Reise

Oberstaufen Wandern tut nicht nur den Kurgästen im einzigen anerkannten Schroth-Heilbad im Allgäu gut

Auszeit vom Alltagsstress gönnen

Archivartikel

Wandern, entschleunigen und kuren: In Oberstaufen im Allgäu ist der Weg das Ziel.

Christa Müller lacht und trifft sich mit Gleichgesinnten bei Wasser und Tee, Zwieback und Dörrobst. Kein klassischer Nachmittagskaffee auf einer Terrasse im Ort. Die Damen machen eine ganz besondere Kur – sie „schrothen“.

Oberstaufen ist das einzige anerkannte Schroth-Heilbad. Das auf Johannes Schroth zurückgehende Naturheilverfahren will zu bewussterem Leben anleiten, und den Organismus von überschüssigen Säuren und Schadstoffen entlasten. Detox das Allgäus sozusagen. Zudem werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Diese „bewusste Mangelernährung“ darf in Oberstaufen nur in speziellen Betrieben und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Dann könne sie sich bei einer Vielzahl von Erkrankungen auswirken, sagen die Anwender. Christa Müller ist eine von ihnen.

Selbstheilung des Körpers

Trink- und Trockentage machen der Münchnerin nichts aus. Sie ist bereits seit 2003 regelmäßig in Oberstaufen zu Gast und gönnt sich und ihrem Körper diese Pause vom Alltagsstress. „Ich genieße diese Auszeit, auch oder gerade weil es Verzicht bedeutet.“ Morgens ist sie die erste, wenn es für zwei Stunden in die feuchtkalten Wickel geht – neben der Ernährung eine weitere Säule der Schroth-Kur. Es gilt, in die kalten Laken zu hüpfen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. „Das geschieht auch durch die Packung, um den Körper zum Schwitzen zu animieren“, erzählt Müller.

Die Seniorin gönnt ihrem Körper danach viel Ruhe. Spätestens nach drei Tagen habe sie sich an den Rhythmus gewöhnt und fühle sich dann fast wie neu geboren. Auch ihre Blutwerte seien nach der Kur exzellent, schwärmt sie. Für sie ein probates Mittel, um Körper und Seele zu reinigen.

Dass man so auch abnimmt, ist nicht nur für sie ein angenehmer Nebeneffekt für Schrothler, wie sich diese Kurgäste selbst liebevoll bezeichnen.

Christa Müller will mit der Kur so lange weitermachen, bis sie die (innere) Schönheit von Tina Turner erreicht hat, grinst sie.

Die Bewegung wollen auch die Schrothler nicht missen. Wanderführerin Tina Müller vom Hotel Allgäu Sonne geht täglich mit den Gästen hinaus – ob eine kleine Rundstrecke durch Wald und Flur in die Region um Oberstaufen oder zum Alpsee.

Oder es geht zum Hochgrat. Ihren majestätischen „Hausberg“ haben die Oberstaufener immer vor Augen. Als höchster Berg des Allgäus, inmitten des Naturparks Nagelfluhkette, hat er ein traumhaftes Panorama zu bieten.

Viele Besucher zieht es mit der Bergbahn hinauf. Der Weg von der Talstation ist so in wenigen Minuten zurückgelegt, statt eines nicht ganz einfachen Aufstiegs. Der führt zwar am Anfang einen bewaldeten Weg entlang, doch bald steigt die Strecke an und verlangt einiges an Kondition.

Premiumwanderwege

Oben angekommen, darf man den Blick schweifen lassen. Dem Wanderer liegen Oberstaufen und das Allgäu mit seinen saftigen Wiesen und kleinen Orten zu Füßen. Der Bodensee mit Bregenz und auch die Schweiz sind nicht weit. So mancher Gipfel des Hauptalpenkamms scheint zum Greifen nah – und ist auch im Hochsommer mit einer zuckrigen Schneeschicht überzogen. Das stählerne Gipfelkreuz auf 1832 Metern ist das Ziel. Die majestätische Spitze lockt mit einer fantastischen Rundumsicht und gleich mehreren Bänken, die nicht nur Senioren und Familien mit Kindern gerne nutzen. Unbarmherzig brennt im Sommer die Sonne. Doch die Wildblumen am Rand des steinigen Pfads, die auf dem Rücken des Hochgrats mit ihrer Blütenpracht die Insekten anlocken, sind gerade für die Kleinen eine perfekte Möglichkeit für einen kurzen Stopp. Trittsicher sollte man auf dem Fluhgestein schon sein – gerade auch für den Rückweg über die Brunnenauscharte, die geübte Wanderer begeistern wird.

Übrigens gibt es rund um Oberstaufen gleich drei Premiumwanderwege. Die Route „Alpin Luftiger Grat“ verlangt vom Wanderer schon einiges ab, geht es doch zwischen Hochgrat und Eineguntkopf auch am Grat entlang. Die Route „Wildes Wasser“ führt über den Hündlekopf, die „Nagelfluschleife“ streift die westliche Nagelfluhkette.

Das tolle Wetter nutzen auch die Gleitschirmflieger. Wenn die Thermik passt, lassen sie sich über das Allgäu tragen. Von der Terrasse der Hochgrat-Bergstation aus wird das bunte Spektakel von kleinen und auch großen Zuschauern bestaunt, bevor die Schirme nach einem kurzen Anlauf ins Nichts schließlich abheben und geräuschlos durch die Lüfte gleiten.

Bewegung – gleich welcher Art – im landschaftlich reizvollen Allgäu sind Erholung und Entschleunigung für Geist und Körper.