Reise

Hansestädte Die alte Ordensstadt Viljandi in Estland gehört zu den unbekannteren Handelsmetropolen und ist Teil von Explore Hansa

Beeindruckende Schönheit an der Ostsee

Archivartikel

192 Hansestädte gibt es. Entweder sind es Hafenstädte oder sie liegen an wichtigen Handelsrouten und bedeutenden Flüssen, insgesamt verteilt auf 16 europäische Länder. Durch den Handel und ihren im 12. Jahrhundert gegründeten Verbund, der ihnen Zollfreiheit, Schutz und Frieden gewährte, wurden sie mächtig und wohlhabend, bevor sie durch die Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges immer mehr an Einfluss verloren, und letztendlich 1669 ihren Hanseverbund auflösten.

Doch blieben viele Gemeinsamkeiten, wie der Einfluss früherer hanseatischer Architektur und unzähligen Kulturdenkmälern. Viele davon zählen heute zum Unesco Weltkulturerbe.

Eine der Hansestädte ist Viljandi in Estland. Die meisten ausländischen Touristen besuchen nur die Hauptstadt Tallinn, doch verpassen sie dabei eigentlich das Schönste von Estland, nämlich die herrliche nordische Landschaft mit riesigen Wäldern, Seen und überall vereinzelten Gehöften.

Ereignisreiche Geschichte

Eingebettet in eine genau solche Landschaft liegt Viljandi mit seinen knapp 20 000 Einwohnern, wie man es eindrucksvoll vom alten Wasserturm sehen kann, wo auch eine Dauerausstellung die ereignisreiche Geschichte der Stadt erzählt. Doch dominiert wird der Ort von den imposanten Ruinen einer majestätischen Ordensburg, die im 13. Jahrhundert von dem deutschen Schwertbrüderorden gebaut wurde.

Aus dem gleichen Grund, warum die Ordensburg hier gebaut wurde, wurde Viljandi ein Jahrhundert später Hansestadt. Es ist die Lage an einem See, über den die Handelsgüter von der Ostsee nach Russland gebracht wurden.

Die Burg befindet sich inmitten eines Parks, in dem sich auch eine alte rote Hängebrücke befindet, ein Geschenk der Hansestadt Riga. Von der Burgruine hat man einen wunderbaren Blick auf den See, der heutzutage für viele Freizeitaktivitäten genutzt wird. Denn nicht umsonst ist Viljandi eines der beliebtesten Reiseziele der Esten.

Sicherlich auch aufgrund all der Festivals und Mittelaltermärkte, die über das ganze Jahr hinweg dort stattfinden, wie das Viljandi Folk, ein Festival mit traditioneller Musik oder die jedes Jahr an den ersten Juni Wochenenden stattfindenden Hansetage.

Auf dem Weg zwischen Burg und historischer Altstadt kommt man an einer Riesenschaukel vorbei, die im Geäst eines alten majestätischen Baumes befestigt ist. Das ist nicht nur ein sehr willkommenes Fotomotiv für die Touristen, sondern lädt natürlich auch zur Schaukelrunde ein. Auch die Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen und windschiefen sowie farbenfrohen Holzhäusern sind tolle Fotomotive. Leider sind viele dieser typischen Holzhäuser dem Verfall preisgegeben und warten sehnsüchtig auf eine Renovierung. Aber auch das trägt zum Charme des Ortes bei.

Die estische Stadt Viljandi ist Teil der Hanse, die 1980 wiederbelebt wurde. In den historischen Handelsorten will man den Geist der Hanse wieder aufleben zu lassen und verstärkt untereinander wirtschaftlich, kulturell und sozial zusammenarbeiten.

Tradition wiederbeleben

Ein Projekt der neuen Hanse ist Explore Hansa, womit sich kleinere und nicht so bekannte Hansestädte im Ostseeraum durch ihre spannende Geschichte und Traditionen als Hansestädte für den Tourismus besser bekannt machen möchten. Gemeinsam entwickeln und fördern sie nachhaltige Tourismusprodukte mit dem Ziel, die Hanse zu einer führenden Marke für Ostseetourismus zu machen und gleichzeitig die Hanse als Kulturroute des Europarates vorzustellen.

Regionale Küche

So spielt beispielsweise die jeweils regionale Küche mit traditionellen Rezepten eine große Rolle – und auch sportliche Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren in den unterschiedlichen reizvollen Landschaften. Aber auch Feste und Feierlichkeiten rund um die Hanse kommen nicht zu kurz.

Neun Hansestädte aus Lettland, Estland und Schweden machen beim Projekt Explore Hansa mit: in Lettland Cesis, Koknese, Kuldiga, Limbai, Straupe, Valmiera, in Estland Pärnu und Viljandi sowie in Schweden Visby.