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Girona statt Barcelona

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Spanien

Wenn Barcelonas Rambla mal wieder von den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe geflutet werden, sollte man sich nicht ärgern, sondern stattdessen in den Zug nach Girona steigen. Eine knappe Stunde Richtung Norden wartet die monumentale Provinzhauptstadt der Costa Brava am Onyar-Fluss. Am Ufer leuchten die Fassaden des Klein Venedig genannten Viertels in den schönsten Farben, dahinter reihen sich dicht an dicht mittelalterliche Paläste, Kirchen und romanische Kreuzgänge aneinander.

Über dem Labyrinth aus Treppen und Gassen thront die stolze Kathedrale Santa Maria, die unter anderem Kulisse der sechsten Staffel der Kult-Serie „Game of Thrones“ war. Die Serie hat mit dafür gesorgt, dass Girona auf der touristischen Landkarte angekommen ist. Zuvor war sie fast nur Feinschmeckern ein Begriff - das Drei-Sterne-Restaurant Celler de Can Roca zählt zu den weltbesten seiner Zunft. Aber Achtung: Man sollte gar nicht erst den Versuch machen, in dem Gourmettempel der Roca-Brüder einen Platz zu bekommen, die Tische sind Monate oder Jahre im Voraus ausgebucht. Viel besser stehen die Chancen im völlig unprätentiösen Can Roca ihrer Eltern, wo das Menü kaum mehr als zwölf Euro kostet. Überhaupt sind die Straßen rechts und links der Rambla de la Llibertat – denn, ja, auch Girona hat seine Rambla - gespickt mit schönen Lokalen und Geschäften. Die Stadt gehört schließlich zu den Gemeinden mit der höchsten Lebensqualität in Spanien. So kann man sich hier gut ein paar Tage in einem der kleinen Stadthotels in historischen Gemäuern einmieten, sich unter die vielen Studenten mischen und nach und nach Perlen wie die arabischen Bäder aus dem 12. Jahrhundert, das einstige jüdische Ghetto mit dem idyllischen Innenhof oder die Delikatessenstände auf dem Wochenmarkt im Park de la Dehesa entdecken. Und was man auf keinen Fall versäumen sollte ist ein Gang auf dem Passeig de la Muralla, einem Panoramaweg auf der Stadtmauer aus römischer Zeit mit wunderbarem Blick über das Zentrum und weit darüber hinaus.

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