Reise

Outdoor Ost

Die slowakisch-polnischen Nationalparks Pieninen und Hohe Tatra bieten spektakuläre Natur – und viele Wege, sie zu genießen.

Die Natur im Osten Europas löst gemischte Gefühle aus. So beim Blick auf die Trzy Korony, auf die Drei Kronen. Kalkstein-Zacken, die wie Haifischflossen aus einem bewaldeten Berg herausbrechen – und gleich Gipfelsturm-Gefühle aufkommen lassen.

Zumal das ganze landschaftliche Drumherum äußerst reizvoll ist. Die Drei Kronen ragen hoch über dem breiten Strom des Dunajec auf, ringsum schirmen grüne Hügel diese Felsenburg ab.

Hier, an der Grenze zwischen Polen und der Slowakei, ist die Gegend so naturdominiert, wie man sich das ausgemalt hat. Aber: Hier leben auch Bären und Wölfe. Wenn da was passiert?

Eine Reise in den Osten Europas gilt manchen noch als eine Expedition ins Ungewisse. Schön zu sehen am Campingplatz in der Nähe der Drei Kronen: Da war ein ganzer Wohnmobil-Verband aus den Niederlanden angereist, der im Konvoi fuhr und auf dem Platz sich fast wie eine Wagenburg formierte – und für die Schritte außerhalb des Platzes einen einheimischen Führer angeheuert hatte.

Aber man kann sich auch trauen, allein loszugehen. Wie auf die Drei Kronen. Von Anfang an weckt eine neue und dichte Ausschilderung Vertrauen.

Tatsächlich wird es bald laut. Auf dem Weg, der sich in Serpentinen durch den dichten Wald zieht, läuft eine Klasse nach der anderen hoch - da ist eine ganze Schule unterwegs. Oben, an der Gipfelkuppe, steht sogar eine Kasse vor einer riesigen Metalltreppe, die auf den höchsten Kalkzacken führt. Der Wanderer, der sich so seine Gedanken über die menschenverlassene und bärenüberfüllte Einsamkeit gemacht hat, steht nun eine Viertelstunde im Stau.

Die Angst vor dem Alleinsein – unbegründet

Man kann also beim Aufstieg auf die Drei Kronen so einiges lernen. Vor allem, dass das polnisch-slowakische Grenzgebiet ein Wanderparadies ist. Schon weil tatsächlich die Zivilisation mit ihren Dörfern und Straßen noch so klein dimensioniert ist, dass sie sich der Natur unterordnet. Und weil das ganze Gebiet der Pieninen, die ein Teil des Karpatenbogens sind, schon seit 1932 geschützt ist – hier nämlich ist Europas erster internationaler Landschaftspark entstanden, aus dem mittlerweile zwei Nationalparks geworden sind.

Und wer ein bisschen die Alpinistenszene verfolgt, weiß, dass zu den ausdauerndsten Bergsteigern Polen und Slowaken gehören. Beide Länder sind enthusiastische Outdoor-Nationen, Wandern ist Volkssport. Es sind viele Leute unterwegs - auch auf dem Grenzfluss.

Der Dunajec legt hier einige wilde Schleifen hin, hat sich bis zu 300 Meter tief durch die Pieninen gefräst und ihnen auch ihren Namen gegeben. Etliche Stromschnellen lassen den Fluss weiß schäumen, und Schaum heißt auf Polnisch oder Slowakisch Piana oder Pena. Nur ein Fahrrad- und Wanderweg säumt über Kilometer die wirbelnden Wasser, auf denen an schönen Tagen Hunderte von Flößen unterwegs sind.

Das Dunajec-Tal ist ein Hauptort des slowakisch-polnischen Tourismus. Den anderen hat man schön von den Drei Kronen aus sehen können. Fast aus der Ebene wachsen über 2000 Meter hohe Felsmauern mit Schneekuppen in die Höhe – die Hohe Tatra, eines der kleinsten und faszinierendsten Hochgebirge.

Die Tatra, ebenfalls ein Nationalpark, ist gesprenkelt von Seen. Ein beliebtes Anlaufziel ist der smaragdgrüne Zelené Pleso. Man wandert ein langes Tal aufwärts, durch Hangwälder, die auch die Heimat von Hunderten der Tatra-Bären sind. Auch wenn sie als sehr scheu gelten – man ist doch wieder ganz froh um die vielen Mitwanderer, die so eine Art akustischen Schutzschild bieten. Der Zelené Pleso ist ein Kesselsee. Ringsum schießen die Felsmauern empor, direkt über dem See baut sich die Nordwand des Mal Kezmarsk stít auf, 900 Meter blanker Fels, mit Schneebändern durchzogen, von scharfen Graten begrenzt. Schlagartig beginnt hier das ernste Reich der Alpinisten. Über dem See steht, verlässlich wie immer in der Tatra, eine Hütte, hier die Chata pri Zelenom plese (Hütte am grünen See). Spektakulär ist das Panorama aus der Gaststube über den See: Die ganze Wand hat durchgehende Fenster. Dazu noch ein Palatschinken mit Beeren, direkt am Haus gesammelt – hier fühlt man sich behaglich wie in einer Lounge, will man gar nicht mehr weg - und wenn, um aufzubrechen zu weiteren von diesen Landschaftsperlen.