Reise

FN-Leserreise Mallorca kann man auch im Frühjahr mit all seinen Facetten erleben

Faszinierender Blick in die Geschichte

Archivartikel

Mallorca ist neben Ibiza, Formentera und Menorca die größte der Baleareninseln. Faszinierend ist die Mandelblüte auf der Insel.

Die Blüten fallen weniger üppig ausfällt, da die Mandelblüte der Temperatur wegen bereits im Dezember begonnen hat. Es gibt auf der Insel etwa 130 registrierte Sorten von Mandelbäumen, die aber aufgrund des geringen monetären Ertrags, für ein Kilo erhält ein Landwirt gerade einmal 0,60 Euro auf dem Markt, teilweise nicht mehr abgeerntet werden. Aus den Mandeln entstehen Mandelmilch, Marzipan und der legendäre Mandelkuchen ohne Mehl. Erntezeit ist von August bis September.

Das frühe Ankommen der Teilnehmer der Leserreise ermöglicht bei Sonnenschein einen Spaziergang am Playa de Palma und den Besuch des „Palma Aquariums“. Rund 700 Arten leben in den 55 kleineren Tanks und dem 30 mal 22 Meter großen und neun Meter tiefen Hauptbecken des Meerwasseraquariums, worin sich auch Haie und Rochen tummeln. Die Themengebiete reichen von der Fauna des Mittelmeers über Schiffswracks bis zur Unterwasserwelt Amerikas.

Palma selbst ist schon zu Zeiten der Römer die Metropole der Insel gewesen; mit mehr als 400 000 Einwohnern lebt etwa die Hälfte der Mallorquiner dort. Bedingt durch ihre Geschichte ähnelt Palma in vielem der katalanischen Hauptstadt Barcelona. In beiden Städten finden sich architektonische Glanzlichter der Gotik und des katalanischen Jugendstils, Modernisme genannt. Elegante Einkaufsstraßen und noble Paläste in den engen, verwinkelten Gassen des Altstadtviertels finden sich hier wie dort.

In jedem Fall lohnt sich der Besuch der Kathedrale La Seu, denn schon aus großer Entfernung bietet sie einen imposanten Anblick und prägt die Silhouette der Stadt. So stammt das Westportal aus der Zeit der Renaissance und die Hauptfassade in neogotischem Stil aus dem 19. Jahrhundert. Der letzte größere Umbau erfolgte 1904 unter dem berühmten katalanischen Architekten Antoni Gaudí, dessen Handschrift sich auch im Inneren wiederfindet. Früher stand die aus Sandstein errichtete, dreischiffige Kathedrale direkt oberhalb der Küste, heute spiegelt sie sich im Wasser des Parc de la Mar.

Im Osten der Insel zeigt sich die Landschaft noch in einem satten Grün mit Orangen-, Mandel-, Feigen- und Johannisbrotbäumen, deren lange braune Schalen als Dünger verwendet werden und die zu dieser Jahreszeit wie abgestorben aussehen.

Landgut als Museum

Ein Abstecher ins Landgut Els Calderers, das etwas außerhalb von Sant Joan liegt und seit rund 20 Jahren als Museum fungiert, ist ein Blick in die Geschichte. Das Hauptgebäude wurde bereits um 1750 erbaut und zeigt beispielhaft den Lebensstil des mallorquinischen Landadels. Exquisit eingerichtete Räumliche, Kapelle, Weinkeller, Jagdzimmer, Esszimmer, Küche, Garten und Ställe mit verschiedenen Tieren faszinieren.

Die Coves dels Hams, ein Höhlensystem von Porto Cristo, liegt etwa zwei Kilometer außerhalb des Ortes an der Straße nach Manacor und umfasst zwölf Galerien. Ihren Namen tragen die Höhlen nach der Harpunen (Hams) ähnelnden Form der Tropfsteine. 1905 von Pedro Caldentey entdeckt, herrschen in diesem „Friedhof der Fee“ mit weiß für Calciumkarbonat, braun für Eisenoxyd und grün-grau für Kupferoxyd drei Farben vor. Das „venezianischen Meer“ ist 18 Grad warm. Eine kleine Lichtshow mit Gondel und Musik von Mozart ist der Höhepunkt der Führung.

Auf dem Programm steht eine Fahrt entlang der romantischen Westküste bis Valdemossa, vorbei am Hafen und an Schloss Bendinat zum Hafen Port d’Andratx. Die Mitte des 17. Jahrhunderts gegründete Siedlung war früher ein reiner Fischerort und hat sich leider zu einer der beliebtesten Wohnadressen deutscher Residenten entwickelt. Spöttisch wird diese Gegend auch als „Düsseldorfer Loch“ bezeichnet.

Valdemossa ist der am höchsten gelegene Ort Mallorcas und liegt 430 Meter über dem Meeresspiegel. Bekannt wurde der Ort vor allem durch den Komponisten Frédéric Chopin und seiner Geliebten und Schriftstellerin George Sand, die gemeinsam mit deren beiden Kindern den Winter 1838/39 im ehemaligen Karthäuserkloster Sa Cartoixa verbrachten, wo sie hofften, dass Chopin, der an Tuberkulose erkrankt war, wieder genesen würde. Er starb nicht lange nach dem Aufenthalt in Paris. Die Zelle des Priors und die authentisch eingerichtete Zelle von Chopin und Sand lohnen den Besuch, aber auch die mittelalterliche Architektur des Ortes.

Schutzpatronin Mallorcas

In der Tramontana erwartet die Reisenden der Besuch des Klosters Lluc in der Gemeinde Escora, das sich auf einer Höhe von etwa 525 Metern befindet. Seit dem 13. Jahrhundert kommen die Mallorquiner zum Kloster, um die Muttergottes von Lluc, die Schutzpatronin von Mallorca, zu verehren. Laut Überlieferung wurde um 1229 die Figur der Muttergottes durch einen christlichen Mönch und einen muslimischen Schäfer entdeckt, daraufhin wurde 1230 die erste Kapelle erbaut, die der Maria von Lluc, genannt Moreneta, die“kleine Braune“, geweiht wurde. Die Klosteranlage wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert.

Die Hauptstadt dieses Gebietes ist Sóller – der Einstieg in eine „Bahn-Nostalgie-Reise“ mit dem „Roten Blitz“, der die Reisenden nach Palma zurückbringt. Rot ist der Blitz eigentlich nicht, sondern von brauner Farbe: Ledersitze, Mahagoni und Messing geben den Ton an.

Die 28 Kilometer lange Fahrt dauert etwa eine Stunde und geht durch 13 Tunnel. Früher wurden auf diesem Weg zum Beispiel Orangen nach Palma geliefert. Barbara Salzer-Grethe