Reise

Goldige Schweiz

Archivartikel

Noch auf Ideensuche für die Herbstferien? Familienurlaub in der Schweiz geht auch günstig. Wir stellen Übernachtungsmöglichkeiten mit Stil für wenig Geld vor. Sogar ein bisschen Luxus ist drin.

Ein Goldfund käme durchaus gelegen, schließlich geht Familienurlaub in der Schweiz ziemlich ins Geld. Aber die Mini-Nuggets, die die Kinder aus dem Rhein sieben, sind klein wie Kekskrümel. Damit bleibt nur, neidisch den Erzählungen von August Brändle, alias Gold-Gusti, zu lauschen, der in tiefstem Schwyzerdütsch, aber in höchsten Tönen von stattlichen Klumpen schwärmt, die er selbst hier gefunden hat. Das Goldwaschen im Rhein, das Brändle für Touristen anbietet, ist trotzdem sehr vergnüglich. Zudem liegt die Schürferbude am Campingplatz Disentis in Graubünden und ist damit nur einen Steinwurf von der gemütlichen Holzhütte entfernt, die man als vierköpfige Familie idealerweise bucht.

Unter dem Dach der Parahotellerie Schweiz haben sich vergleichsweise günstige Unterkünfte zusammengeschlossen, die durchaus Komfort bieten. So checkt die Familie im Laufe der Reise noch in einem Feriendorf mit großzügigen Zimmern samt Badelandschaft und Freizeitpark ein. Und als Höhepunkt gibt es Tage mit Traumblick über den Vierwaldstätter See im Bed and Breakfast.

Die Goldwäscher haben ihr Schürfwerkzeug beiseitegelegt. Stattdessen wollen sie den Berg stürmen. Gut, dass Zug- und Bergbahntickets in Disentis Teil der Gästekarte sind – auch für Campingplatz-Bewohner. So trägt die Caischavedra-Gondel die Familie hinauf zur Bergstation. Den Panoramaweg hinunter schaffen selbst die Kleinen.

Wer den Tag gemütlich gestalten will, leiht sich Räder und entert damit den Zug Richtung Oberalppass, sodass nach dem Ausstieg lediglich bergab rollen angesagt ist. Wer einen Regentag erwischt, der auf dem Campingplatz zugegebenermaßen sehr lang werden kann, fährt besser ins wenige Kilometer entfernte Bad nach Sedrun. Es garantiert dem Nachwuchs Wasser-Spaß und den Erwachsenen Spa-Spaß, denn die Wellnessabteilung ist gepflegt und nicht überlaufen.

Ein zugehöriges Freizeitbad ist einer der großen Pluspunkte des Reka-Feriendorfes in Morschach. Dort ist man schon im Herzen der Schweiz und die Eidgenossen geben alles: Abends spielen vor der Tür Alphornbläser auf. In der Stoosbahn, laut Eigenwerbung die steilste Standseilbahn der Welt, jodelt es zur Begrüßung freudig aus den Lautsprechern. Dafür setzt an der Endstation der Stoosbahn der Moorwanderweg einen ziemlich guten Orientierungssinn voraus. Wer jedoch einmal den Einstieg gefunden hat, wird mit einer abwechslungsreichen Rundtour belohnt, die geschickt ein für Kinder eher trockenes Thema vermittelt.

Beim Moor-Memory offenbaren sich die ulkigsten Tiere. Im Irrgarten, der über Leitern und steile Wege an den mächtigen Felsen heranführt, müssen die Kinder an jeder Station richtig antworten, sonst landen sie in der Sackgasse.

Wer die Reisekasse ein wenig strapaziert und auf die Tickets der Stoosbahn noch welche für die Sesselbahn zum Gipfel des Fronalpstock draufpackt, belohnt nicht nur sich selbst mit einer fantastischen Gletschersicht, sondern auch die Kinder, die auf einem anspruchsvollen Kletterspielplatz über raffinierte Holzkonstruktionen und Seilbrücken und in Spinnennetzen herumturnen können. Der Abschied von Reka kann schmerzhaft ausfallen, aber irgendwann müssen ja auch die Eltern eine Portion Erholung tanken. Und das geht formidabel im Högerli, dem Bed-and-Breakfast-Betrieb von Susanne und Daniel Graf, das nach nur einer halben Stunde Autofahrt entlang des Vierwaldstätter Sees erreicht ist. Dort am besten mal auf die Terrasse des Familien-Lofts sitzen und durchatmen. Die Kinder dürfen sich derweil an Spielekisten bedienen und sind gut versorgt.

Susanne Graf wird von manchen Gästen als „liebe Tante“ bezeichnet, dabei ist sie viel mehr als das: nämlich gute Fee und Gute-Laune-Vermieterin, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Sie macht Vorschläge und gibt sich große Mühe, alles frisch zu besorgen. Gemüse und Obst holt sie beim Bauern, die Egli-Filets beim Fischer ihres Vertrauens. Kurzum: Das Högerli ist eine tolle Sache und mindestens so wertvoll wie ein kleiner Goldfund im Rhein.