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An der Pader lang

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Paderborn in Nordrhein-Westfalen ist kein klassisches Wanderziel. Nun gibt es dort die erste zertifizierte Stadtwanderung in Deutschland. Was an der Strecke besonders ist, erklärt Tourismusdirektor Karl Heinz Schäfer.

Herr Schäfer, in der Stadt zu wandern, klingt nicht besonders attraktiv. Was ist in Paderborn anders?

Schäfer: Wir haben in Paderborn einen Fluss,der mitten in der Stadt entspringt. Die Pader ist 4,5 Kilometer lang und damit Deutschlands kürzester Fluss, verfügt aber über eine enorme Wassermenge. Aus den rund 200 Paderquellen entspringen pro Sekunde 5000 Liter, so dass diese zu den stärksten Quellen Deutschlands gehören.

In Paderborn gibt es nun die erste zertifizierte Stadtwanderung. Wie sieht diese Tour aus?

Schäfer: Die Wanderung führt entlang der Pader. Sie beginnt an ihren westlichen Quellen und verläuft entlang des Flusslaufes bis zur Mündung in die Lippe. Durch ein Waldgebiet, Parkanlagen und eine Kastanienallee geht es dann zurück in die Innenstadt, wo die Strecke im östlichen Paderquellgebiet endet. Insgesamt sind es zwölf Kilometer, die sehr gut ausgeschildert sind.

In der Stadt geht man in der Regel viel auf Asphalt. Wie ist das bei dieser Tour?

Schäfer: Etwa 40 Prozent der Strecke verlaufen auf Asphalt, noch mal so viel auf befestigten Wegen. Der Rest sind naturnahe und schmale Wege.

Sind die Qualitätskriterien für Stadtwanderungen weniger streng als für Qualitäts- wanderwege auf dem Land?

Schäfer: Ja, der Asphaltanteil darf höher sein. Maximal sind bis zu 70 Prozent erlaubt. Dafür müssen aber mehr Besonderheiten oder Sehenswürdigkeiten aus dem Bereich Natur/Kultur geboten sein als bei Qualitätswanderungen auf dem Land. Entlang der Paderwanderung haben wir 25 Stationen mit einer Natur- oder Kulturattraktion. An der Strecke liegen beispielsweise fünf ehemalige Mühlen, der Padersee, Schloss Neuhaus, eine alte Kapelle sowie Fischteiche. Es gibt acht Spielplätze und mehrere Einkehrmöglichkeiten.

Wie wichtig ist ein Gütesiegel für eine Wanderung?

Schäfer: Bei der Vielzahl an Wanderwegen bietet die Auszeichnung des Deutschen Wanderverbands eine Orientierung, weil sie auf nachprüfbaren Kriterien basiert. Zudem ist die Außenwirkung mit einem Gütesiegel höher. Solche Wanderungen heben sich aus der Masse hervor. Das haben wir bei unserer ersten Qualitätswanderung, dem Paderborner Höhenweg, deutlich gespürt. Die Stadtwanderung gehört in die Kategorie der kurzen Touren, von denen nun auch immer mehr zertifiziert werden. Da besteht natürlich die Gefahr, dass sich ein solches Gütesiegel auch verwässert.

Wen wollen Sie mit dieser Wanderung ansprechen?

Schäfer: Wanderer, die vielleicht zufällig in Paderborn sind, und Stadtbesucher, die spontan Lust auf eine Wanderung haben. Man muss gar nicht die zwölf Kilometer gehen, es gibt einige Möglichkeiten, die Strecke zu verkürzen oder auch nur ein Teilstück zu gehen.

Und wenn ich damit durch bin, was mache ich dann?

Schäfer: Dann empfehle ich unseren Paderborner Höhenweg oder auch den Alten Pilgerweg - beide mit einer Länge von gut 20 Kilometern.

Karl Heinz Schäfer,

Jahrgang 1959, ist seit 1994 Mitarbeiter und seit 2014 Geschäftsführer der Tourist Information Paderborn. Foto: privat