Reise

Die Zeit bis zum Urlaub nutzen

Archivartikel

Noch vor Kurzem war das Reisen eine Selbstverständlichkeit: ins Flugzeug steigen, mit der Bahn durch Europa oder eine Wellness-Auszeit buchen. In diesem Jahr ist jedoch vieles ungewiss. Wer nicht wegfahren möchte, kann sich auch auf das nächste Zielland vorbereiten.

Die Feriensaison hat begonnen und so manch einer würde liebend gern mit dem Auto nach Spanien fahren oder die Koffer für den lang erträumten Karibikurlaub packen. Doch in diesem Jahr reist man anders. Längst hat das Corona-Virus die Kontrolle über unseren Alltag übernommen, womit es uns zu ungeahntem Verzicht zwingt. Und auch, wenn das Auswärtige Amt seine Reisewarnung Anfang letzter Woche für 27 europäische Länder aufgehoben hat, ist einiges nicht wie zuvor.

Langstreckenziele scheinen aktuell noch in ganz weiter Ferne – nicht nur im wörtlichen Sinn. Laut Auswärtigem Amt ist weiterhin mit deutlichen Beeinträchtigungen des internationalen Luftverkehrs zu rechnen. Zudem könne man derzeit nicht absehen, wie sich die weltweit verhängten Einreiseverbote oder auch Quarantäneauflagen der einzelnen Länder entwickeln.

All dies führt zu gemischten Gefühlen, was die diesjährige Feriensaison betrifft. Doch was können wir tun, um diese eigentlich sehr schöne und üblicherweise sorgenfreie Zeit im Jahr positiv zu nutzen?

Vorab informieren

Julian Wahl, Geschäftsführer der eBook-Plattform Skoobe, rät dazu, sich einfach virtuell in die Reiseplanung für die Zeit nach der Krise zu stürzen: „Auch in Corona-Zeiten kann man problemlos in Reiseberichten und -führern schmökern. Vielleicht hat man schon ein ganz konkretes Urlaubsziel vor Augen, wodurch man sich bereits jetzt ausgiebig mit Land und Leuten beschäftigen kann“. Mit seiner Plattform geht das ganz einfach und ohne den Gang in den Buchladen, den derzeit so manch einer aufgrund des noch bestehenden Infektionsrisikos meidet: Zu einem monatlichen Festpreis kann man unbegrenzt viele Bücher aus dem Sortiment auf seinem digitalen Endgerät lesen, während man gemütlich zuhause sitzt.

„Oft kommt man ja erst im Flugzeug dazu, sich detaillierter mit der Urlaubsdestination auseinanderzusetzen“, berichtet Wahl aus eigener Erfahrung, „doch wenn man die Reiseführer schon früher liest, kann man sich besser auf die Ferien einstellen“. So könnte man sich zum Beispiel schon im Vorfeld tolle Ausflugsziele raussuchen, Restaurants oder kulturelle Highlights notieren, die man vor Ort besuchen möchte. Das schafft Vorfreude und spart dann im Urlaub Zeit. Oder man liest sich in die Geschichte sowie Religion des Landes ein, um die Geschehnisse und Menschen vor Ort besser zu verstehen.

Die Macht der Träume

Außerdem empfiehlt Wahl, auch mal wieder einen Abenteuerroman auszuwählen und sich in völlig fremde Welten zu träumen, denn „Träume sind das A und O. Gerade in schwierigen Zeiten dürfen wir das Träumen nicht verlernen“. Geschichten könnten einen zudem inspirieren, vorantreiben und verändern. „Lesen regt die Phantasie an“, sagt Julian Wahl. „Manchmal führt es sogar dazu, dass man sich über wichtige Dinge – wie zum Beispiel den eigenen Lebensentwurf oder moralische Grundsätze – besonders intensiv Gedanken macht“. Wer zuversichtlich bleibe und die Corona-Zeit nutzt, um sich selbst weiterzuentwickeln, könne folglich selbst in der Krise Positives entstehen lassen.

