen Erlebnis.