Reise

Delft statt Amsterdam

Niederlande

Backsteinhäuschen mit putzigen Giebeln, dazwischen Grachten, über die kleine Brücken führen, und überall Fahrräder – keine Frage: Wer Amsterdam mag, wird auch Delft lieben. Natürlich ist die Stadt in der Provinz Südholland sehr viel überschaubarer. Durch das mittelalterliche Zentrum ist man rasch spaziert. So bleibt Zeit, um am Marktplatz in einem der netten Cafés zu verweilen oder ausgiebig durch die kleinen Lädchen zu bummeln.

Vor allem Einrichtung und Geschirr sind im Angebot. Im 16. Jahrhundert wurde in Delft ein Konkurrenzprodukt zum teuren chinesischen Porzellan erfunden. Das „Delfter Blau“ aus Steingut findet sich noch heute quasi an jeder Ecke (obwohl es nur noch eine Manufaktur gibt, die es herstellt). Es gibt sogar Straßenlaternen aus Delfter Porzellan, und wer genau hinsieht, entdeckt unter seinen Füßen immer wieder blau-weiß glasierte Kacheln, die im Boden eingelassen sind.

Neben Blumen und Landschaften ist das Porträt einer Dame mit Tuch auf dem Kopf ein beliebtes Motiv: „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (1665) gilt als berühmtestes Bild des Malers Jan Vermeer. Das Original hängt nicht in seiner Heimatstadt Delft, sondern im Museum Mauritshuis im nahe gelegenen Den Haag. Aber man kann Vermeers Wohnhaus besichtigen.

Der zweite berühmte Sohn der Stadt heißt Wilhelm von Oranien (1533-1584). Der Graf von Nassau besiegte einst die Spanier und legte so den Grundstein für das kleine Königreich der Niederlande. Er wurde in der Nieuwe Kerk („neue Kirche“) beigesetzt. Dem „Vater des Vaterlandes“ folgten weitere Mitglieder der niederländischen Königsfamilie, die spätgotische Basilika ist seither Grabkirche der Oranier.

Alles über das Leben Wilhelms kann man im Museum Prinsenhof erfahren, gleich neben der Oude Kerk. Mit der „alten Kirche“ macht Delft übrigens auch noch einer anderen Stadt Konkurrenz: Der Turm ist ähnlich schief wie der des Glockenturms neben dem Dom von Pisa.

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