Reise

Südliches Allgäu Im Füssener Land auf den Spuren der Wittelsbacher um „Kini“ Ludwig II. / Die Region besticht durch eine Angebotsvielfalt, die zu erkunden sich lohnt

Ein Märchenkönig mit Vorliebe für Gockel

Das Füssener Land, im südlichen Allgäu, ist längst mehr als nur ein touristischer Geheimtipp – ein Flecken, um dem Alltagsstress zu entfliehen. Wie dies einst schon die Wittelsbacher getan haben.

Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee – historische Stätten, die eng mit dem Geschlecht der Wittelsbacher, speziell Ludwig II., verknüpft sind. Allerdings auch Orte, die vor allem in der Urlauber-Hochsaison regelrecht überlaufen sind und die man deshalb gerade in diesen Zeiten meiden sollte, da man sonst Gefahr läuft, „durchgeschoben“ zu werden, ohne wirklich etwas zu erfahren. Doch es gibt weitere Gelegenheiten, sich auf die Spuren des Märchenkönigs zu begeben.

Ab ins Museum der Könige

So zum Beispiel direkt unterhalb von Neuschwanstein – nämlich im 2011 neu eröffneten Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau. Hier bekommt der Besucher tolle Einblicke in die Geschichte der Wittelsbacher – von den Anfängen bis ins Hier und Jetzt. Der Fokus dieser interessanten Ausstellung liegt freilich auf König Maximilian II., der Schloss Hohenschwangau zur Sommerresidenz ausgebaut hat, und seinem Filius, König Ludwig II., Erbauer von Schloss Neuschwanstein. Die Schau hebt sich auch deswegen von vielen anderen ab, weil hier modernste, interaktive Museumstechnik und raumgreifende Inszenierungen zum Einsatz kommen.

Im Füssener Land, einer äußerst facettenreiche Region, hat der Märchenkönig an vielen Stellen seine Spuren hinterlassen – auch an solchen, die nicht weithin bekannt sind. So etwa in Eisenberg beim „Gockelwirt“ (www.gockelwirt.de), wie Michael Steinacher, der das traditionsreiche Haus bereits in der fünften Generation führt, wissen lässt. „Ja, es stimmt, dass kein Geringerer als Märchenkönig Ludwig II. des Öfteren hier verweilte.“ Und zwar unter der mächtigen rund 350 Jahre alten Linde, die unübersehbar vor dem Haus steht und dem Biergarten an heißen Sommertagen Schatten spendet.

Die Landschaft genossen

Wenn der König mit seinem Gefolge dann mal wieder Lust verspürte, den Zauber und die Natur der Allgäuer Alpen mit dem malerisch gelegenen Forggensee zu genießen, „dann hat er hier bei uns immer wieder mal Station gemacht und die Landschaft genossen“, erzählt Michael Steinacher weiter. Und nicht selten habe der „Kini“ sich auch jene Spezialität gegönnt, für die das Haus bis auf den heutigen Tag so berühmt ist – einen der knusprigen Gockel (hochdeutsch: Hähnchen). Und Ludwig ließ sich keinesfalls lumpen. Denn als Gastgeschenk erhielt Max Steinacher, einer der Vorfahren des heutigen Geschäftsführers Michael Steinacher, 1864 von dem gerade mal 21 Jahre alten Adeligen einen wertvollen Siegelring mit der Inschrift „Zum Andenken an König Ludwig II“.

Was Königen schmeckt, mundet auch der Allgemeinheit. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Gockel weggehen sprichwörtlich wie die warmen Semmel. Selbst der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, im nahen Seeg zu Hause, lässt es sich nicht nehmen, immer wieder mal vorbeizuschauen, um die Spezialität zu genießen.

Wen es zu den Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau zieht und dennoch dem ganz großen Trubel entgehen möchte, kann dies gewissermaßen auch über die „Hintertür“ – nämlich via „Fürstenstraße, zwischen Pinsgau/Tirol und Hohenschwangau gelegen. Bereits vor 180 Jahren durch Kronprinz Maximilian von Bayern realisiert, bekam der an diesem Weg liegende Gutshof „Zum Schluxen“ 1853 eine Lizenz zum Bier- und Branntweinausschank – mit weitreichenden Folgen. Königin Marie war hier nämlich in schöner Regelmäßigkeit mit ihren Söhnen König Ludwig II. von Bayern und König Otto I. von Bayern zu Gast und bewohnte gar ein eigenes Zimmer im Gutshof. Hier war der rechte Ort, um die Berge der Region zu erwandern, darunter Säuling oder Thaneller.

Oftmaliger Besuch

Vor allem der Märchenkönig Ludwig besuchte den „Schluxen“ sehr oft. Und ließ den Wirtsleuten für ihre große Gastfreundschaft einen Ofen als Geschenk zukommen, der noch heute dort zu bestaunen ist.

Und auch die Fürstenstraße gibt es bis auf den heutigen Tag. Sie ist inzwischen aber eine gleichermaßen malerische und beliebte Rad- und Wanderroute hin nach Neuschwanstein. Trotz allem ein echter Geheimtipp.

Nicht nur der Königsfamilie hat’s einst im südlichen Allgäu sehr gefallen. Bis auf den heutigen Tag hat die Region nichts von ihrer großen Anziehungskraft verloren. Ihr Pfund, mit dem die Region wuchert, ist die Vielfältigkeit, mit der sie die Touristen verwöhnt.

Im Allgäu findet jeder die richtige Beschäftigung für sich, um den Urlaub gleichermaßen abwechslungsreich, erholsam und erlebnisreich zu gestalten. Nicht umsonst trifft man hier im Gebiet von Füssen, Pfronten und Nesselwang im Sommer wie im Winter Gäste jeden Alters.

Allerhand im Angebot

Ob Erholungssuchender, sportlich Aktiver, Kunst- und Kulturinteressierter oder Gourmet – das südliche Allgäu (mit dem angrenzenden Tiroler Bezirk Reutte) bietet allerhand, um im Urlaub nicht einfach so „rumhängen“ zu müssen.

Ganz im Gegenteil, die Angebotsvielfalt ist so groß, dass selbst ein zweiwöchiger Aufenthalt kaum ausreicht, um auch nur einen Bruchteil dessen zu genießen, was sich vor Ort den Gästen alles offenbart. Deswegen kommen viele gerne wieder in diesen schönen Flecken Erde.