Reise

Visby Die schmucke Hauptstadt der schwedischen Region Gotland war seit der Wikingerzeit ein Handelsknotenpunkt

Mittelalterflair in der „Stadt der Rosen“

Gotlands Hauptstadt Visby, was übersetzt Fischerdorf bedeutet, hat so einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Sie wird auch das Manhattan des Mittelalters genannt, erstmals vom bekannten Architekten Corbusier, und nicht ohne Grund ist sie seit 1995 Weltkulturerbe-Stadt.

Sie ist eine Hansestadt, wie sie im Buche steht, mit einem Hafen am Meer, einem von einer alten Stadtmauer umgebenen Altstadt, wo viele prächtige alte Handelshäuser und Gebäude aus dem Mittelalter erhalten sind, viele davon liebevoll restauriert. Aber auch viele Kirchen-Ruinen, Überreste des Mittelalters, altes Kopfsteinpflaster in der Oberstadt, Blumen hinter Butzenscheiben und romantische Hinterhöfe machen den Reiz dieser Stadt aus.

Seit der Wikingerzeit war Visby Knotenpunkt der Handelsrouten zwischen Byzanz, dem Schwarzen Meer und Westeuropa. Auch wenn Gotland nach den Wikingern zwischenzeitlich zu Dänemark und sogar zum russischen Zarenreich gehörte, ging der Wechsel anscheinend immer ohne allzu zerstörerische Kämpfe vonstatten, was der Stadt auch heute zugutekommt.

Die im 13. Jahrhundert zum Schutz gebaute und heute noch in beinahe einwandfreiem Zustand, rund 3,4 Kilometer lange Stadtmauer mit 29 Wachtürmen und der Visborg, von der nur noch eine Ruine geblieben ist, haben die Stadt erfolgreich geschützt. Sie zählt zu den am besten und auch am vollständigsten erhaltenen Stadtbefestigungen in ganz Europa.

In der Altstadt, in der noch rund 2000 der knapp 25 000 Einwohner Visbys leben, gibt es viele interessante Bauwerke zu bewundern, wie die Domkirche Sankt Maria, die Kirche der deutschen Kaufleute. Sie prägt mit ihren riesigen Türmen das Stadtbild und ist eines der Wahrzeichen. Aber auch die Kirchenruinen St. Karin und St. Nikolaus sind sehenswert. Beliebtes Fotomotiv sind die engen Gassen, in denen kleine Häuschen stehen, die von Rosen berankt sind und Visby zu der Bezeichnung „Stadt der Rosen“ verholfen haben.

Unter den alten Kaufmannshäusern an der Strandgatan springt vor allem die Gamla Apoteket, die Alte Apotheke, ins Auge. Weitere schöne Häuser stehen am Donners Plats, wo auch die Touristinfo in Visby zu finden ist. Einen Abstecher wert sind die Strandpromenade, der Park Almedalen zwischen Ostsee und Stadtmauer und der Hafen.

Selbst die Poller, die in einigen Altstadtgassen die Durchfahrt für Autos blockieren, haben ihren besonderen Reiz: Es sind Gotlandschafe aus Stein.

Alles zur ereignisreichen gotländischen Geschichte und der von Visby gibt es im Gotland Museum zu erfahren. Hier wird die Historie der Insel von den ersten Siedlern, der Wikingerzeit, der Schlacht im Jahr 1361, als Visby vom dänischen König Waldemar IV. Atterdag und dessen Armee erobert wurde, der Reformation, bis hin zum heutigen Gotland nacherzählt. Auch ein Silberschatz, den die Wikinger auf Gotland zurückließen, ist hier zu bestaunen.

Besonders beeindruckend sind die Bildsteine der Wikinger und ein 9000 Jahre altes, sehr gut erhaltenes Skelett. Auf jeden Fall sollte man sich für dieses Museum Zeit nehmen und am besten eine Führung mitmachen, die unterhaltsam und lehrreich ist ist.

Visbys einmalige Atmosphäre lässt sich nicht im Vorbeigehen erleben. Sie muss man auf sich wirken lassen. Am besten lassen sich die verwinkelten Gassen von Visby bei einem Spaziergang ohne Plan und ohne Ziel erkunden. Die vielen kleinen Cafés und Restaurants bieten jede Menge kulinarischer Köstlichkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Ein Tipp: Auf jeden Fall auch einmal die heimische Spezialität „Saffranspannkaka“ probieren. Dabei handelt es sich um eine Art gebackenen Reispudding mit Safran, garniert mit Sahne und einer Marmelade aus Salmbeeren, einer Verwandten der Himbeere, die nur auf Gotland wächst – ein Dessert, das süchtig macht.

Jedes Jahr im August findet eine Mittelalterwoche (auf Schwedisch Medeltidsveckan) in Visby statt. Dann kommt man sich vor, als wäre man mit einer Zeitmaschine mitten im Mittelalter gelandet. Dann ziehen Ritter und Minnesänger durch die kopfsteingepflasterten Gassen, preisen Marktleute ihr Handwerk, Schmuck und Stoff an. Überall Klänge mittelalterlicher Musik, und in vielen in mystisches Licht getauchten Kirchenruinen erklingen Konzerten mit mittelalterlicher Musik.

Trotz sommerlicher Temperaturen trägt kaum einer, auch unter den Besuchern, normale Kleidung, sondern mittelalterliche Gewänder, die für die Temperaturen im August schon fast zu warm sind.

In der bezaubernden Altstadt von Visby wird mit mittelalterlichem Jahrmarkt, Konzerten mittelalterlicher Musik, Ritterspielen und verschiedensten anderen Darbietungen Mittelalter gelebt. Die ganze Stadt ist ein lebendiges Museum und die Besucher aus allen möglichen Ländern sind dabei eher Mitwirkende, die hier Mittelalter feiern und nacherleben.