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Cortina d’Ampezzo rüstet auf für die Ski-WM 2021 – will seinen Retro-Charme aber behalten.

Die Pelzmäntel der Frauen in der Fußgängerzone Corso Italia sind oft bodenlang, die Sonnenbrillen groß und retro, die Hündchen auf manchen Armen so winzig, dass man sie in dem ganzen Fell kaum ausmachen kann. In der anderen Hand balancieren die Damen gerne Zigaretten an langen und edlen Spitzen. Dazwischen wuseln Menschen in bunter Funktionskleidung und klobigen Skistiefeln an den Auslagen der Boutiquen vorbei, die Pisten von Cortina d’Ampezzo sind nur ein paar Meter entfernt, aber darum scheint es hier nicht zu gehen. Was für ein Kontrast: Knapp 40 Kilometer entfernt liegt Sexten, klassisches Südtirol. Die Menschen dort sprechen Deutsch, Pelze sieht man eher selten, geraucht wird öffentlich auch kaum und in der Sauna muss man keine Badehose tragen. Aber nach ein paar Kilometern durch den Naturpark Drei Zinnen taucht man ein in die Provinz Belluno in Venetien. Gerade geht es noch über den Schluderbach, dann steht man im typischen Italien, obwohl die meisten hier Ladinisch können und es auch sprechen.

Cortina d’Ampezzo atmet tief den alten Charme eines alpinen Nobelorts. Flanieren und das Glas Prosecco auf der Sonnenterrasse sind mindestens so wichtig wie ein sauberer Carvingschwung im Hang. Die Zeit scheint hier irgendwie vor 25 Jahren stehengeblieben zu sein. Das sieht und spürt man auch in den Hotels, in denen man im Speisesaal noch bauchige Rotweinflaschen in Basthüllen findet und Serviettenetuis aus Kunstleder. Dabei hat die Stadt mit den drei rund um den Talkessel verteilten Skiarenen Faloria, Tofana und Cinque Torri/Lagazuoi alles, was Skifreaks brauchen. 38 Bergbahnen, 120 Kilometer Pisten und dazu auf der ehemaligen Olympiastrecke Tofana mit dem weltberühmten „Schuss“ zwischen den Felstürmen eine fordernde und landschaftlich atemberaubend schöne Strecke. Hier stürzen sich alljährlich auch die weltbesten Skifahrerinnen beim Weltcup mit Tempo 120 hinunter. Es geht natürlich auch langsamer, aber keinesfalls bedächtig. Bei 64 Grad Neigung ist nicht viel mit quer fahren. Man muss aber nicht in die Passage, es gibt eine Umfahrung.

Cortina heißt auch sehen und gesehen werden. Im Liegestuhl in der Sonne fläzen und bunte Drinks schlürfen muss schon auch sein. Aber das könnte sich ein wenig ändern. In den kommenden Jahren steht in den Dolomiten der Sport im Fokus: 2021 die alpine Ski-WM und 2026 lädt Cortina zusammen mit Mailand zu den Olympischen Winterspielen. Für die Frauen gibt es bereits die berühmte Weltcup-Strecke an der Tofana, die der Männer wird im März 2020 beim Weltcup-Finale eingeweiht.

Auch sie wird spektakulär, dafür steht schon der „Bauherr“. Gestatten: Kristian Ghedina, Skirennläufer von 1988 bis 2006, fünf Olympiateilnahmen, zwölf Weltcup-Siege in der Abfahrt, darunter 1995 auf der superschweren Streif in Kitzbühel.

Jetzt hat er die Männerstrecke mit entwickelt. Der 49-Jährige fährt heute noch Ski, als gäbe es kein Morgen. Den Blick in die Zukunft fordert er übrigens auch für seinen Heimatort Cortina.

„Die Erben der touristischen Gründer sind etwas träge, was die Modernisierung der Hotels angeht“, meint er. Aber das hat auch seinen Charme. Auf den Pisten ist das etwas anders: In den Hängen Cortinas stehen noch Lifte, „mit denen damals Toni Sailer bei seinem Olympiasieg hochgefahren ist“, sagt Ghedina. Das war 1956, als Cortina schon einmal Gastgeber der Winterspiele war. Gegen das, was 2026 auf den Ort zukommt, war Olympia 1956 aber nur ein besseres Sportfest.

Cortina d’Ampezzo wird sich also wandeln. Vom mondänen Winterziel mit ein bisschen Ski zum mondänen Skiort mit Liften und Pisten auf absolutem Topniveau. Ob das dem Flair schadet, muss man sehen. Es ist aber gut möglich, dass die Aufrüstung gar nicht auffällt und die Pelzdichte bleibt. Viele Gäste, die zur Wintersonne in die Dolomiten reisen, genießen die grandiose Kulisse mindestens so wie die Abfahrten. Auf der Terrasse den Blick über die Felstürme schweifen lassen, die sich in den blauen Himmel recken - das hat auch was. Ganz sicher.