Reise

Auf Tour im Heiligen Land

Erstmals haben rund 50 palästinensische Reiseveranstalter ihre Angebote in einem Katalog gebündelt. Neben den klassischen Pilgerzielen finden sich auch viele Outdoor-Aktivitäten für Wanderer, Radler und Reiter im Programm.

Auf dem Pferd zu biblischen Orten wie Tell Rekhesh, wo sich die legendären Stallungen von König Salomo befunden haben sollen? Oder lieber zu Fuß wie einst Josef und Maria von Nazareth nach Bethlehem? Oder radelnd von Jenin über Nablus, Jericho, Hebron, Bethlehem nach Jerusalem?

Die Zeiten, in denen das Heilige Land nur für Pilger und Kulturreisende interessant war, sind vorbei. Israel positioniert sich schon seit einigen Jahren erfolgreich als Ziel für Aktivurlauber und Städtereisende, was steigende Gästezahlen bewirkte. Nun will auch Palästina verstärkt Outdoor-Touristen und genussorientierte Urlauber anziehen. Pünktlich zur Tourismusmesse in Berlin hat der Verband der palästinensischen Reiseagenturen (Hlitoa) erstmals einen Katalog in deutscher Sprache herausgebracht, in dem 35 Reiseprogramme vorgestellt werden. Verbunden ist damit sicher auch die Hoffnung, als attraktives Reiseziel zu punkten – und nicht nur als Region zu gelten, die mit Terror, Gewaltausbrüchen und Anschlägen Schlagzeilen macht.

Der neue Katalog hält einiges bereit: So führt eine Wanderreise auf den Abrahampfad, der 2016 von National Geographic zum besten neuen Wanderweg weltweit gewählt wurde. Das Arrangement „72 Stunden in Palästina“ zeigt im Schnelldurchlauf die Höhepunkte. Kulinarisch Interessierte können palästinensisch kochen lernen, bei Einheimischen essen oder auch bei der Olivenernte helfen. Auch die Klassiker sind buchbar, etwa die Pilgerreise zu den Orten des Neuen Testaments oder eine reine Kulturreise zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Jerusalem und Galiläa. Das viertägige Programm „Beten in Al-Aqsa“ richtet sich an deutschsprachige Muslime. Von der individuellen Gestaltung bei freier Terminwahl bis zur Gruppenreise reicht die Bandbreite.

Finanziert wird das Tourismusprojekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die in Palästina eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung vorantreiben will. Rund 300 000 Euro beträgt das Budget für drei Jahre. Potenzial hat das Land: Laut der Welttourismusorganisation (UNWTO) gehört Palästina zu den am schnellsten wachsenden Reisezielen weltweit. Von 2016 auf 2017 registrierte man einen Zuwachs von rund 100 000 auf eine halbe Million Übernachtungsgäste. Verglichen mit anderen Reisezielen wie Spanien oder Griechenland, wo Touristen in Millionen gezählt werden, erscheint das gering. Für Palästina, das rund 20 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes aus dem Tourismus speist, bedeutet eine solche Steigerungsrate dagegen viel. Das Land bräuchte dringend Urlauber, die länger bleiben, denn von Übernachtungsgästen profitieren Hoteliers, Veranstalter oder Reiseleiter viel mehr als von Tagesbesuchern, von denen es sehr viele gibt. Auf den Reiserouten vieler deutscher Veranstalter stehen die Städte in Palästina oft nur für eine Stippvisite, übernachtet wird meistens in Israel. Weil Palästina über keinen eigenen Flughafen verfügt, erfolgt die Anreise meist über Tel Aviv, was mit dazu beiträgt, dass der Fokus vieler Reisender auf Israel liegt.

Und schließlich erschwert Israel mit seiner Politik touristische Entwicklungen. Weder Israelis noch Palästinenser können sich zwischen besetzten und autonomen Gebieten frei bewegen. Israelis ist von ihrer Regierung der Zugang zu den besetzten Gebieten verboten. Palästinenser brauchen für Israel eine Einreiseerlaubnis. Touristen können die Checkpoints allerdings problemlos passieren.

Wer als Reiseleiter arbeiten will, braucht eine spezielle Genehmigung. Israel hat in den vergangenen Jahren immer weniger Palästinensern eine solche Lizenz erteilt. „Wir haben zurzeit noch 50 Guides“, berichtet Reiseveranstalterin Laila Asfoura. Auf israelischer Seite stehen dagegen rund 16 000 Reiseleiter zur Verfügung. Eine neue Lizenz zu bekommen, sei für Palästinenser sehr schwierig, so Asfoura. Mit seinen Reiseprogrammen will Hlitoa das gesamte Heilige Land anbieten, also sowohl Israel als auch Palästina und Jordanien. Was die Sicherheit angeht, bräuchten Reisende keine Bedenken zu haben, so Sebastian Plötzgen, örtlicher Tourismusbeauftragter der GIZ. Palästina sei so sicher oder unsicher wie jedes andere Land: „Wichtig ist eine gute Vorbereitung, am besten mit einer professionellen Reiseagentur vor Ort.“ Die Angebote ins Heilige Land können in jedem deutschen Reisebüro gebucht werden. Der Katalog kann auch online bestellt oder heruntergeladen werden (www.hlitoa.com).