Reise

Niederschlesien Die Sommerfrische des einstigen Adels ist heute eine beliebte Kurgegend

Heilendes Wasser im Gesundbrunnen

Wer ausgiebig kuren, dazu eine alte Kultur kennen lernen möchte, ist in Niederschlesien genau richtig. Hunderte Quellen sprudeln für die Gesundheit. In den Kurhäusern wird seit Jahrhunderten gebadet und geschwitzt, in den Trinkhallen das heilende Wasser getrunken. Kaiser, Könige und Zaren nannten die Orte in Schlesien einen Gesundbrunnen. Frédéric Chopin gab als Dankeschön für seine Genesung ein Wohltätigkeitskonzert im Kursalon.

Am Fuße des Riesengebirges wirkt der Kurort Cieplice winzig klein. Eine Kirche, darum herum Häuser, viel Wald und ein Park. Blickfänge sind die roten, gelben und weißen Häuserfassaden, die die Fußgängerzone säumen. Galerien, kleine Läden und Cafés gibt es. Das barocke Schloss der früheren adligen Besitzer Schaffgotsch verströmt den Charme vergangener Zeiten. Nur wenige Meter vom Schloss entfernt steht das Kurmittelhaus.

Schon im Mittelalter nutze man die warmen Quellen mit ihrem hohen Gehalt an Schwefel, Radium und Fluor und heilte verschiedene Leiden. Ende des 14. Jahrhunderts errichtete die Familie Schaffgotsch erste Kurhäuser. Der Adel kam und badete im Quellwasser des Kurhauses. Das ist noch heute so. „Das 90 Grad warme Thermalwasser wird abgekühlt und in die Bäder und Wasserhähne geleitet“, erklärt der Vertreter des polnischen Kurunternehmens Uzdrowisk. Und er beteuert: „Es ist wunderbar heilsam. Ob bei Knochenbrüchen, Kreislauf- oder Hautproblemen.“

Gleich hinter dem Schaffgotschen Palais beginnt der Kurpark. Zwischen den hohe Fichten und Laubbäumen ragen die Gipfel des Riesengebirges empor, und bei guter Sicht gibt es einen Blick bis zur Schneekoppe.

Es tönt, streicht und klingt

Kudowa Zdrój war im 17. Jahrhundert noch ein kleines Dorf im Heuscheuergebirge an der Grenze zu Tschechien. Als natürliche Mineralquellen unter der Erde entdeckt wurden, eine Bahn von Glatz in den Ort fuhr, kamen immer mehr Erholungssuchende. Es hieß: „Kudowa besitzt einen Reichtum an kohlensaurem Gas.“ Das heilende Wasser half unter anderem bei Herz- und Kreislaufbeschwerden. Um ein eleganter Kurort zu werden, wurden Gehsteige und Straßen gepflastert. Die Gemeinde baute ein Badehaus mit den modernsten badetechnischen Einrichtungen.

Das Hotel Fürstenhof und die Sanatorien wurden im Laufe der Jahre immer wieder restauriert. Im 17 Hektar großen Park stehen auf der Rasenfläche Klavier, Kontrabass und Harfe, so, als hätten sich die Musiker für eine kurze Pause zurückgezogen. Doch der Schein trügt. Es ist zwar nur einmal im Jahr, aber dann tönt, streicht und klingt es. Das internationale Moniuszko-Festival, das dem polnischen Opernsänger Stanislaw Moniuszko gewidmet ist, lässt die gesamte Spannweite der Saiteninstrumente erklingen.

Eine Quelle namens Chopin

In Duszniki Zdrój (ehemals Bad Reinerz) kann man die Handwerkskunst der polnischen Restauratoren erahnen. Die Kurvillen mit Türmchen und Erkern wurden detailgetreu saniert. Die Leute kamen wegen der Moorpackungen. Als Chopin als Jugendlicher 1826 Bad Reinerz besuchte, hatte die Geschichte der Stadt als Kurort gerade erst begonnen. Der Komponist weilte auf Empfehlung seines Lehrers Joseph Xaver zur Kur. Der Aufenthalt im schlesischen Badeort sollte dem 16-Jährigen, der an lang anhaltenden Kopfschmerzen und Drüsenschwellungen gelitten hatte, neue Kraft schenken. Und es hat geholfen. In Archiven der Kurverwaltung steht in seinen Briefen. „Die frische Luft und die von mir fleißig genossene Molke haben mich dermaßen wiederhergestellt, dass ich ein völlig anderer bin, als ich in Warschau gewesen.“ Als er vom plötzlichen Tod eines Einwohners erfuhr, der mittellos eine Familie hinterließ, gab er ein Wohltätigkeitskonzert im Kursalon. Das hat die Kurverwaltung nicht vergessen. Im Park steht das Chopin-Denkmal. Eine Heilquelle trägt seinen Namen und eine Gedenktafel erinnern an den Besuch des damals 16-jährigen. Jedes Jahr im August veranstaltet die Stadt das Chopin Musikfestival.

Wässer aus den Zapfhähnen

Im 17. Jahrhundert entdeckte man in Polanica Zdròj das „saure Wasser“, also Heilquellen mit einem hohen Gehalt an Kohlendioxid. Mitten im Nadelwald wurde ein Badehaus mit sieben Wannen gebaut. Im Laufe der Jahre wurde es ein schicker Kurort, mit einem Sanatorium, zahlreichen Bürgerhäusern und einer Wandel- und Trinkhalle. Das Wasser, das seit Jahren aus den Zapfhähnen sprudelt, schmeckt mal nach Eisen, mal hat es einen süßen Geschmack. Es ist nur ein kurzer Spaziergang in den Kurpark mit seinem alten Baumbestand und es gibt viel frische Luft zum Atmen.

Und genau deswegen fährt man hierher: wegen der Luft, zum Lindern der Leiden oder zum Entspannen. Und zum Trinken. Natürlich heilendes Wasser.