Reise

Hamburgs Riviera

Deutschlandreise: Den „Strand mitten in der Stadt“ hat Hamburg mit Metropolen wie Barcelona, Tel Aviv oder Rio gemein. Und er kann sich sehen lassen: Hamburgs Stadtstrand ist stolze zehn Kilometer lang.

Fischerhäuser und Kapitänshäuser, reetgedecktes Fachwerk und Rotklinker, Altbauvillen und Neubauten stehen kreuz und quer auf den Terrassen des grünen Elbhangs. Ab und zu kommt auch einer der riesigen Frachter vorbei, auf denen die bunten Container aus aller Welt bis knapp unter die Kommandobrücke gestapelt sind. Am Horizont sind Kräne zu erkennen, der Hamburger Hafen ist nur fünf Kilometer von Blankenese entfernt.

Der Ausblick im Kaffeegarten Schuldt ist spektakulär. Er befindet sich weit oben auf dem 75 Meter hohen Süllberg im Blankeneser Treppenviertel, das aus 58 Treppen und 4864 Stufen besteht. Es wird auch Hamburger Riviera oder dänisches Positano genannt – dänisch, weil Blankenese mal zu Dänemark gehörte, und Positano, weil es mit seinen verwinkelten Gassen an den Ort an der italienischen Amalfiküste erinnert. Das Treppenviertel ist ein idyllischer Ort, der sehr mediterran wirkt. Es ist kein Wunder, dass an einem so attraktiven Ort die Gentrifizierung schon Mitte des 19. Jahrhunderts begann, als sich wohlhabende Hamburger Kaufleute, die sogenannten Pfeffersäcke, Landhäuser in dem ehemaligen Fischerdorf bauten.

Zwischen Schickimicki und Bodenständigkeit

Blankenese bedeutet „glänzende Nase“. Der Name beruht auf einer nasenförmigen Sandbank, die einst von einer Sturmflut weggespült wurde. Eigentlich passt der Name nicht: Blankeneser Nasen glänzen angeblich selten, da sie meistens gepudert sein sollen. Den Einheimischen wird auch nachgesagt, dass sie die Nase ziemlich hoch tragen.

„Der alte Brauch wird nicht gebrochen – hier können Familien Kaffee kochen“, lautet das Motto, das im Kaffeegarten Schuldt seit 1877 gilt. So wie in bayerischen Biergärten die eigene Brotzeit mitgebracht werden darf, ist es hier möglich, das eigene Kaffeepulver mitzunehmen und aufgießen zu lassen. „Den Brauch gibt es noch, aber heute ist es eher ein Spaß“, sagt Holger von Elm. Der 62-Jährige führt den Familienbetrieb, den seine Urgroßmutter damals gründete. Holger von Elm gilt als „echter Blankeneser“, da seine Familie seit fünf Generationen hier lebt. Als Blankeneser darf sich nämlich nur bezeichnen, wer wenigstens Großeltern hat, die hier geboren wurden.

Als der Kaffeegarten Schuldt 1877 den Betrieb aufnahm, war Kaffee noch ein rares Gut. „Die Gäste kamen mit der Fähre aus Hamburg, um einen Ausflug ins Fischerdorf zu machen, und brachten ihren Kaffee mit“, erklärt von Elm. Unterhalb des Treppenviertels befindet sich Hamburgs zehn Kilometer langer Stadtstrand. Den „Strand mitten in der Stadt“ hat Hamburg mit Metropolen wie Barcelona, Tel Aviv oder Rio gemeinsam, auch wenn er hier nicht am Meer liegt. Die Elbe gilt zwar als relativ sauber, aber es ist dennoch zu gefährlich, an Blankeneses Stränden zu baden - einerseits wegen der Strömung, andererseits wegen des Wellenschlags der Frachter.

Rund einen Kilometer stromabwärts vom Treppenviertel beginnt das Falkensteiner Ufer, der letzte Naturstrand Hamburgs. Auf dem dortigen Campingplatz Elbcamp gibt es keine Parzellen, Vorzelte, keine Verbotsschilder, keine Werbung. Und das Café Lüküs ist nicht nur Restaurant, sondern vor allem der Treffpunkt für eine bunte Klientel aus allen sozialen Schichten. „Die Besucher“, sagt Garip Yavuz, der türkischstämmige Leiter des Elbecamps, „können hier so sein, wie sie sind. Uns ist Vielfalt wichtig.“ Unter den Gästen sind auch echte Blankeneser.