Reise

Erholsame Ruhe

Wer fernab von Trubel und Tourismus auf Zypern Urlaub machen möchte, der sollte sich in die Berge begeben. Im Troodos-Gebirge kann man im Winter sogar Ski fahren.

Die Stille wird nur sanft unterbrochen. Aus Richtung des Marathasa-Tals trägt der Abendwind Saxophonklänge in höher gelegene Wipfel und an das kleine Hotelfenster am nördlichen Ortsrand. Im Bergdorf Pedoulas auf Zypern werden an diesem Abend die Ohren von Urlaubern und Einheimischen mit einem Konzert unter freiem Himmel verwöhnt.

Vor der imposanten, blütenweiß gestrichenen Heilig-Kreuz-Kirche, die sich im Mittelpunkt des kleinen Ortes von den dunkleren Wohnhäusern abhebt, sitzt ein Bläser-Quartett mit Saxophonen und Klarinette und läutet den Abend musikalisch ein. Die Kulisse der Berghänge, an denen die Töne der Musiker verklingen, schafft eine besondere Atmosphäre.

Währenddessen verschwindet die Sonne langsam hinter den Spitzen des Troodos-Gebirges. In 1100 Höhenmetern wird es auch im Sommer schnell frisch. „Im Sommer haben wir 4000 Bewohner, im Winter sind es nur 100“, sagt Andreas Pavlou, Chef einer Pension an der schmalen Hauptstraße von Pedoulas. Kirche und Konzert sind dort von Weitem zu sehen und zu hören. „Minus sechs Grad haben wir hier oben im Winter“, fügt er hinzu.

Tatsächlich können Urlauber in den Monaten zwischen Januar und März im Troodos-Gebirge sogar Ski fahren. Es gibt ein kleines Skigebiet rund um den Berg Olympos. Mit 1952 Metern ist er der höchste Berg Zyperns.

Konzerte als Überraschung

Rund 800 Meter weiter unten steht Pavlou am Rezeptionstresen seiner Pension. Der 85-Jährige ist eine Persönlichkeit im Dorf. Als Orts- und ehemaliger Kirchenvorsteher hat er mit dafür gesorgt, dass im August und September Konzerte vor der „Church of Holy Cross“, der Heilig-Kreuz-Kirche, im Zentrum stattfinden. Diese sollen vor allem Urlauber anziehen und sind eine schöne Überraschung für Durchreisende, die den Weg von Zyperns Stränden in die Berge finden.

Zur Erholung kommen aber auch Einheimische. So wie die Gäste von Shakeh Koutroulos, deren Familie ihr kleines Hotel im Ort seit fast 70 Jahren betreibe, wie sie erzählt. „Wir lassen es in Pedoulas lieber gemächlich angehen“, sagt sie. Zwei ältere Pärchen aus Nikosia, die gerade einige Tage bei ihr zu Gast sind, schätzen die Ruhe des Bergdörfchens und kommen immer wieder, verraten sie. Auf der schlicht gehaltenen Terrasse schweifen ihre Blicke weit ins Marathasa-Tal.

Dort hindurch führt eine teils enge und kurvenreiche Straße zunächst hinab, vorbei an dem malerischen Örtchen Kalopanayiotis mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen und der traditionellen Architektur, das auch für seine Schwefelquellen bekannt ist. Dann geht es wieder steil bergauf. Die Autofahrt endet vorerst am Kloster Kykkos. Von Pedoulas aus liegt die orthodoxe Abtei im westlichen Teil des Troodos-Gebirges knapp 20 Kilometer entfernt. Die Strecke fühlt sich über schmale Pisten durch die Berge durchaus länger an.

Auf 1200 Metern thront Zyperns größtes und bekanntestes Kloster. Im 11. Jahrhundert soll es von dem byzantischen Kaiser Alexios I. Komnenos gegründet worden sein. Ursprünglich aus Holz gebaut, ist es in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals abgebrannt oder durch Erdbeben zerstört worden. Die heutige Anlage stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert und wurde größtenteils aus Stein errichtet.

Gläubige pilgern auf den Gipfel

Um einen gepflasterten Innenhof mit Brunnen verteilen sich eine Kirche, Museum, Mönchszellen, in denen Ordensleute wohnen, eine Bibliothek und Empfangsräume. Zahlreiche Mosaike und Wandmalereien von Heiligendarstellungen sind zu sehen. Daneben kann das Grab sowie eine zehn Meter hohe Bronzestatue des griechisch-zyprischen Geistlichen und Politikers Makkarios III. besichtigt werden. Er war Erzbischof und von 1960 bis 1974 erster Präsident der zyprischen Republik. Mit Maschinengewehr vor der Brust steht hinter der Grabkammer als Wache ein junger Soldat.

Die schönsten Ausblicke gibt es einen Kilometer weiter hinauf. Dort steht am Gipfel des Berges Kykkos eine offene Kapelle, zu der Touristen und Gläubige pilgern. Im Innern bringen einige mit Gesängen ihren Glauben zum Ausdruck. Davon abgesehen herrscht auch hier oben eine erfrischende Geräuschlosigkeit.

Vom Bergkamm auf mehr als 1300 Metern führen sanft geschwungene Höhenzüge durch das Marathasa-Tal in die Niederungen. Kurz vor den Küsten flachen sie ab und verlieren sich in der Ebene. Hinter dem Dunst am Horizont lässt sich das Meer erahnen.

Knappe zwei Stunden sind es von hier durch den Paphos-Wald zur Chrysochou-Bucht und zum Städtchen Polis im Norden, wo die ruhigen Strände der Insel liegen. Genauso lang dauert die Fahrt nach Paphos, wo es an der Küste schon lebhafter zugeht. Ein Kontrastprogramm zur Ruhe in den Bergen bildet der touristische Südosten mit seinen Stränden und Hotelburgen rund um Agia Napa. Wer die Stille bevorzugt und ältere Architektur Zyperns erleben möchte, der ist in den Bergen gut aufgehoben.