Reise

Churfranken Neben dem Rotweinwanderweg gibt es rund um Miltenberg und Klingenberg noch viel zu entdecken

Genussvoll entschleunigen inmitten der Natur

Archivartikel

Churfranken ist mehr als Rotwein und Wandern: Rund um Miltenberg darf man die Natur riechen und schmecken - und dabei genussvoll entschleunigen.

Mit Franken verbindet man viele edle Tropfen: Vor allem trockene Weißweine stammen aus der Region. Die roten Sorten wie Portugieser oder Spätburgunder sind vornehmlich in Churfranken, rund um Miltenberg zuhause. Schon die Römer nutzten die sonnenverwöhnten Hänge des Mains, um die Reben zu kultivieren. Und noch heute können die steilen Lagen nur von Hand bearbeitet werden. Mehr als 250 Kilometer Trockenmauern aus rotem Sandstein geben den schmalen Terrassen Halt, die teilweise nur Platz für zwei Stöcke lassen, bevor sie auf die nächste Mauer stoßen.

In sechs Etappen führt ein wunderbarer Wanderweg durch die Weinberge zwischen Großwallstadt und Bürgstadt. Das Filetstück dieses churfränkischen Rotweinwanderwegs liegt zwischen Erlenbach und Klingenberg. Auf einer gut ausgebauten Route, die am Schwimmbad in Erlenbach startet, darf man hier zwischen den Reben schlendern - mit einem grandiosen Blick auf das Maintal unten und die Hänge des Odenwalds.

Hier gedeihen aber nicht nur die Trauben für die edlen Weine. Denn bald schon hat man einen kleinen Kräutergarten erreicht, der sich aromatisch zwischen das Weinlaub schiebt. Lavendel und Thymian verbreiten ihren betörenden Duft. Erdbeerspinat oder Mädesüß fehlen ebenso wenig. Die Kräuter sind aber nicht nur eine Augenweide, sondern dürfen und sollen von jedem für den Privatgebrauch gepflückt werden. "Hier darf man die Nase reinhängen und die Augen schweifen lassen", findet auch Engelbert Kötter. Der gelernte Gartenbautechniker und Autor vieler Kräuterbücher hat zusammen mit einer Brennerei ein Konzept für eine Spezialität entwickelt, in der sich Churfranken widerspiegelt: Ein Kräuterbitter. Die Zutaten finden sich auch im Weinberg.

"Der Likör hat einen eigenständigen Charakter", sagt er. Thymian und Spitzwegerich, Weinrauke und Wermut, abgerundet durch Brombeere und Rosenblätter für die Süße, sorgen für eine angenehme Milde.

Mit Gerüchen und Gewürzen wird in Klingenberg nicht nur im Kräutergarten "gespielt". Ingo Holland und sein "Altes Gewürzamt" haben weit über die Region hinaus einen klangvollen Namen. Angefangen als Hobby, hat der Koch bald seine eigenen Gewürzkreationen hergestellt und auf den Markt gebracht, wie Sohn Kilian bei einem Besuch in den kleinen Räumen erzählt. Bekannt sind Hollands Salz-Mischungen und auch die große Auswahl an unterschiedlichen Vanille-Sorten. Die Königin der Gewürze ist übrigens die Frucht einer schmarotzenden Orchideenart.

120 Mischungen und 300 Einzelgewürze, Essigessenzen und Pasten werden dem Kunden angeboten, der so manches auch in der Holland-Kochschule ausprobieren kann. Bis zu 30 solcher Kurse finden im Neubau am Stadtrand von Klingenberg jährlich statt.

"Wir arbeiten mit der Natur", verweisen die Hollands auf einen wichtigen Faktor. Aber sie haben auch fränkischen Safran aus Feuchtwangen im Angebot, wo bis zu 150 000 Fäden jährlich geerntet werden. Oder Senfsaaten und Kümmel aus Churfranken. Den produziert Marcus Link für die Hollands. Der junge Landwirt und Metzgermeister aus dem rund zehn Kilometer entfernten Mönchberg ist 2012 in den Gewürzanbau eingestiegen. "Damals haben mich viele meiner Kollegen ausgelacht", erzählt er. Weil ihm der Winterraps erfroren war, hatte er aus Spaß beschlossen, "Kümmel anzubauen, in Tütchen zu verpacken und so Millionen zu machen". Als er zwei Jahre später die erste Ernte eingefahren hat, übernahm Ingo Holland sofort den ganzen Hänger. Seitdem hat er neben Schwarzkümmel auch Koriander, Fenchel, Bockshornklee oder braunen und gelben Senf auf dem Feld stehen.

Sein jüngstes Experiment ist Senf und Kreuzkümmel. Bei den Links blüht es das ganze Jahr über - auch durch den Anbau von Wildblumensaaten.

Der Aussiedlerhof ist mittlerweile zu einem festen Ausflugsziel für Familien geworden. Denn vom 1. bis 15. eines Monates ist der Hofstadl der Familie Link geöffnet. Ein Kinderspielplatz, Enten und Hasen sorgen nicht nur bei den kleinen Besuchern für Kurzweil in der Natur und einer Möglichkeit zum Abschalten und Entschleunigen. dib