Reise

Leises Winterglück

Archivartikel

Im Fichtelgebirge wandert man auch im Schnee auf gut präparierten Wegen – beispielsweise auf dem winterlichen Qualitätswanderweg, der rund um den Ochsenkopf führt.

Die Bayreuther rufen im Winter hier im rund 20 Kilometer entfernten Bischofsgrün an und fragen, ob Schnee liegt“, erklärt Manfred Sieber. Der Naturführer ist Mitglied im Fichtelgebirgsverein, dem größten Wanderverein in Bayern, und begleitet Gruppen auf der knapp 19 Kilometer langen „Ochsenkopfrunde“– egal ob in Wander- oder auf Schneeschuhen. Schnee gebe es hier bis ins Frühjahr meist genug. Auch heute fallen dicke, weiße Flocken vom Himmel und verpassen der Natur ein weiße Haube.

Wer in Bischofsgrün mit der Wanderung beginnt, überquert als Erstes die Skipiste, auf der es heute Morgen ruhig zugeht. Ein paar geübte Skifahrer wedeln ins Tal und eine Gruppe Anfänger tastet sich den Hang hinab. Auffällig kurz sind ihre Ski. „Die örtliche Skischule setzt eine besondere Methode zum Erlernen des Skifahrens ein“, erklärt der Guide. Als Aushängeschild im Fichtelgebirge gilt die vom Deutschen Skiverband ausgezeichnete Skischule Nordbayern. Ihr als exzellent zertifizierter Qualitätsunterricht beruhe auf dem Prinzip der „ansteigenden Skilängen“ - ein in Bischofsgrün erfundenes und weltweit einzigartiges Lernverfahren. Dazu gehört beispielsweise der Grundsatz „vom Leichten zum Schweren“. In der Praxis bedeutet das die allmähliche Steigerung der Skilänge. Dadurch erreicht man eine Optimierung der Technik. Die Gruppe – bestehend aus Erwachsenen – scheint noch ganz am Anfang zu stehen, denn ihre Ski sind kaum einen Meter lang. Für die Wanderer geht es erst einmal hinauf, vorbei am Alpine Coaster, der Ganzjahresrodelbahn. An einer Abzweigung verlässt der Wanderführer den gelb markierten Winterwanderweg und stapft einen kleinen Pfad entlang, gesäumt von Steinen. „Bei uns stößt man immer wieder auf Felsblöcke“, sagt Manfred Sieber und zeigt auf die wild verstreut liegenden Gesteinsriesen. „Der Granit lässt mich nicht los“, befand schon Johann Wolfgang von Goethe, als er 1785 das Fichtelgebirge besuchte und in die Tiefen des erdgeschichtlichen Werdens einzudringen versuchte. Schon damals fielen ihm die unterschiedlichen Gesteinsformen auf, die die Einheimischen gern mit wunderlichen Namen wie Blockmeere, Felsenlabyrinthe und Wollsäcke benennen. Ganz in der Nähe befinden sich auch die Hügelfelsen: Granit-Felsburg und Naturdenkmal.

Immer wieder kreuzt die Strecke eine der zahlreichen Loipen, die ebenso wie der Winterwanderweg von nebenberuflichen Pistenbully-Fahrern aus den umliegenden Orten täglich präpariert werden. Es ist ganz still, nur das Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen begleitet die Wanderer auf dem Weg durch den einsamen Wald. Irgendwann wird es wieder lichter und das Freilandmuseum Grassemann kommt in Sicht. Bis ins 19. Jahrhundert beherrschte der einstöckige Holzbau die Region. Die Häuser waren mit Brettern verschalt und die Dächer mit Schindeln gedeckt. Das Schwärzer-Haus im Freilandmuseum ist ein Einfirsthof mit Wohnung, Stall und Scheune. Es wurde 1698 als Blockbau errichtet und blieb, fast unverändert, bis heute erhalten. Kurz darauf taucht die Talstation Süd im Örtchen Fleckl auf.

Ganz in der Nähe liegt das Naturmoorbad, das im Sommer für Spaß im Naturschlamm sorgt. Wer nicht die ganzen 19 Kilometer laufen möchte, hat viele Möglichkeiten, den Weg abzukürzen, um am nächsten Tag weiterzugehen. Mit der Seilbahn gelangt man von Fleckl über den Ochsenkopf zurück nach Bischofsgrün. Mit der Bahn geht es auch jetzt ganz bequem nach oben, wo Manfred Sieber erklärt: „Der Ochsenkopf ist 1024 Meter hoch und die zweithöchste Erhebung im Fichtelgebirge.“ Der Guide deutet zu den Wolken, die sich noch tiefer ins Tal geschlichen haben. „Der benachbarte Schneeberg ist knapp 30 Meter höher. Rund um seinen Gipfel ist Naturschutzgebiet, das tabu ist für Wintersportler.“ Der Gipfel lässt sich nur erahnen. Dafür bietet sich den Wanderern ein Schneeparadies. Das frisch gefallene Weiß hat ein wahres Winterwunderland geschaffen, in dem sich nur ein paar frische Tierspuren abzeichnen. „Auch die Fährten von Luchsen kann man hier finden“, sagt der Wanderfreund. Statt nach Schneespuren suchen die Wanderer erst einmal nach einem Platz im Gipfelrestaurant Asenturm, das sich hier oben befindet – umtanzt von weißen Flöckchen.