Reise

Aktiv oder entspannt urlauben

Archivartikel

Erich Kästner glaubte, „nur unterwegs erfährt man das Gefühl märchenhafter Verwunschenheit“. Buchtipps für alle, die gern im Wohnmobil unterwegs sind.

Das Leben und Reisen im Campervan ist keine neue Erfindung, erlebt unter dem Begriff und Hashtag „Vanlife“ derzeit aber wieder einen Aufschwung. Doch welcher Van entspricht eigentlich welchen Bedürfnissen? Was kann man sich abgucken von jenen, die ihre Fahrzeuge schon ausgebaut oder umgerüstet haben? Und welche Routen lohnen sich wirklich? Das Buch „Ed Bartlett, Becky Ohlsen: Vanlifevon“ (Lonely Planet, 256 Seiten) will darauf Antworten geben. Nützliche Hinweise zu all dem, was zu dieser Art von Reisen gehört, finden sich im ersten Teil. Etwa, welche Möglichkeiten zur Stromversorgung es an Bord gibt oder was alles in eine mobile Küchenbox gehört. Inspiration und Tipps für den eigenen Vanausbau findet man im zweiten Teil des Buches, wo zehn Camper aus verschiedenen Ländern der Welt und ihre Gefährte vorgestellt werden – auch mit vielen Bildern. Dabei wird klar: Die meisten Vans wurden wohl von Perfektionisten oder Profis ausgebaut. Für handwerklich Unerfahrene und jene, die nicht dauerhaft im Camper leben wollen und daher eine eher spartanische Küchenausstattung benötigen, sind neun von zehn Porträts nichts. Auch der dritte Buchteil – die 20 schönsten Routen weltweit – taugt eher als Inspiration als zur konkreten Umsetzung. Um in Westafrika von Freetown nach Accra, in Minnesota über den Highway 61 oder in Argentinien entlang der Carretera Austral zu reisen, müsste man sich dort erst einmal einen Van suchen.

Der Weg ist das Ziel

Im Wohnmobil reisen ist längst Trend. Immer mehr genießen dieses Stück Freiheit mit der Wohnung auf vier Rädern. Auf vielen bebilderten Seiten können Wohnmobilisten in dem großformatigen Band „H. Newe: Unterwegs zuhause – Deutschland“ (Kunth Verlag, 296 Seiten) 20 Reisewege durch Deutschland entdecken – vor allem abseits der Autobahnen. Das Buch ist thematisch nach Straßen gegliedert, die auch mal durch zwei oder drei Bundesländer führen. Beispielsweise die Route entlang der Romantikstraße in Baden-Württemberg und Bayern oder die Tour der Industriekultur in Nordrhein-Westfalen. Vom sportlichen Drei-Tages-Trip bis zum ausgedehnten Urlaub über zwei Wochen: „Unterwegs zuhause – Deutschland“ besticht mit detailreichen Straßenkarten inklusive GPS-Daten, Tipps für Stellplätze und Sehenswürdigkeiten. Hauptorte entlang der Routen werden nur aufgezählt. Kurz beschrieben werden dafür kleinere, lohnende Städtchen und deren Geschichte. Das Buch hilft all jenen, die ein üppiges Grundgerüst für Trips durch Deutschland brauchen. Zusätzlich werden reichlich Ideen aufgezeigt, wie die Zeit zwischen den Fahrten gefüllt werden kann.

Von Lappland bis Gibraltar

69 000 Kilometer, 45 Länder – der selbst (aus-)gebaute Campervan des Autoren-Duos hat einiges mitgemacht und seine beiden Bewohner haben viel erlebt auf ihrer Tour durch Europa. Was genau, haben sie in ein dickes Buch gepackt, das gleichermaßen Lesestoff wie Touren-Ideen bietet. Im Stil eines Tagebuchs erzählen die Autoren in „Rickenbacher, Eigenmann: On the Road“ (Bruckmann Verlag, 304 Seiten) von ihrem Reisealltag, beschreiben Orte, Gastgeber und Eindrücke und dokumentieren das alles mit vielen Fotos. Zu jeder der Ländertouren gibt es einen Steckbrief mit Karte, Fahrzeit und Highlights. Dazu gesellen sich ausgewählte Campingplätze, manchmal Restaurants – immer mit GPS-Koordinaten, selten mit Homepage. Damit taugt das Buch als Appetitmacher und Überblick für Campertouren in Europa und als Urlaubslektüre für Campingfreunde.

Logbuch fürs Reiseleben

Wie hieß der tolle Campingplatz am Fluss? Und wo war die Kontaktadresse des netten Paars? Fragen, die auch die Autorinnen des Wohnmobil-Logbuchs nicht beantworten können.

Aber sie haben ein Rezept gegen Vergesslichkeit: Das robuste, 160 Seiten starke Buch „Franziska Feldmann, Gunda Urban-Rump: Tourguide Logbuch“ (Reise Knowhow Verlag, 160 Seiten) mit viel Raum für Notizen, genauer gesagt, für 62 Reisen mit dem Wohnmobil. Jeweils auf einer Doppelseite sind einige Basisdaten zum Ausfüllen vorgegeben – von Streckenlänge bis Stellplatzpreis und von Picknickplatz bis Wetter, ansonsten ist Platz für Antworten auf spätere Fragen. Sinnvoll gerahmt ist das Ganze von Kalender und Inhaltsverzeichnis (zum Selberfüllen), Angaben zu Fahrzeug und Mitfahrern, Checklisten, Maßen und Daten, vier Mini-Sprachführern und einigen Spielideen für unterwegs.

Rentner auf Reisen

„Ein Rentnerpaar erfüllt sich seinen Lebenstraum“ – der Untertitel klingt vielversprechend: Wer träumt nicht von der großen Freiheit, dorthin zu reisen, wo es gerade schön ist, unabhängig von Pflichten und Terminen. Anna Dross und ihr Mann Gabriel haben es getan. Mit lebenserfahrenen 63 Jahren kaufte sich das Paar ein Wohnmobil und zog – als Camper völlig unerfahren – fröhlich los. Von Ostfriesland nach Südspanien und von Nordfrankreich nach Westberlin, allen Widrigkeiten zum Trotz. Diese schildert die Autorin in „Anna Dross: Abenteuerreise Wohnmobil“ (Goldmann Verlag, 368 Seiten) so offen wie selbstironisch und dennoch spricht aus jeder Seite die Begeisterung für das selbst gewählte Leben in einem „Witz auf Rädern“. Kein Wunder, dass das Buch mit einer Warnung endet: Reisen im Wohnmobil macht süchtig!

HSB/KANNA/BB