Reise

Mit dem Flieger ins Ungewisse

Ziel egal, Hauptsache, verreisen! Immer mehr Urlauber überlassen die Entscheidung fürs Urlaubsziel spezialisierten Anbietern. Das sogenannte Blind Booking nimmt Arbeit ab und sorgt für einen gewissen Kick.

Blind Booking entwickelt sich zum Trend. Immer mehr Anbieter tummeln sich in dem Markt mit Zufallsreisen, bei denen der Urlauber erst im letzten Moment erfährt, wohin es geht. Wir haben uns die wichtigsten Unternehmen angeschaut.

Einer der bekanntesten Blind-Booking-Anbieter ist Unplanned (www.unplanned.de). Bei den Münchnern wählt der Interessent zwischen den Paketen „Natur“, „City“ und „Offen für alles“. Danach erfolgt die Angabe eigener Interessen, etwa Kultur, Kulinarik oder Sightseeing. Im nächsten Schritt gibt der Buchende an, ob er mit Flugzeug, Bahn oder dem eigenen Auto reisen möchte. Es folgt die Abfrage von Personenzahl, Reisedauer und Budget, gewünschtem Flughafen für den Start und Reisedatum. Ebenfalls wichtig: die Einstufung der Urlauber als Paar, Freunde, Kollegen, Junggesellenabschied, Familie oder Flittertage. Wie bei fast allen Anbietern können zudem Ausschlussziele eingetragen werden; wer vor kurzem zwei Wochen in der Toskana verbracht hat, verhindert damit einen weiteren Aufenthalt in dieser Region. Unplanned übernimmt die komplette Planung und Organisation von der Anreise bis zum „Travelbook“ mit Insidertipps und Programmempfehlungen für den Aufenthalt.

Damit das Urlaubsziel möglichst lange geheim bleibt, informiert Unplanned nur den „Hauptbucher“ drei Tage vor der Abreise über das Wetter am Zielort – das erleichtert das Kofferpacken. Zwei kleine Haken hat der Unplanned-Service: Die Reisen müssen mindestens vier, besser noch zehn Wochen vor dem Abreisetag gebucht werden. Und das Vergnügen hat seinen Preis: Der beginnt bei 450 Euro pro Person.

So spannend ist das Segment der „geheimen“ Reisen, dass auch Fluggesellschaften auf diese Weise einen Teil ihrer Sitzplätze verkaufen. Das gilt zum Beispiel für den deutschen Branchenprimus mit Lufthansa Surprise (www.lufthansa-surprise.com) und für Eurowings Blind Booking (www.eurowings.com; Menüpunkt „Entdecken / Angebote / Blind Booking). Bei Lufthansa startet die Buchung mit der Auswahl eines Themas wie „Go East“, „Urban Adventures“ oder „For the Lovers“, hinter denen sich Zielflughäfen verbergen. Beim Buchen zeigt sich: Echte Schnäppchen sind die Flugangebote nur bei längerem Vorlauf. Hotel und sonstige Leistungen muss der Reisende selbst buchen und zusätzlich bezahlen.

Die Kosten sind relativ niedrig

Bei Eurowings heißen die Themen „Sonne und Strand“, „Shopping“ oder „Wandern und Natur“. Die Kosten sind relativ niedrig: „Mit Blind Booking haben Sie die Möglichkeit, spontan für günstige 33 Euro traumhafte Destinationen in ganz Europa kennenzulernen“, verspricht der Carrier. Nach Billigflieger-Manier muss aber zum Beispiel der Ausschluss einzelner Ziele mit fünf Euro pro Person und Ziel teuer bezahlt werden. Dann aber steht dem Aufbruch zu einem unbekannten Ziel nichts mehr im Wege – sofern Plätze verfügbar sind.

Wer sich nicht für ein Urlaubsziel entscheiden kann, der ist auch bei WowTrip (wowtrip.travel) richtig. Im Programm finden sich rund 30 europäische Städte von Alicante über Nizza und Porto bis Zürich. Gebucht wird zum Paketpreis inklusive Unterkunft. Wer mag, erfährt das Reiseziel erst am Flughafen. Wichtige Informationen wie Hinweise aufs Wetter gibt es jedoch bereits 48 Stunden vor dem Abflug über die Website des Anbieters.

Ganz ähnlich arbeitet Surp.Travel (surp.travel) aus der Schweiz. Die Eidgenossen geben sich noch ein bisschen verschwiegener als die Konkurrenz. So heißt es dort: „Welche Städte wir zur Auswahl haben, verraten wir natürlich nicht.“ Fest steht: Das Unternehmen hat eine Reihe europäischer Destinationen im Programm, in den gebuchten Paketen sind Flug und Hotel inklusive Frühstück enthalten. Spätestens eine Woche vor dem Abflug kann man sich das Reiseziel anzeigen lassen. Spannend ist es, den Umschlag erst am Airport zu öffnen.

Individueller geht es bei BBackSoon (bbacksoon.com) zu. Die Themenpakete werden hier zum Beispiel mit „b outdoors“ („Ich will raus in die Natur und brauche Bewegung an der frischen Luft“) oder „b relaxed“ („Ich möchte abschalten und mich von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen“) beschrieben. Die Startpreise reichen von 82 Euro für eine Übernachtung mit Frühstück bis 552 Euro für ein Paket mit Flug, Transfer, mindestens einer Übernachtung und Frühstück. Und wohin geht’s? „Entscheide selbst, ob du die Überraschung zu Hause oder erst kurz vor Abreise auflösen möchtest. Wie spontan bist du?“, fragen die Vermittler.

Und schließlich ist da noch Blookery (www.blookery.de). Hinter dem Service der Kölner steckt echte Handarbeit: Nach dem Eintragen der relevanten Daten wird eine Suchanfrage ans Blookery-Team übermittelt. Das stellt daraus – und anhand des zur Verfügung stehenden Budgets – eine Reise zusammen. Und wer es besonders aufregend machen möchte, der verrät seiner oder seinem Liebsten bis zum Schluss nicht, wohin es geht. Noise-Cancelling-Kopfhörer und verbundene Augen lassen den Reisenden bis zur Landung im Ungewissen. Sehr cool!