Reise

Knöchelhohes Karibikwasser

Anfang August wird es auf Antigua bunt – dann bringt der Karneval Leben auf die Antilleninsel. Außerhalb der fünften Jahreszeit hat die Insel vor allem eins zu bieten: zahlreiche und zauberhafte Strände.

Es ist Hochsommer, wenn auf Antigua die fünfte Jahreszeit beginnt. Seit 1957 wird auf der Karibikinsel rund um den 1. August der Sommerkarneval gefeiert. Der Hintergedanke damals: Mit der Einführung des Karnevals sollte der Tourismus auf der Insel angekurbelt werden. Doch auch an anderer Stelle war das Datum für Antigua von großer Bedeutung, denn 1834 wurde auf der Insel an diesem Tag die Sklaverei verboten. Folglich wird es laut, wenn in der Hauptstadt St. John’s zehn Tage und zehn Nächte lang Rum und Punsch in Strömen fließen und Steel Bands, die mit runden Blechtrommeln Klänge erzeugen und durch die Straßen ziehen.

Bunt ist Antigua, das mit seiner Schwesterinsel Barbuda seit 1981 von Großbritannien unabhängig ist, auch an den verbleibenden 355 Tagen im Jahr. „Uns macht niemand irgendwelche Einschränkungen, wenn wir unsere Häuser bunt anstreichen“, sagt Taxifahrer Joseph bei der Fahrt über die Insel. Das Ziel ist Stingray Stadt im Osten Antiguas, wo Speedboote bereits auf die Tagesausflügler warten, die oft mit Kreuzfahrtschiffen im Hafen von St. John’s ankommen.

Die Boote jagen zu einer schwimmenden Plattform an einem Riff, wo sich vier Dutzend Rochen bereits versammelt haben. „Die wissen genau, dass Essenszeit ist, wenn die Boote kommen“, erklärt Tourguide Steven. Die Urlauber können sie füttern und streicheln. Die Meeresbewohner lassen ihre Besucher nahe an sich heran. Auch wenn der Sog, den die Rochen beim Aus-der-Hand-Fressen erzeugen, gewöhnungsbedürftig ist.

Ein Mekka für Segler

Weiter geht’s in Richtung Süden zu Nelson’s Dockyard: Das beliebte Ausflugsziel ist die einzige noch intakte Marinewerft der Karibik aus dem Georgianischen Zeitalter. Seit Juli 2016 gehört die Werft zum UNESCO Weltkulturerbe. Ein Mal im Jahr wird die alte Werft Ende April zu einem Mekka für Segelenthusiasten. Dann findet hier die Segelwoche statt, die sich unter den Skippern der Welt großer Beliebtheit erfreut.

Beim Rundgang durch Nelson’s Dockyard wird Rum gereicht – damals wie heute für Antigua ein wichtiges Handelsgut. Dazu gibt es ein Stück Pineapple Turnover, ein Ananaskuchen, oder Coconut Cream Pie – eine Torte mit Kokoscreme – aus der Dockyard-Bäckerei.

Eine Stärkung auch für den kommenden Tag, der im Hafen von St. John’s beginnt. Hier liegt ein Kreuzfahrtriese am Dock. 650 000 Gäste gehen von Bord der mehr als 300 Schiffe, die jährlich im Hafen von St. John’s anlegen. Zumindest einen Tag lang wollen die Passagiere auf der Antilleninsel verbringen, bevor sie weiterschippern.

In St. John’s heißt man die Besucher willkommen, sie bringen Kaufkraft auf die Insel. „Wir möchten in den kommenden Jahren noch weiter in den Hafen investieren, und das Hafenviertel in St. John’s komplett zu einer Fußgängerzone umgestalten“, sagt Colin James, der Chef der nationalen Tourismusorganisation Antiguas. Viele Einwohner der Insel leben vom Tourismus – entsprechend hoch ist das Angebot an Ausflügen. Neben dem Luxusliner, fast kaum zu sehen bei der schieren Größe des Ozeanriesen, hat die Excellence festgemacht – ein Katamaran, der Touristen nach Barbuda bringt. 90 Minuten dauert die Fahrt, die vorbei an Antiguas Nordküste durch die karibische See zur Schwesterinsel führt, die im vergangenen Herbst von Hurrikan Irma besonders schwer getroffen wurde. Irgendwann auf der Überfahrt kommt am Ende des Horizonts ein schmaler Streifen Sandstrand in Sicht – kilometerlang und ohne Menschen: 11 Mile Beach, und gleich dahinter die Lagune Barbudas. Die Excellence legt an. Knöchelhohes Karibikwasser begrüßt die Urlauber an einem Strand, an dem jeder ein ungestörtes Plätzchen findet, um sich zwei Stunden lang in der Sonne zu räkeln.

„Behutsam aufbauen“

Das Alternativprogramm ist ein Vogelschutzgebiet, das quer über die Lagune mit Schnellbooten erreicht wird. Die Reste von Barbudas Hauptort Codrington, in dem vor Hurrikan Irma die meisten der 1500 Inselbewohner lebten, bleiben den Besuchern verborgen. In dem Ort, in dem 95 Prozent der Gebäude von Irma zerstört wurden, mussten alle Bewohner evakuiert werden. „Wir möchten Barbuda behutsam aufbauen und entwickeln“, sagt Tourismuschef James.

Das will auch Hollywoodstar Robert De Niro. Seine Pläne für den Wiederaufbau des vor seiner Schließung legendären „K Club“ im Süden Barbudas sind jedoch ambitionierter, schnelllebiger – und nicht wirklich behutsam.

Die ehemalige Luxusferienanlage, wo unter anderem Prinzessin Diana einst mit ihren Söhnen William und Harry in aller Abgeschiedenheit ihren Urlaub verbrachte, möchte De Niro mit einer Investorengruppe Leben einhauchen.

Doch der neue Luxus auf Barbuda mit Marina, Flughafen und exklusiven Villen für Superreiche schmeckt nicht jedem Bewohner. Eine Einwohnergruppe aus Codrington wehrte sich massiv gegen das Projekt – bereits bevor Hurrikan Irma auf der Insel wütete.

Mittlerweile haben sich die Lebensbedingungen auf Barbuda geändert, und De Niro und seine Kollegen haben eine Jobgarantie für alle Einwohner der Insel in Aussicht gestellt, fass der „K Club“ mit seinem neuen Namen „Paradise Found“ eröffnet wird.