Reise

Büsum Der Nationalpark Wattenmeer hat viel Interessantes zu bieten / Eiergrog wärmt nach reichlich Nordseewind von innen

Auf den Spuren der schnellsten Schnecke

Büsum liegt nicht etwa in der Türkei, wie manche Zeitgenossen vermuten, sondern an der deutschen Nordseeküste, ungefähr eine Autostunde von Hamburg entfernt.

In den letzten Jahren hat sich der Ort auf dem Festland gemausert: Stolz sind die Einheimischen auf ihren neuen Klimadeich und die barrierefreie Strandpromenade.

„Denn man tou“

Damit einher ging auch ein Wandel des Publikums vom Rentnerdomizil zum Familiendomizil. An schönen Tagen zieht es die Eltern mit ihren Kindern in die Perlebucht, gleich beim alles dominierenden Hochhaus, das inzwischen charakteristisch für Büsum ist. Nicht nur die beiden Meeresbecken sind in der Perlebucht ausgesprochen einladend. Die zwei Lagunen sind nach dem Mondplan ausgerichtet und werden in diesem Rhythmus neu mit frischem Meerwasser eingelassen: Eine Bucht für Familien und Badespaß, die andere fürs Bootfahren und Kitesurfen. Damit ist für jeden was dabei. „Denn man tou“, sagt man in Büsum.

Beim Marsch auf dem Deich faszinieren sie immer wieder, die Gezeiten. Der Blick auf das Wasser, das sich Stück für Stück das Watt zurückerobert. Das einzigartige Wattenmeer lässt sich bei einer Führung intensiv erkunden. Das ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ein besonderes Erlebnis. „Die Wattschnecke ist die schnellste Schnecke der Welt. Sie heftet sich an die Unterseite des Wassers und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von sieben Stundenkilometern“, erklärt Tom Surberg, der bei der Schutzstation Wattenmeer sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und die Wattführung durchführt. Beim „Spazieren gehen auf dem Wasser“ lernen die Wattläufer auch die Strandkrabbe kennen und Männchen und Weibchen zu unterscheiden. Beim gemeinsamen Wattwurm-Buddeln werden natürlich die Möwen angelockt.

Trotz aller Begeisterung für das Watt und seine Artenvielfalt vergisst Tom Surberg nicht, auf die Gefahren hinzuweisen, wie beispielsweise den plötzlich auftretenden Seenebel, bei dem man die Hand vor den Augen nicht mehr sieht und die Orientierung verliert.

Dass dies keineswegs eine Übertreibung ist, zeigt sich kurz darauf bei der erlebnisreichen Fahrt mit der „Ol Büsum“ zu den Seehundsbänken. Es nieselt und der Nebel ist dicht. Trotzdem ist die Begeisterung groß, als die Seehunde in Sicht kommen. Behutsam nähert sich das Schiff den Tieren, die sich nicht stören lassen. „Der Schutz des einzigartigen Lebensraumes steht an erster Stelle“, betont der Kapitän.

Durchgefroren und mit kalten Füßen ist danach genau die richtige Zeit für den Eiergrog von Andra Hansen in der „Alten Post“ in Büsum. Das Ursprungsrezept geht auf ihre Urgroßmutter zurück und machte die „Alte Post“, die im letzten Jahr ihr 130-jähriges Bestehen feierte und als ältestes Wirtshaus gilt, weit über die Grenzen Büsums bekannt. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Patrick Kebekus hat Andra Hansen in diesem Traditionsunternehmen eine neue Ära eingeleitet.

Der Eiergrog wird warm getrunken und aus Eigelb, Zucker, ein bisschen Eiweiß, weißem Rum und heißem Wasser hergestellt. „Das Geheimnis ist das Rühren“, erzählt Andra Hansen mit einem Augenzwinkern, während die frisch aufgeschlagenen Eier unter ihren Händen schaumig werden. Ein Gedicht! Und bei diesem Wetter genau richtig. Denn man tou!

Ebenfalls ein Fan von Eiergrog ist Momme Claussen, der den Hafenbummel mit den Gästen zu einem einmaligen Erlebnis werden lässt. Mit Fischerhemd und Elbsegler auf dem Kopf ist er um keinen Schnack verlegen und kennt alle kleinen Anekdoten – Döntjes – aus dem Büsumer Hafen.

Vorbei an vielen Kuttern, die sich an der Hafenmole aufreihen, erzählt Momme Claussen in seiner unnachahmlichen Art, dass der Hafen in Büsum einen Knotenpunkt für die Fischerei ist. Das Büsumer Hafenbecken 2, welches für das gewerbliche Fischen und zu einem kleinen Teil auch für die Ausflugsschiffe genutzt wird, ist Liegeplatz für viele Kutter in der Nordsee. Speziell die Krabbenfischer löschen in Büsum ihre Ladung. Büsumer Krabben werden als Delikatesse auch außerhalb Deutschlands geschätzt. Das Krabbenpulen erfordert etwas Geschick, gehört aber zum Besuch in Büsum auf jeden Fall dazu. Wie’s geht, verrät Momme Claussen im Museum am Meer. Und empfiehlt den Gästen aus Franken, die frische Delikatesse aus Büsum doch mit einem Boxbeutel im Strandkorb zu genießen. Denn man tou!

Info: Weitere Bilder von der Reise nach Büsum in einer Fotostrecke unter www.fnweb.de im Internet.