Reise

Kronplatz Zu Besuch in den Museen der Südtiroler Bergsteigerlegende Reinhold Messner

Die magische Faszination des Alpinismus

Archivartikel

Der Kronplatz in Südtirol ist nicht nur ein Berg für Skifahrer im Winter und Wanderer im Sommer, sondern er ist auch ein Magnet für Museumsbesucher.

Auf dem Gipfel oberhalb von Bruneck stehen zwei Museen, die eng verknüpft sind mit der Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Beide Häuser sind auch außergewöhnlich architektonische Meisterwerke und auf 2275 Meter Höhe gelegen die höchstgelegenen Museen Südtirols.

Das Mountain Museum Corones ist ein wirkliches Highlight. Es ist das sechste und letzte Museum von Reinhold Messner, welches im Juli 2015 eröffnet wurde. Es erzählt von großen Bergsteigern und der langen Entwicklung des modernen Bergsteigens, der Königsdisziplin des Alpinismus. Dabei steht das Bergsteigen nicht als Sport und mit Rekorden im Mittelpunkt, sondern die großen Persönlichkeiten des Alpinismus, die Philosophen und Pioniere. Auch viele persönliche Gegenstände und Erinnerungstücke dieser Persönlichkeiten, vor allen Dingen von Reinhold Messner, sind in der Ausstellung zu bestaunen. Dank seiner Sammlerleidenschaft ist auch manches aus Nepal und Tibet ausgestellt.

Stararchitektin Zaha Hadid kreierte ein buchstäblich in Fels gehauenes Höhlen-Museum mit für Bergsteiger anspruchsvollen überhängenden schiefen Wänden, Aussichtsplattformen und riesigen Panoramafenstern, so dass der Besucher auch immer die reale Bergwelt mit im Blick hat. Und mit etwas Glück ist auch hier, wie auch in seinen anderen Museen, ab und an Reinhold Messner anzutreffen, da er sehr präsent ist und abwechselnd Lesungen und Vorträge hält.

Ein ganz anderes Museum ist das nach Plänen der Südtiroler Architekten Gerhard Mahlknecht und Stefano D’Elia im ehemaligen Gebäude der Seilbahn entstandene „Lumen“, das der Faszination für die Berge gewidmet ist, welche durch Bergfotografen aus aller Welt und Zeiten festgehalten wurde. Auf 1800 Quadratmeter und vier Stockwerken verteilt, macht „Lumen“ die Geschichte der Bergfotografie von ihren Anfängen bis hin zur Gegenwart, ebenso wie die Kunst von Bergfotografen aus aller Welt erfahrbar. Dabei wird das Thema Berg aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, Alpinismus, Tourismus, Politik, Spiritualität und Historie.

Kritische Betrachtung

Aber auch die Vermarktung der Berge und den politischen Einfluss darauf wird kritisch thematisiert. Hat die Vermarktung vor circa 150 Jahren noch recht naiv begonnen, so sind mittlerweile durch Marketing und Tourismus inzwischen Auswüchse erreicht, die von kritischen Fotografen durchaus besorgt zur Kenntnis genommen und auch hinterfragt werden.

Das Museum ist in drei Ebenen unterteilt und der Rundgang startet für den Besucher mit einer weiteren Aufwärtsfahrt. Statt Treppen geht es in einen gläsernen Aufzug, an dessen Rückwand Bilder auf die Thematik der Bergfotografie einstimmen – im Hinaufgleiten besteigt man quasi den Berg. Der Besucher läuft von oben nach unten und wird zunächst mit der Geschichte der Fotografie vertraut gemacht. Neben einer ansehnlichen Sammlung historischer Objekte vom Holz-Modell bis zur Polaroid-Sofortbild-Kamera werden die Prinzipien der Fotografie erläutert. Ein Schaukasten zeigt zum Beispiel eine in alle Einzelteile zerlegte Digitalkamera.

Kleine Wunderkammer

In einer Wunderkammer finden sich alte Abzüge und Zelluloid-Filmrollen neben handkolorierten Postkarten oder modernen Speichermedien. Direkt nebenan führt der Weg durch eine Dunkelkammer, die man heute so gar nicht mehr kennt. Alle Objekte sind in übersichtlichen Schaukästen und gut beschriftet ausgestellt. Wer alles anschauen will, sollte etwas mehr Zeit einplanen, denn es gibt wirklich viel zu sehen.

Vorbei an einem Walk of Fame mit berühmten Pionieren der Bergfotografie, wandert man hinab ins tieferliegende Stockwerk. Dabei kommt man auch vorbei an einer Riesenlinse. Die einstige Öffnung der ehemaligen Bergstation, also der Teil, in den die Gondeln einfahren, wurde mit einer riesigen Glasfront verschlossen. Davor befindet sich heute eine riesige Linse, die sich temporär öffnet und schließt und dabei mit einem Film ein Stück Geschichte der Bergfotografie erzählt.

In einem anderen Raum, der sich „Adrenalin“ nennt und in Schwarz und grellen Neon-Farben dem extremen Bergsport widmet, gelangt man zur nächsten Attraktion des Museums. Im Spiegelsaal, in dem tausend bunte Bilder eines Filmes endgültig das Gefühl für Raum und Zeit aufheben, nimmt man ein regelrechtes Farbbad. Der Raum zeigt indes eine künstlerisch-poetische Auseinandersetzung mit der spezifischen Atmosphäre der Berge – man fragt sich, wo hört Realität auf und wo beginnt Illusion?

In weiteren Räumen sind viele Bilder und Objekte zu bestaunen, mit denen die Berge der Dolomiten, immerhin Unesco-Weltnaturerbe, bildlich unsterblich gemacht wurden. Unterschiedliche Blickwinkel, Lichtverhältnisse und Jahreszeiten lassen die Gipfel von Langkofel, Brenta oder den Drei Zinnen immer wieder anders aussehen.

Interessant auch die auf Glasplatten gebannten Porträts Südtiroler Bergbauern und Landschaftsaufnahmen der Dolomiten, wie auch die dafür benötigte Technik. Auf Glasplatten gebannt sollen die Fotografien länger erhalten bleiben und die nächsten Jahrhunderte überstehen.

Das Lumen vermittelt viel Wissen, aber auch schöne Momente, Eindrücke und Erlebnisse. Gerade das Öffnen der Riesenlinse beeindruckt, wie auch ein mittels Virtual-Reality-Brille simulierter Helikopterflug über die Dolomiten – einfach atemberaubend.

Und wer nach dem Museumsbesuchen Hunger bekommen hat, kann sich genauso stilvoll im Restaurant AlpINN des Südtiroler Sternekochs Norbert Niederkofler verwöhnen lassen. Die Räume befinden sich im voll verglasten Seitenflügel des Lumen und avancieren damit eigentlich zum spektakulär verglaster Panorama-Wintergarten.