Doch Reisevorbereitung gelingt nicht nur durchs Lesen. Wer gern authentisch unterwegs ist sowie Kultur und Leute kennenlernen möchte, könnte sich schon jetzt die Sprach-Basics seines nächsten Urlaubslandes aneignen. So fühlt man sich vor Ort deutlich wohler und kommt leichter mit Einheimischen in Kontakt. Und: Wer war noch nie auf Reisen, ohne sich zu wünschen, eine leckere Pizza auf Italienisch bestellen zu können? Oder einen eisgekühlten Sangria auf Spanisch?

Virtuelles Sprachenlernen

„Trotz vieler guter Vorsätze schieben viele das Erlernen einer neuen Sprache lange Zeit vor sich her“, weiß Paul Leibssle, der bei der Sprachlernsoftware Rosetta Stone für das Kundengeschäft in Europa zuständig ist. Seit 28 Jahren setzt das US-amerikanische Unternehmen auf computerbasiertes Studieren, wodurch mittlerweile Menschen aus über 150 Ländern Zugriff auf eine oder mehrere der 24 angebotenen Sprachen haben. Oft sei es die Scheu vor dem ersten Schritt, oder die Befürchtung, man könne sich eine neue Sprache nicht so gut am PC aneignen. Aus diesem Grund hat Rosetta Stone für jeden seiner Kunden muttersprachliche „Tutoren“, die das Lernen unterstützen und vor allem motivieren sollen. So ist das Sprachenlernen auch ganz ohne direkten Kontakt möglich.

„Unser Online-Unterricht nimmt stets auf den aktuellen Lernstoff Bezug, wodurch der Lehrer frisch gelernte Vokabeln und Sätze spielerisch in die Konversation mit dem Schüler einbauen kann“. Die Besonderheit ist dabei, dass die Hemmschwelle, sich in einer neuen Sprache zu unterhalten, nicht so hoch ist. Schließlich sind die Klassen klein und die Sprachschüler können sich in ihrer gewohnten Umgebung – also etwa zuhause – aufhalten.

„Weil unsere Tutoren ausschließlich in ihrer Muttersprache kommunizieren, muss der Schüler einen Weg finden, um mit dem bereits abgespeicherten Vokabular möglichst genau das auszudrücken, was er oder sie damit schon formulieren kann. Das ist deutlich besser, als sich mit schriftlichen Übersetzungen abzumühen und dann Scheu vor dem praktischen Sprechen zu haben“, erklärt Leibssle.

Safari im Wohnzimmer

Neben dem Lesen und Sprechen kann man sich dem Urlaub aber auch durch Bewegtbilder näher fühlen. So bringt die Hotelgruppe andBeyond beispielsweise die afrikanische Savanne direkt ins Wohnzimmer: Vier verschiedene Wildtierreservate kann man derzeit über den „WILDwatch“-Stream „erfahren“, wenn zweimal täglich dreistündige Safari-Touren in Echtzeit auf Facebook, YouTube oder Instagram übertragen werden. Löwengebrüll und Hyänengeheule inklusive – denn die Wildnis schläft nie!

Auch die Faröer-Inseln, die zwischen Island und Schottland im Nordatlantik liegen, haben sich speziell für die Zeit der Corona-Pandemie etwas einfallen lassen: Mit ihrem Konzept des „Remote Tourism“ lässt sich ein realer Tour-Guide mit Kamera via Smartphone, Tablet oder PC durch die imposante Landschaft steuern. Allerdings muss man sich zu festen Terminen anmelden, zu denen man dann zeitweilig die Kontrolle über den Guide übernehmen und die Gegend quasi durch seine Augen sehen kann.

Doch so schön und beeindruckend die Bilder letztlich sein mögen, irgendwo kommt virtuelles Reisen natürlich immer an seine Grenzen. Selbst aufwendig gefilmte Rundflüge mit dem Wasserflugzeug oder Helikopter, Kreuzfahrtschiff-Rundgänge oder 360-Grad-Aussichten auf Nationalparks und Co. können eine richtige Reise nicht ersetzen. Sie mögen ein kostengünstiger Zeitvertreib in Notzeiten sein, bedienen aber trotzdem nur einen der fünf Sinne: das Sehen. Dennoch können sie uns in diesen Tagen ein wenig Vorfreude spenden und die Abenteuerlust am Lodern halten. Und das ist es doch, worauf es in diesen Tagen hauptsächlich ankommt.