Reise

Amsterdamer Umland Zwischen Haarlem, Zandvoort an der Nordsee und Schloss Muiderslot gibt es viel zu entdecken

Facetten der holländischen Renaissance

Archivartikel

Amsterdam ist ein Touristenmagnet, doch das Umland von Amsterdam hat ebenfalls viel Sehenswertes zu bieten. Und für einen Ausflug dorthin braucht man noch nicht einmal ein Auto, denn viel Interessantes ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen: Ob ein Strandspaziergang in Zandvoort, eine Fahrradtour durch die Dünen im Nationalpark Zuid-Kennemerland oder ein Bummel durch historische Gassen in Haarlem oder Naarden.

Im Zentrum der Altstadt Haarlems stößt man auf den wunderschönen Grote Markt. Hier breitet sich ein Großteil der Stadtgeschichte aus und dort steht eine Statue des Laurentius Costerus, der nach Ansicht der Haarlemer Bürger der eigentliche Erfinder des Buchdrucks sei, schon vor dem Deutschen Gutenberg.

Unübersehbar steht die Grote Kerk, in der Künstler Frans Hals seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Diese Backsteinkirche stammt aus der gotischen Periode, während das wunderschöne Rathausgebäude aus der Renaissance ist. Auf der Orgel der Groten Kerk aus dem 15. Jahrhundert hat auch Mozart gespielt – und deren Klang bewundert. Der mehrgeschossige gotische Holzturm gibt den Kunstwissenschaftlern bis heute noch Rätsel auf.

Bemerkenswerte Fassaden

Vortrefflich harmonieren die frühere Fleischhalle (1602) in holländischer Renaissance, das Stadthaus aus dem 15. und die Fischhalle aus dem 18. Jahrhundert. Sehenswert sind die vielen alten Giebel und Pforten und besonders das Amsterdamer Tor. Beim Bummeln durch die engen, mittelalterlich erscheinenden Gassen sollte man sich vor Augen halten, wie unsagbar mächtig Haarlem im Mittelalter war. Auch viele alte herrschaftliche Wohnspitäler zeugen noch davon. Haarlem ist urkundlich bereits aus dem 10. Jahrhundert bekannt und damit weitaus älter als etwa Amsterdam, was übrigens auch über Kanäle zu erreichen ist.

Die Stimmung in Haarlems Straßen ist so heiter wie auf einigen Gemälden von Frans Hals, Haarlems berühmtestem Sohn. Er würde heute ähnliche Porträt-Motive wie damals finden: die resolute Fröhlichkeit der Obst- und Gemüseverkäuferinnen, den kniestrümpfigen Charme eines kleinen Buben oder zufrieden dreinblickende Seniorenpaare auf den Holzbänken vor ihren Häusern. Die einen mit dem „Haarlems Dagblad“, der ältesten Zeitung der Niederlande, in der Hand, die anderen mit einer Katze oder einem Enkelkind auf dem Schoß.

Das Frans-Hals-Museum wurde in einem ehemaligen Siechenheim aus dem Jahre 1608 eingerichtet. Frans Hals, der Zeitgenosse Rembrandts, war oft ebenso drastisch in der Menschendarstellung wie sein Amsterdamer Kollege. Dieses Museum sollte man keinesfalls auslassen, schon allein dafür lohnt sich die Anreise aus Amsterdam.

Dann geht es nach Zandvoort, wo einen die wunderschöne Naturlandschaft der Nordsee erwartet. Zandvoort ist dank des breitesten Strandes an der gesamten holländischen Zentralküste einer der beliebtesten Ferienorte der Niederlande.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert entdeckten die Fischer die Beherbergung von Touristen als neue Einnahmequelle. Dank des flachen Sandstrandes und des Aufkommen des Seebadens als Entspannungs- und Heilmethode wurde der Ort nach der Eröffnung des ersten Badehauses 1828 schnell bekannt als ruhiger Kurort. Bald schon mussten die Fischerboote den am Strand flanierenden Besuchern weichen und ihre Anlegestellen abseits des Zentrums verlegen.

Heute erinnern nur noch die drei Heringe im Stadtwappen und das sehenswerte Heimatmuseum daran, dass es einmal ein Fischerdorf war. Und auch die alte Kerkstraat mit der Fischerkirche, deren Orgel auf Schiffsmasten ruht, lässt diese Vergangenheit noch etwas erahnen.

Sisi liebte Zandvoort

Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, war begeistert von Seeluft, Strand und Meer. Aus Dankbarkeit hat die Stadt vor einigen Jahren eine Büste von ihr an der Strandpromenade aufgestellt, wo sie auf den feinen Sandstrand und das tiefblaue Meer hinausblicken kann. Auch Anne Frank machte hier 1934 Urlaub mit ihrer Familie.

Bekannt ist auch die 1949 fertig gestellte Motorsport-Rennstrecke „Circuit Park Zandvoort“, wo auch Michael Schumacher Triumphe gefeiert hat. In der Nähe sind die Kennemerdünen (Kennemerduinen), ein großer Nationalpark mit zum Teil bewaldeten Dünen, die sich bis fünf Kilometer tief ins Landesinnere ziehen.

Naarden ist eine der besterhaltensten Festungsstädte Europas und besonders bekannt aufgrund des sternförmigen Grundrisses und des idyllischen Stadtkerns. Beim Spaziergang durch die verwinkelten Gassen mit ihren vielen historischen Häusern, Cafés, kleinen Läden und hervorragenden Restaurants kann man sich in dieses Städtchen geradezu verlieben. Sehenswert ist die Grote Kerk Naarden, wie auch ein Besuch der unterirdischen Kasematten und des Festungsmuseums, wo man viel über die befestigte Garnisonsstadt erfahren kann.

Schnell ist man in Muiden und am Schloss Muiderslot, dem wohl bekanntesten zu besichtigenden mittelalterlichen Schloss Hollands. Um 1280 wurde es an der Mündung der Vechte erbaut und bereits 1296 verwüstet. 1370 wurde auf den Ruinen ein neues Schloss errichtet, das sich auch noch nach über 600 Jahre in einem perfekten Zustand befindet.

Im Schloss können Kunstobjekte und Alltagsgegenstände aus dem Mittelalter besichtigt werden. Einen Abstecher wert ist der Schlossgarten mit Gemüsesorten aus alten Zeiten und Kräuter zum Heilen und Färben.

Übrigens ist Muiderslot von Amsterdam nicht nur mit dem Auto, sondern auch gut mit dem Boot zu erreichen.