Reise

Nordseeküste Unterwegs im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Faszinierende Welt auf dem Meeresboden entdecken

Wattwandern – das heißt, den Blick für die ganz kleinen Dinge zu schärfen, dabei aber das große Ganze niemals aus den Augen zu verlieren. Ein Spaziergang auf dem Meeresboden bei Ebbe gehört zu jedem Urlaub an der Nordseeküste unbedingt dazu. Hier, im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, lässt sich eine ganz neue und faszinierende Welt, bevölkert von unzähligen Kleinstlebewesen, von Pflanzen, die man nur hier findet, aber auch von Seevögeln und Robben, kennenlernen. Aber besser nicht auf eigene Faust losgehen. Denn auch wenn das Watt auf den ersten Blick harmlos aussieht: Es kann lebensgefährlich werden, ohne kundige Begleiter – zertifizierte Nationalpark-Wattführer– unterwegs zu sein. Abgesehen davon, erfährt man viel Spannendes aus einer fremden Welt und bekommt natürlich auch einen Wattwurm zu sehen.

Die Nationalpark-Wattführer kennen diese Landschaft vor den Deichen so gut wie niemand sonst. Einer, der das Watt gewissermaßen lesen kann, ist Dierk Reimers aus der kleinen Gemeinde Wesselburenerkoog. Im Wattboden leben Millionen von Algen und wirbellose Tiere wie Muscheln, Schnecken und die allseits bekannten Wattwürmer. Auch größere Tiere, zahllose Vogelarten und Robben finden hier ihre Nahrung. Reimers kennt sie alle. Selbst nach mehr als 35 Jahren als Wattführer ist er immer noch fasziniert von der Weite der Landschaft und von den leisen Geräuschen, die man nur hier hören kann – und auch nur deshalb, weil es ringsum so unsagbar still ist. Pst, genau hinhören: Das Watt „knistert“. Was die Tausenden im Watt lebenden Schlickkrebse damit zu tun haben? Das ist nur eine von vielen Geschichten, die jeder Wattführer erzählen kann.

Trotz aller Faszination: Das Watt birgt auch Gefahren. „Niemals bei dem niedrigsten Wasserstand einen Priel durchqueren, denn auf dem Rückweg läuft das Wasser ja bereits auf, und der Priel könnte dann unpassierbar sein“, sagt Dierk Reimers. Vor jedem Ausflug schaut er auf den örtlichen Gezeitenkalender. „Bei Nebel oder Gewitter geht man nicht raus ins Watt. Falls man vom Wetter überrascht wird, braucht man unbedingt einen Kompass. Den haben wir immer dabei.“ Auch Wattführerin Ingrid Austen rät, sich zumindest beim ersten Spaziergang auf dem Meeresboden einer erfahrenen Nationalpark-Wattführerin anzuschließen. „Sie leiten einen nicht nur sicher durch diese Landschaft, sondern sie informieren auch über die Gezeiten und Besonderheiten im Wattenmeer.“

Selbst an warmen Sommertagen kann es im Watt empfindlich kalt werden, darum warme Kleidung einstecken, Kopfbedeckung und Sonnencreme nicht vergessen, Schatten gibt es hier draußen nicht. Sandwatt, Mischwatt, Schlickwatt – auf den ersten Blick sieht der Meeresboden für Unerfahrene immer gleich grau und ein bisschen schlammig aus. Aber wer auf dem Meeresboden wandert, merkt die Unterschiede sofort.

Infos gibt es unter https://www.nationalpark-wattenmeer.de/sh/misc/veranstaltungen-im-themenjahr/4615.