Reise

Lausitz In der Region entsteht auf mehr als 20 ehemaligen Tagebaugruben durch Flutung eine der größten Seenlandschaften Deutschlands

Eindrucksvolle Naturlandschaft entsteht

An der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen können sich Bade- und Boottouristen erholen. Aus Spree, Neiße und Schwarzer Elster werden mehr als 20 ehemalige Tagebaugruben geflutet. Einige der künstlichen Seen haben die geplante Wasserhöhe erreicht, bei anderen dauert es noch Jahre. Doch es gibt bereits eine schiffbare Wasserstraße: Der Koschener Kanal verbindet den Senftenberger See und den Geierswalder See. Weitere schiffbare Kanäle werden folgen.

Gehsteige verschwinden, dann Bäume und Büsche. Eine letzte Kurve, und der Weg führt zum Aussichtspunkt Süd. Hinter dem Schild beginnt das Reich, in dem die F 60 regiert, ein stählernes Monstrum, das aussieht als hätte man den Pariser Eiffelturm in die Niederlausitz gelegt. Früher fraß sich die Förderbrücke durch den Tagebau in der Lausitz, heute ist sie ein Besucherbergwerk und Touristenmagnet. Man steht davor und staunt: Was für ein Dinosaurier der Industriekultur!

Diese Abraumförderbrücke vom Typ F 60, die sich da in Lichterfeld (Elbe-Elster) am Rand des einstigen Tagebaus Klettwitz-Nord über die Landschaft erhebt. 502 Meter lang ist dieser Riese, mit einer Höhe von 75 Metern über dem Grund. Gäste können ihn zu Fuß erklimmen oder sich aus 60 Meter abseilen. 90 Minuten dauert der Rundgang, bei dem technische Details erklärt werden.

Wer die F 60 erklimmt, der kann einen weiten Blick über die ehemalige Tagebaulandschaft erleben, die sich mittlerweile zu einer eindrucksvollen Natur- und Seenlandschaft gemausert hat. Im Blickfeld das zukünftige Erholungsgebiet am Bergheider See. Die ersten Badegäste sind schon da. Eine Ferienhaussiedlung ist geplant, ein schwimmendes Haus, vielleicht sogar ein Jet-Ski-Zentrum.

Erste Schiffe kreuzten

Im westlichen Teil des Lausitzer Seenlandes beginnt die Zukunft der ehemaligen Kohlestadt. Zum Endwasserstand im Grossräschener See fehlen nur noch knapp 30 Zentimeter. Zum Hafenfest kreuzten bereits Schiffe. Neben dem neuen Hafen kann man übernachten.

Aus dem ehemaligen Wohnheim der Braunkohlemitarbeiterinnen ist ein Hotel entstanden, sogar mit einem Fälschermuseum. Alles echt falsch, denn die Bilder alter und neuer Meister sind sehr gut gemachte Kopien. Im Keller stehen Fahrräder, mit denen die Gäste entlang der ehemaligen Kraterlandschaft, die der Bergbau hinterlassen hat, radeln können. Hobbywinzer Cornelia Wober und ihr Mann haben an den Hängen des Sees um die 5000 Rebstöcke angebaut.

Maritimes Flair ist ins Seenland eingezogen. Knallrot und weiß strahlt das Leuchtturm-Hotel am Geierswalder See, das zu einem der Top-Ausflugstipps im Lausitzer Seenland avanciert. Am Ufer entlang gibt es schwimmende Häuser für Gäste, die dem Wasser ganz nah sein möchten. Bei der Surf- und Segelschule von Klaus Renner können Stehpaddelbretter ausgeliehen werden. Dass diese in Geierswalde einmal so nachgefragt sein könnten, hätte er selbst nicht für möglich gehalten. Angefangen hat er mit sechs Brettern, mittlerweile ist die Nachfrage um das Doppelte gestiegen.

Für Farbtupfer sorgen bunte Strandmuscheln und Sonnenschirme am Senftenberger See. Schon seit den 1970er Jahren lockt er Badegäste ins blaue Wasser. Im Hafencamp Großkoschen wurden neue Feriendomizile eingeweiht: Baumhäuser im Kiefernwald mit Seeblick.

Das Lausitzer Seenland ist eine junge Urlaubsregion, die sich gegenwärtig zur größten von Menschenhand geschaffenen Wasserlandschaft Europas entwickelt. Im Herzen der Lausitz entsteht durch die Flutung früherer Tagebaue eine spektakuläre Wasserwelt von 23 Seen mit einer Gesamtfläche von mehr als 14 000 Hektar.