Reise

Die Welt des Wanderns

Archivartikel

Wanderbücher Schon der alte Goethe wusste: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ Wir haben Lektüre rund ums Thema Wandern für Sie zusammengestellt.

1. Dramatische Stunden am Berg

Ein Buch über Bergretter? Klingt wahlweise nach Heldentum und Heimatschmalz oder Sensationslust, gepaart mit mahnendem Zeigefinger. Beides falsch. Autor Thomas Käsbohrer gelingt mit der Vorstellung von 33 Bergwachtlern ein spannendes und informatives Buch über Berge und Menschen, die dort unterwegs sind. Die einen als Retter, die anderen als Opfer, manchmal auch in vertauschten Rollen. Keiner der Bergretter hält sich und seine Arbeit für etwas Besonderes. Alle erzählen einfach nur - auch von ihren Zweifeln, von misslungenen Einsätzen, von Überforderung. Unaufgeregt, aber umso plastischer entführen sie mit ihren Geschichten auf bekannte Wanderrouten, zu Lawineneinsätzen und Höhlenrettungen. Manche kennt man aus Schlagzeilen, andere könnte man jederzeit selbst erleben. Manche sind witzig, andere tragisch.

Interviews mit Wetterexperten, Psychologen oder Lawinenprofis ordnen Gefahren am Berg und das heutige Freizeitverhalten ein. Und nebenbei taucht man ein in die Geschichte der Bergrettung – von Zeiten ohne Handy und Heli bis hin zur Vermisstensuche mit der Drohne.

2. Immer an der Küste lang

Wer einmal in die Bretagne fährt, kehrt in der Regel wieder – vielleicht sogar als Wanderer. Alte Zöllnerpfade erschließen die 1700 Kilometer lange, abwechslungsreiche Küste so gut, dass man auch als weniger ambitionierter Wandervogel Lust bekommt, es einmal mit dem Fernwanderweg GR 34 zu versuchen, der auf diesen Pfaden immer nah am Meer verläuft – mal durch zerklüftete Steilküsten, mal über feinsandige Strände. Der Reiseführer von Dagmar Beckmann und Christoph Potting ist dabei ein guter

Begleiter. Es gibt Tipps, wo man abkürzen oder per Bus anreisen kann und auf welchen Abschnitten im Sommer mit viel Andrang zu rechnen ist - etwa bei den rosafarbenen Granitfelsen in der Nähe von Perros-Guirec. Das Beste allerdings ist: Das Buch greift Themen auf, die dem Wanderer begegnen - sei es die abenteuerliche Geschichte der zahlreichen Leuchttürme, sei es der Algenanbau im Südwesten, der gerade eine Renaissance erlebt. So eignet sich das Buch nicht nur als Planungshilfe und Wegbegleiter, sondern auch gut als appetitanregende Lektüre vor dem Start.

3. Nicht nur Berge

Wer nach Südtirol reist, tut es wahrscheinlich eher wegen der Berge als wegen der Seen und Wasserfälle. Dass sich beides vorzüglich kombinieren lässt, beweist dieser Reiseführer. Die Autorin bettet die 37 Seen und Wasserfälle, zu denen sie den Leser in alle Teile Südtirols führt, geschickt in lohnenswerte Wanderungen ein. Die Vorschläge reichen von eher einfachen, kurzen Spaziergängen bis hin zu anspruchsvollen Ganztagestouren, bei denen mehr als 1000 Höhenmeter überwunden werden müssen. Dabei lässt sie einiges Naheliegende aus (wie den Reschensee), findet aber einen ansprechenden Mix aus prominenten Zielen (wie den Karersee) und kaum beachteten (wie den Langsee im Ultental). Zu jeder Wanderung gibt es eine ausführliche Wegbeschreibung, eine Karte, Einkehrtipps, sonstiges Wissenswertes zum Ziel in Kürze und eine Übersicht mit den Eckdaten der Tour. Sehr praktisch: Die meisten Ausflüge sind Rundwanderwege, was An- und Abfahrt vereinfacht.

4. Insel-Wander-Urlaub

Es ist ein Zwitter – im besten Wortsinn: Dieser Urlaubswanderführer will nicht von beidem ein bisschen, sondern beides vollwertig sein. Das gelingt, indem das Buch Mallorca in vier Regionen einteilt und diese wiederum in Wanderungen und Ausflüge gliedert. 100 Ziele mit Natur, Kultur, Geschichte und Kulinarik kommen so zusammen, dazu 40 Wanderungen verschiedener Länge und Schwierigkeit. Jede Region wird zudem kurz porträtiert und mit einer Entdeckertour per Auto vorgestellt. Hilfreich sind die Ausklappkarte, die alle Ziele verortet, sowie GPS-Tracks, Detailkarten, Tourprofile. Die Ausflüge zu Stränden und Aussichtspunkten, in Altstädte und Häfen, Dörfer und Gärten illustrieren Fotos. Sowohl Wanderer, die auch die Insel erleben wollen, als auch Urlauber, die gerne mal wandern, kommen auf ihre Kosten.

5. Weltweit wandern

Auch eine reizvolle Idee: Wanderungen auf ihren historischen Kontext betrachten und einordnen. So gliedern sich die 500 Walks in sechs Kapitel, die mit der Urgeschichte beginnen und übers Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen. In jedem Kapitel werden Touren beschrieben, die etwas über die Erd- und Menschheitsgeschichte erzählen. So führt etwa der Bibbulmun Track auf den Spuren der Aborigines in den Busch Australiens oder der 88-Tempel-Weg über die japanische Insel Shikoku, auf der im Mittelalter ein buddhistischer Heiliger lebte. Der Berliner Mauerweg gilt als Wanderung der Neuzeit. Ausführlichere und kurze Beschreibungen wechseln sich ab. Sie lassen einen staunen über die Tour-Vielfalt und machen Appetit, die Welt zu Fuß zu erkunden.

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