Reise

Angeln, baden, chillen

Archivartikel

Schwedens südlichste Großstadt Malmö bietet Industrieromantik mit Strand, Sauna und schicken Museen.

Der Steg über das Meer scheint unendlich und führt kerzengerade Richtung Dänemark. Dazwischen schwebt nur noch ein Gebäude auf Stelzen: Es ist das Riberborgs Kallbadhus und beheimatet die größte Sauna der Region. Durch ein Café betreten Besucher das Jugendstilbad. Den Eintritt von etwa sechs Euro bezahlt man an der Restaurantkasse. Rechts geht’s zu den Frauen, links zu den Männern, Familien können sich in der Mitte in einer meist proppenvollen Gemeinschaftssauna treffen. Besser: Frau bleibt bei ihren Geschlechtsgenossinnen, lässt Mann und achtjährigen Sohn separat schmoren und genießt in der trockenen, heißen Luft den Blick durch das Panoramafenster auf den Öresund.

„Du hast hier den besten Ort Malmös entdeckt“, sagt eine ältere Frau, die vor der Sauna auf einer Holzbank sitzt. Die Ursprünge des Badehauses gehen auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurück, vor rund 15 Jahren wurde das Jugendstilgebäude nach einem Brand renoviert. Das beste: Saunafans können sich nach dem Saunagang direkt im Meer abkühlen, daher der Name Kallbadhus („kall“ = kalt), und dabei noch die Skyline Malmös im Westhafen bewundern.

Nach einer schweren Werftenkrise in den 80er Jahren, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit, hat sich Schwedens drittgrößte Stadt zu einer schicken Metropole gemausert. Seit Malmö per Brücke mit Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen verbunden ist, hat sich die Industriestadt zu einem beliebten Ziel für Kulturreisende entwickelt, denn die Fahrt mit dem Zug vom Flughafen Kopenhagen nach Malmö dauert gerade mal 25 Minuten. Seit Beginn der 2000er hat sich der Westhafen mit seinen schicken Glasbauten und Holzterrassen direkt am Meer zu einem der Anziehungspunkte für Einheimische und Touristen entwickelt. Dort hat es auch mehrere sogenannte „Tiefbadestellen“, also am Meer gelegene Holzterrassen, an denen Badefreudige einfach kurzerhand ins Meer springen können (und per Leiter wieder nach oben kraxeln). Malmö vereint das, was moderne Familien mögen: eine schicke Stadt am Meer, der man ihre Arbeiterhistorie noch ansieht, die sich aber gleichzeitig weiterentwickelt hat und mit knapp 300 000 Einwohnern noch übersichtlich geblieben ist. Der Mix aus bodenständigen Beschäftigungen wie Angeln, Baden und Spaziergängen am Meer, der lieblichen Landschaft in Kombination mit Kultur und der Industrieromantik macht Malmö und die Region Schonen attraktiv. Viele der bekannten schwedischen Bands wie die Cardigans oder The Ark kommen aus Malmö.

Für einen Tageseintritt von gerade mal vier Euro können Erwachsene vier Museen besuchen, die Kinder kosten nix: ein Stadtmuseum samt Siedlungsgeschichte, ein Kunstmuseum, das bei Kindern beliebte Naturkundemuseum samt Aquarium und ein spannendes Technik- und Seefahrt-Museum. Überhaupt das Technikmuseum: riesige Hallen, in denen Besucher unter anderem Flugzeugcockpits und U-Boote betreten können. Wer also darüber nachdenkt, per U-Boot zur See zu fahren, kann dort testen, ob er klaustrophobisch veranlagt ist. Das Problem kennt der 1,68 große Bengt Malmborg nicht. Der 80-Jährige arbeitete als junger Soldat Ende der 1950er Jahre als Ingenieur auf dem U-Boot „U3“ und erzählt Museumsbesuchern, wie damals das Leben an Bord so war: „Das Klo war ein großes Problem, denn nicht jeder konnte die Spülung richtig bedienen.“ Anders formuliert: Wer technisch überfordert war, dem flogen gewisse Stoffwechselprodukte um die Ohren. So vermied ein jeder, sein größeres Geschäft an Bord zu erledigen, und hoffte auf baldigen Landgang.

Letzteren wünscht man sich vielleicht auch nach einer Angeltour mit hohem Wellengang im Öresund. Abfahrtsort ist Malmös Vorort Limhamn. Der Magen ist flau, doch die Tour mit Kapitän Björn Tungsten ist ergebnisreich: sechs Heringe, drei Dorsche und ein kleiner Wittling. Auch hier bewegen sich Reisende an dem Nadelöhr zwischen Dänemark und Schweden, teilweise fährt man direkt unter der Öresundbrücke durch.

Fazit: Egal, ob Baden, Sauna, U-Boot oder Angeln, egal ob im, unter oder auf dem Wasser – der Öresund ist in Malmö immer dabei.