Reise

Besondere Weltmeisterschaften In Finnland gibt es zahlreiche skurrile Events

Frauenträger und Luftgitarristen

Jeden Sommer kommt in Finnland die Zeit der Weltmeister – in skurrilen Events werden die Besten gesucht.

In der kleinen Gemeinde Sonkajärvi erfüllt sich jedes Jahr im Juli der Traum vieler Frauen: Sie werden von ihren Männern auf Händen getragen – wenngleich nur theoretisch. Denn wer um den Sieg bei der Weltmeisterschaft im Frauentragen mitlaufen will, hat mit dieser Technik keine Chance. Vorteilhafter ist es, sich die Liebste beherzt über die Schulter zu werfen und mit ihr über den 250 Meter langen Parcours voller Hindernisse zu flitzten.

Sogar durchs Wasser muss man mit der Dame seiner Wahl waten. Dafür, dass es auch gerecht zugeht, sorgen strenge Regeln. Sie legen das Mindestgewicht der getragenen Partnerin auf mindestens 49 Kilo fest. Wer trotz höherer Damenlast gewinnt, wird dafür reichlich entlohnt: Jedes weibliche Kilo wird mit einem Liter Bier aufgewogen.

Anders als die meisten anderen Spaßwettbewerbe, welche die Finnen in den vergangenen Jahren erfunden haben, hat das Frauentragen in Sonkajärvi angeblich sogar einen geschichtlichen Hintergrund. Ende des 18. Jahrhunderts lebte in der Gegend der Räuber Herkko Rosvo-Ronkainen. Er soll nicht nur Wertsachen, sondern auch Frauen geraubt – und weggetragen – haben.

Im Fußball haben die Finnen international nicht viel zu melden. Wohl um endlich auch mal zu den Siegern zu gehören, haben sie den Schlammfußball erfunden – und organisieren in Ukkohalla in Nordostfinnland die Weltmeisterschaft. Die Disziplin ist genau das, was der Name suggeriert: Hier kämpfen die Mannschaften im Matsch und Schlamm um den Erfolg.

Fußballerische Fertigkeiten sind weniger gefragt – was definitiv von Vorteil für die Finnen ist. Und die Dusche hinterher ist genauso wichtig wie der Siegerpokal. Zur Schlammfußballweltmeisterschaft kommen Jahr für Jahr mehr als 30 000 Zuschauer. Zahlen, von denen die finnische Fußballnationalmannschaft nur träumen kann.

Mehr als 20 Jahre ist es her, seit Tapani Launonen und seine Kumpels auf die Idee kamen, in der nordfinnischen Stadt Oulu ein Festival zu organisieren. Welche Art von Festival, war ihnen damals egal. Denn Oulu ist nicht gerade das Zentrum der Welt, und da ist jedes beliebige Festival besser als gar kein Festival. Aber billig musste es sein. „Wir hatten nur 100 Euro“, erinnert sich Launonen. „Deswegen wollten wir etwas veranstalten, das nicht teuer ist.“ Und Luftgitarren kosten nichts.

Inzwischen ist aus der Bierlaune eines der größten Events in Nordfinnland geworden. Jeden August reisen Luftgitarrenspieler aus aller Welt nach Oulu. Dort spielen sie nicht nur um die Weltmeisterschaft, sondern auch für den Frieden – gemäß dem Motto: Wer eine Luftgitarre hält, kann keine Waffe halten. Und wie Launonen sagt: „Würden alle Menschen Luftgitarre spielen, wären Kriege unmöglich.“

Wer jetzt glaubt, Luftgitarristen wären durchgeknallte Spinner, die ein bisschen Headbanging zu der Musik von AC/DC machen, der irrt. Bei der Weltmeisterschaft gehen lauter Profis an den Start. Sie sind die Meister ihres Landes, die ihre „Musik“ durchaus ernst nehmen. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt – aus Australien, Neuseeland, Japan, den USA und fast allen europäischen Ländern.

Im knapp 80 Kilometer weiter südlich gelegenen Raahe kürt man den besten Gummistiefelwerfer. Allerdings wird dort „nur“ der Landesmeister gesucht. Gummistiefelwerfen wurde zwar in Finnland erfunden, doch man macht es mittlerweile in vielen Ländern. 2007 beispielsweise fand die Weltmeisterschaft in Berlin statt.

Weil Finnen einen besonders schwarzen Humor haben, veranstalteten sie auch lange Zeit eine Weltmeisterschaft im Kurbel wegwerfen. Um das lustig zu finden, muss man mit finnischen Redensarten vertraut sein. Während man im Deutschen umgangssprachlich „den Löffel abgibt“, wenn man stirbt, wirft man im Finnischen die Kurbel weg. Wer in diesem Wettbewerb gewinnen wollte, musste eine knapp eineinhalb Kilo schwere Traktorkurbel möglichst weit wegschleudern, den „Löffel abgeben“ musste er deshalb aber noch lange nicht.