Reise

Die Opal-Opas

Südaustralien bietet nicht nur viel Abwechslung für Outdoor-Fans, sondern auch authentische Erlebnisse mit Opalschürfern.

Ja, das sei schon ein staubiges Altersheim, sagt Jimmy Nikoloudis und nippt an seiner Kaffeetasse. Mit seinem Freund Nad Berodic und einer Handvoll anderer Veteranen genießt der 70-Jährige die morgendliche Kühle (33 Grad) im Schatten eines Flachbaus an der Hauptstraße von Coober Pedy im roten Zentrum Australiens. Nach Will Hutchison haben sie die Straße benannt, dem Sohn eines Prospekteurs, der am 1. Februar 1915 ganz in der Nähe das Lager bewachte, während die Expeditionsmannschaft seines Vaters am Rand der Great Victoria Desert verzweifelt nach Trinkwasser suchte. Der 16-Jährige fand an diesem glutheißen Tag nicht nur eine Quelle, sondern auch jenen Stein, der Jimmy Nikoloudis und Nad Berodic in dieser Einöde hält - einen hellen Opal. „Ein einziger guter Stein kann dir 20 000 Dollar einbringen, rund 13 000 Euro“, schwärmt Nikoloudis.

1963, als andere Landsleute sich als Gastarbeiter ins kalte Deutschland aufmachten, verließ Jimmy Nikoloudis, der eigentlich mit Vornamen Dimitrios heißt, die verarmte nordgriechische Halbinsel Chalkidiki in Richtung Australien. In Coober Pedy steckte er einen Claim von 100 mal 50 Metern ab, zahlte die Registrierungsgebühr und begann zu schürfen. „Es ist ein Glücksspiel. Man kann Opale nicht detektieren. Wenn du 15 Zentimeter vorbei gräbst, verpasst du sie“, sagt Jimmy. Zu viel Glück hat er nicht gehabt bei seiner jahrzehntelangen Suche, „aber es macht absolut süchtig“. Zwei Millionen Löcher im Durchmesser eines Kanalschachtes haben die Digger rund um den Ort in den letzten 100 Jahren in den Tonstein gefräst. Deckel tragen sie nicht. Nachts abseits der Straßen zu laufen, ist deshalb lebensgefährlich.

Berodic chauffiert seinen Van sorgsam durch eines der „Minenfelder“. Heute benutzen sie für die Arbeit schweres Gerät, erklärt er. Kraftvolle Fräsen schaben in wenigen Stunden einen 30 Meter tiefen Schacht in den Untergrund. Von dort aus werden dann Stollen ins Gestein getrieben. Deutet sich ein Opalpolster an, geht es nur noch mit Spitzhacke und Meißel weiter - wie in den alten Tagen. Da die Regierung nur Konzessionen von maximal 100 Meter Länge und 50 Meter Breite vergibt, sind große Konzerne bis heute außen vor. „Aber die harte Arbeit wollen Jüngere nicht mehr machen“, sagt Berodic, ein gebürtiger Kroate.

Das Leben im Herzen Australiens ist hart

So sind die 200 verbliebenen Digger im Schnitt Ende sechzig. Statt im Garten Unkraut zu zupfen, bedienen sie Baumaschinen. Besondere Spezialität: ein Riesensauger, eine Erfindung aus Coober Pedy, der Abraum vollautomatisch durch einen Schlauch ans Tageslicht bläst. Trotzdem ist das Leben bis heute hart im heißen Zentrum des Kontinents, neun bis zehn Fahrstunden auf dem einsamen Stuart Highway von der Provinzhauptstadt Adelaide entfernt. „Dusty Radio“ liefert Klatsch und Tratsch. Andere Sender gibt es nur über Internet. Abwechslung bieten den 1700 Einwohnern sonst nur der China-Imbiss, John’s Pizza Bar und die wöchentliche Happy Hour im United Bowling Club.

Besonders amüsieren kann sich Nad über das Schild am Golfplatz, wo die Löcher in weißen Salzpfannen angelegt sind: „Keep off grass“. Gras kennen einige Kinder im wasserlosen Ort nur aus dem Fernsehen. Im Sommer sind 45 Grad im Schatten keine Seltenheit. Zwei Drittel der Einwohner haben sich deshalb Wohnhöhlen in die Hügel gegraben. Die Idee brachten Veteranen des Ersten Weltkrieges aus den Schützengräben mit. „Loch der Weißen“, heißt Coober Pedy deshalb in einem Aborigine-Dialekt.

Für 150 000 Euro sei ein fertiges Drei-Zimmer-Dugout zu haben, sagt Nad und führt durch eine solche Wohnhöhle, die heute als Museum dient. Der Eingang sieht aus wie ein gewöhnliches Haus. Doch hinter der gemauerten Fassade liegen die fensterlosen Räume im Fels. Früher waren die Behausungen ziemlich rustikal. Heute gibt es sie komplett mit Einbauküche, Sat-TV und Badewanne. Mehrere Unterkünfte und ein Hotel vermieten Höhlenzimmer für echtes Pionier-Feeling, allerdings ohne Aussicht.

Auch Jimmy Nikoloudis macht das Leben unter der Erde nichts aus. Nur seine Frau ertrug es nicht. Vor drei Jahrzehnten baute Jimmy ihr deshalb ein richtiges Haus. Weggelaufen ist sie trotzdem. Und auch Will Hutchison, dem Entdecker der Opal-Vorkommen, hat sein Fund kein Glück gebracht, ist auf einem Gedenkstein zu lesen. Nur fünf Jahre nachdem er den Grundstein für den einzigartigen Minenort gelegt hatte, ertrank Will in Queensland, als er eine Rinderherde über den Georgina River treiben wollte.