Reise

Happy birthday, Victoria!

Die britische Königin Victoria ist im Kensington Palace in London geboren und aufgewachsen. Zum 200. Geburtstag der Regentin hat der Palast zwei neue Ausstellungen konzipiert. Und auch das Victoria & Albert Museum feiert mit.

Als Historiker muss man manchmal ein gewitzter Detektiv sein. Zum 200-Jahr-Jubiläum sollten die Räume im Londoner Kensington Palace, in denen Queen Victoria am 24. Mai 1819 geboren wurde und ihre Kindheit verbrachte, in den Originalzustand versetzt werden. Leider hatte aber niemand einen Schimmer, wie diese aussahen. „Nach Victorias Auszug war der erste Stock immer wieder bewohnt, dabei wurde ständig renoviert und umgebaut“, erzählt Claudia Williams, zudem gebe es keine Abbildungen. Also wühlten sich die Kuratorin und ihr Team durch unzählige Akten –Tagebücher, Briefe, Rechnungen von Lieferanten.

Kensington Palace, ein weitläufiger Palast im Londoner Westen, wird traditionell von britischen Royals genutzt. Auch Lady Diana wohnte hier, nun logiert ihr Sohn Prince William samt Familie in Apartment Nummer 1A – abgeschirmt vom öffentlichen Teil des Hauses. Dort, mit Blick auf den Park und ein Denkmal Victorias, befindet sich ein Museum. Im noch nach frischer Farbe riechenden und auf historisch getrimmten Ambiente erfährt man ab Ende Mai alles über „Eine königliche Kindheit“. Ob die Schau der Jubilarin wohl gefiele? In Biografien ist zu lesen, dass Ihre Hoheit den Platz ihrer jungen Jahre hasste. Als potenzielle Thronfolgerin wuchs sie überbehütet auf. Victoria durfte noch nicht einmal eine Treppe allein hinuntergehen und musste mit der Mutter ein Schlafzimmer teilen.

Ihr Vater Edward Herzog von Kent war der vierte Sohn von König George III. und damit weit weg vom Thron. Doch da seine drei älteren Brüder sowie eine Schwester früh starben und keine legitimen Erben hinterließen, rückte er auf. Zur Freude seiner deutschen Frau, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Herzogin Victoire hatte sich eigens zur Niederkunft von Amorbach nach London geschleppt, um mögliche Regentschaftsansprüche des Babys zu sichern. Nach dem Tod ihres Gatten kümmert sie sich um die Erziehung der Tochter, die Krone jetzt fest im Blick. Das Projekt gelingt: Am 20. Juni 1837 beerbt Victoria ihren Onkel William IV. Dessen Ehe mit Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen war kinderlos geblieben.

Die Helikopter-Erziehung ließ die als impulsiv geltende Victoria, kaum 18 Jahre alt und Königin geworden, Hals über Kopf in den Buckingham Palace fliehen. Im Kensington Palace ließ sie viele persönliche Gegenstände zurück. Dieser Nachlass wird nun zum Teil erstmals gezeigt: Spielzeug, darunter ein Puppenhaus, Kleidung, Schulhefte, ein Betragenbuch. „Victorias Bedeutung in Großbritannien ist heute noch sehr groß“, sagt Polly Putnam, Kuratorin einer zweiten Ausstellung namens „Frau und Krone“ im Kensington Palace, die sich der Regierungszeit widmet. Während des Hin und Her in Sachen Brexit erinnern sich manche Briten offenbar gerne daran, dass sie mal ein erfolgreiches Weltreich waren.

Da möchte natürlich auch das Victoria & Albert Museum nicht nachstehen. Der Name verrät es: Das Haus, nur einen kurzen Fußweg vom Palast entfernt, ist aufs Engste mit der Queen und ihrem deutschen Gatten Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verknüpft. Victoria gründete das Museum nach dem frühen Tod ihrer großen Liebe. Albert wäre auch heuer 200 Jahre alt geworden - am 26. August. Anlässlich der 200-Jahr-Feier zeigt das Museum ein besonderes Schmuckstück, das einen Bezug zu beiden Jubilaren hat: ein Diadem der Königin, entworfen vom Prinzgemahl zur Hochzeit 1840. Das kranzförmige Gebilde aus Diamanten und Saphiren erinnert an den sächsischen Rautenkranz, zu finden im Staatswappen von Alberts heimischem Herzogtum. „Weil es ein privater Besitz der Königin ist, zählt es nicht zu den Kronjuwelen, die im Tower of London aufbewahrt werden. Dennoch hat das Stück eine besondere Bedeutung“, erzählt Richard Edgcumbe, der Leiter der Juwelensammlung. Er hat zwei Gemälde neben der Vitrine arrangiert, die das beweisen sollen. Beide Male trägt sie zu einem offiziellen Anlass die inoffizielle Insignie. Es ist eine Liebeserklärung an Albert und zugleich der Ausbruch aus Konventionen. Typisch Victoria.