Reise

Kraniche satt

Im Hula-Tal im Norden Israels machen viele Zugvögel auf ihrer Reise zwischen Europa und Afrika ausgiebig Rast. Das bietet Vogelliebhabern einmalige Chancen, viele hierzulande selten gewordene Arten zu beobachten.

Kraniche, so weit das Auge reicht, dazu im Vordergrund Unmengen von Störchen –und alles ist ständig in Bewegung: Immer wieder fliegen Vögel auf, andere Trupps schweben ein und landen. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, das Naturliebhaber im Hula-Tal im Norden Israels bewundern können. Denn diesen Flaschenhals parallel zur Mittelmeerküste passieren zweimal im Jahr Millionen von Zugvögeln, wenn sie im Herbst von Europa und Asien nach Afrika und im Frühjahr wieder zurück fliegen.

Dabei dienen ihnen die Feuchtgebiete am Talgrund als willkommene Rastplätze – und vor allem den Kranichen zunehmend auch als dauerhaftes Winterquartier. Ende Februar dieses Jahres gaben sich dort rund 51 000 dieser majestätischen Vögel ein Stelldichein. Für die Bauern in der Umgebung sind die ungeliebten Mitesser allerdings ein Ärgernis. Und so haben sich die Naturschützer entschlossen, die Vögel zu füttern. Mit Erfolg: Die Kraniche bleiben im Naturschutzgebiet und richten in den umliegenden Feldern keine großen Schäden mehr an. Und die Touristen sind um eine Attraktion reicher: Im Hula Agamon Park kann man gegen einen Obolus auf einem Besucherwagen dem Fütterungstraktor folgen, der gemächlich durch die Vogelschar tuckert und immer wieder Rast macht, um Körner zu verteilen.

Das Spektakel lässt sich auch vom Rande des Feuchtgebietes aus genießen, um das ein geteerter Fußweg führt. Ein weiterer Höhepunkt beim mehrstündigen Rundgang ist der Agamon-See, auf dem viele Wasservögel rasten. Wem die gesamte Strecke zu anstrengend ist, der kann sich ein Rad mieten – oder noch bequemer ein elektrisches Golfwägelchen. Auch wenn man insbesondere zur besten Kranich-Beobachtungszeit in der zweiten Februarhälfte sowie Anfang März wegen der vielen Besucher keineswegs allein ist, ist dies doch ein einmaliges Erlebnis, das sich wirklich lohnt.

Ausreichend Beobachtungszeit sollte man allerdings mitbringen – auch beim Besuch des ganz in der Nähe gelegenen Hula-Naturreservats. Dort führt ein 1,5 Kilometer langer Rundweg zunächst am sumpfigen Gelände entlang zu einem Aussichtsturm und dann zu einem in den dortigen See hinausgebauten Steg, der parallel zum Ufer verläuft. Ausgestattet ist er streckenweise mit einem Sichtschutz, damit sich die Wasservögel von den Touristen nicht so gestört fühlen und sich ohne Scheu zeigen. Pelikane, Kormorane, Enten aller Art, vielleicht ein Eisvogel: Die Fülle an möglichen „Beobachtungstrophäen“ ist groß. Weitere Attraktionen sind die vielen Welse im Wasser, Sumpfbiber (Nutria) und das von Papyrus gesäumte Ufer.

Geier bei der Morgentoilette

Neben dem Vogelzug bieten sich gerade im zeitigen Frühjahr noch weitere Naturerlebnisse im Norden Israels an, etwa auf den zu dieser Jahreszeit grünen Golanhöhen. Im dortigen Gamla-Naturreservat bietet sich die Chance, Geier aus nächster Nähe zu beobachten – oder, wenn man früh genug unterwegs ist, bei der Morgentoilette in einer Steilwand auf der anderen Seite des spektakulären Tals des Gamla-Flusses. Auf dem Weg zum 51 Meter hohen Wasserfall am Ende des Tales wandert man durch ungestörte Natur und hat damit Gelegenheit, mit etwas Glück und einem scharfen Auge Insekten aller Art beobachten zu können, etwa eine Afrikanische Riesengottesanbeterin. Zudem sind hier viele Reptilien, Vögel sowie Afrikanische Wildesel zu Hause.

Auch an der Südgrenze Israels am

Roten Meer bieten sich zur Vogelzug-Zeit beeindruckende Beobachtungsmöglichkeiten. Bei gutem Reisewetter fliegen Greifvögel wie Steppenadler und – in beeindruckenden Zahlen – Falkenbussarde sowie unzählige Schwarz- und Weißstörche von Ägypten kommend nach Norden. Immer wieder nutzen die Vögel an geeigneten Stellen den „Aufwind-Aufzug“: Hier müssen sie nur die Flügel ausbreiten und sich von den aufsteigenden Winden in die Höhe tragen lassen – um dann im Gleitflug weiterzufliegen.