Reise

Bedenklicher Sonnenschutz

Archivartikel

Wer dick mit Sonnenmilch eingecremt badet, schützt zwar sich vor Strahlung, aber er gefährdet das marine Ökosystem.

Das Leben, auch das Urlaubsleben, steckt voller Haken und Ösen. Bis vor Kurzem war Braunwerden am Strand dank wasserfester Hightech-Sonnencreme mit extra hohem Lichtschutzfaktor risikolos möglich. Nun jedoch heißt es, wer sich mit dieser Schutzschicht im kühlen Nass erfrischt, der schadet der Umwelt.

Und zwar in einem Maße, dass Tropenparadiese wie Hawaii und Palau im Pazifik, aber auch Key West und Bonaire in der Karibik ab spätestens 2021 den Verkauf sogenannter küstenschädlicher Sonnencremes verbieten. Wasserfest und möglichst viele Stunden wirksam sollten bis dato Öle, Cremes und Lotionen sein. Zu erreichen ist das nur durch chemische UV-Filter. Zu den Übeltätern gehört unter anderem Oxybenzon, das in Europa bereits verboten ist und vor allem Korallen zerstört. Aber auch der Ersatzstoff Octocrylen, der in Europa eingesetzt wird, ist nicht viel besser. Umstritten ist diese synthetische Substanz, weil sie sich nicht im Wasser auflöst und daher in Organismen sowie im Wasser ablagern kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Restsubstanzen der Sonnencreme dann wieder in die Nahrungskette gelangen, ist nicht gering. Schließlich gehört am Meer frischer Fisch zu den Spezialitäten.

Am besten geschützt ist, wer die Sonne meidet

Wie schädlich sich Sonnencremes in den Ozeanen auswirken, listet der Chemiker Yousong Ding von der University of Florida auf: Pro Jahr werden rund 14 000 Tonnen Sonnencreme im Meer gelassen. Klingt nicht nach viel, aber die darin enthaltenen Mineralien und synthetischen Stoffe gefährden zehn Prozent der Korallenriffe weltweit, davon allein 40 Prozent der Korallenriffe in Küstennähe. Planschen 10 000 Menschen im Wasser, dann hinterlassen sie vier Kilo giftiger Sonnenschutzsubstanzen. Der US-Assistenzprofessor forscht nach einem natürlichen Sonnenschutz und setzt dabei auf einen Wirkstoff der Rotalge. Doch sein Verfahren ist noch nicht serienreif. Bis dahin bleibt umweltbewussten Urlaubern nichts anderes übrig, als Kompromisse einzugehen. Am besten greifen sie zu Bio-Cremes etwa von Herstellern wie Stream2Sea, bei denen der UV-Schutz mineralisch ist. Das heißt Zink- beziehungsweise Titanoxid werden als natürliche Sonnenfilter eingesetzt. Doch der Lichtschutzfaktor (LSF) ist begrenzt und es werden damit maximal 25 LSF erreicht, keinesfalls 50 LSF. Ein so hoher LSF ist allerdings sowieso nicht nötig, denn er suggeriert nur vermeintliche Sicherheit. In der Mittagshitze zu grillen, ist selbst mit LSF 50 ungesund. Zudem unterbinden diese sogenannten Sun-Blocker die Bildung von Vitamin D, den wirklichen Vorteil von Sonnenlicht. Der beste UV-Schutz besteht immer noch darin, die pralle Sonne von mittags bis spätnachmittags zu meiden, T-Shirts oder Badezeug mit langen Ärmeln zu tragen und im Schatten zu bleiben. Leider sind auch die Bio-Sonnenschutzmittel nicht ganz unbedenklich. Um ihre cremige Konsistenz zu erhöhen und sie schneller einziehen zu lassen, wird nicht selten mit Nanotechnologie gearbeitet. Aber die Kleinstpartikel bleiben nicht nur auf der Hautoberfläche liegen, sondern können in die Haut eindringen. Die Auswirkungen sind bis heute noch nicht ganz erforscht. Wenigstens müssen Produkte mit Nanotechnologie entsprechend gekennzeichnet sein.

Ja was denn nun? Wer angesichts der vielen Sonnenschutzprodukte –egal ob bio oder herkömmlich – verunsichert ist, hält sich an diese Kriterien: Bei Bio-Sonnenmilch maximal LSF 25 kaufen und darauf achten, dass sie ohne Nanoverfahren auskommt.