Reise

„Reisen entzünden Funken der Inspiration“

Archivartikel

Laura Malina Seiler ist eine der erfolgreichsten Podcasterinnen Deutschlands. In ihren Sendungen spricht sie darüber, wie das Leben trotz Krisen gelingen kann, und erreicht so Millionen Hörer. Welche Reise uns wirklich glücklich machen kann, sagt sie im Interview.

Frau Seiler, Sie waren drei Monate in diesem Jahr mit Ihrer Familie auf Reisen, vor allem auf Hawaii. Was hat Sie dort hingezogen?

Laura Malina Seiler: Auf Hawaii, genau Maui, gibt es einen der besten Windsurfspots der Welt. Mein Freund ist Windsurfer und es war immer ein Traum von ihm, dort mal zu surfen. Ich hatte schon als Kind den Wunsch, mal nach Hawaii zu fahren. Mich fasziniert die Kultur. Gerade Maui ist eine sehr spirituelle Insel mit einer unglaublich liebevollen Energie. Alles hat seinen eigenen, positiven Rhythmus. Es war wirklich ein Urlaub für die Seele.

Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Seiler: Ich habe erkannt, dass wir Pausen brauchen, um erfolgreich sein zu können. Wir denken ja häufig, dass wir nur arbeiten müssen. Aber sich Auszeiten und Pausen zu nehmen, ist genauso wichtig, denn in dieser Zeit kommen die meisten Inspirationen. Eine andere Erkenntnis war zu erleben, wie schön es ist, in andere Leben einzutauchen. Ich finde, jede Reise hilft dabei, sich vom eigenen Schubladendenken zu lösen und offen zu sein für Menschen und neue Lebensgeschichten.

In Ihrem Podcast sprechen Sie von den „Funken der Inspiration“, die eine Reise entzünden kann. Wie gelingt das?

Seiler: Ich schreibe ganz viel Tagebuch auf Reisen und besuche unterschiedliche Orte. Sich bewusst für etwas zu öffnen, was man von zu Hause nicht kennt, finde ich wichtig. Neue Möglichkeiten zu sehen, das eigenen Leben zu gestalten, Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen. Zu Hause sind wir ja oft eingeschränkt, weil wir jeden Tag das Gleiche sehen und das Gleiche machen. Auf Reisen erfahren wir, wie wir auch leben könnten.

Sie haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass Reisen eine Flucht sein kann. Warum?

Seiler: Bei mir war es so, dass ich mich viele Jahre nicht in mir selbst zu Hause gefühlt habe. Ich dachte damals, dass es daran liegt, dass ich da, wo ich bin, nicht zu Hause bin. Deshalb bin ich auf fast jeden Kontinent gereist, habe in ganz vielen Ländern gelebt, in der Türkei, in den USA, in Spanien, Bolivien und Venezuela. Ich war immer auf der Suche nach dem Gefühl, wirklich anzukommen. Ich dachte, ich finde es, wenn ich den Ort wechsle oder weit weg reise. Dass ich dann keine Einsamkeit und Angst mehr fühlen würde. Irgendwann habe ich festgestellt, dass kein Ort der Welt dieses Gefühl ändern kann, sondern dass das etwas ist, was wir nur in unserem Inneren ändern können.

Wie ist Ihnen das klar geworden?

Seiler: Ich hatte immer eine große Freude zu reisen, neue Kulturen und Sprachen kennenzulernen. An meinem 23. Geburtstag habe ich meinen Vater besucht. Er sagte mir, dass er sich wünscht, dass ich es schaffe, für mich ein schönes Zuhause aufzubauen. Das war der Moment, der mir die Augen geöffnet hat. Ich bin dann nach Berlin gegangen und habe begonnen, mir ein Zuhause aufzubauen.

Wie haben Sie das geschafft?

Seiler: Als Erstes musste ich ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ich ständig unterwegs sein will. Häufig machen wir ja Dinge und denken, so ist halt unser Leben. Wir verstehen gar nicht, dass es unbewusste Muster sind, die uns zu einem bestimmten Verhalten veranlassen. Ich spürte, dass mein Vater recht hat. Bis zu diesem Moment war ich nur äußerlich gereist, indem ich meinen Körper irgendwo hingebracht habe. In Berlin habe ich dann eine innere Reise gestartet. Habe angefangen zu meditieren und hinzuschauen, wo ich seelische Verletzungen habe, wem ich vergeben muss. Und ich habe angefangen, mir Fragen zu stellen. Was will ich mit meinem Leben machen? Wer möchte ich sein? Was möchte ich beitragen und verändern? Diese Reise zu mir selbst dauert seit zehn Jahren.

Kann man sich in der Fremde leichter finden und weiterentwickeln?

Seiler: Ich glaube, zu Hause ist der beste Ort, um auf seine Probleme aufmerksam zu werden. Denn egal, wo wir hingehen, wir nehmen unsere Probleme immer mit. Wir können sie letztlich aber nur im Inneren lösen.

Und wie?

Seiler: Indem man sich das bewusst macht und sich eingesteht, dass das mit einem selbst etwas zu tun hat. Selten haben unsere Probleme etwas mit dem Hier und Jetzt zu tun, sondern meist mit unserer Vergangenheit. Es gibt noch etwas zu heilen, vielleicht eine Erfahrung mit unseren Eltern, aus der Kindheit oder Schulzeit. Ich besuche deshalb auf meinen Reisen immer auch Heiler und Coaches, weil die innere Reise, das persönliche Wachstum, ja nie aufhört.

Muss sich jeder auf diese innere Reise begeben?

Seiler: Nein, aber ich sage es mal so: Wenn wir ein Leben in Frieden wollen, in tiefer Verbindung mit den Menschen um uns herum, dann führt kein Weg daran vorbei, dass wir in uns selbst aufräumen.

Brauchen wir die Impulse einer Reise, um für diesen Weg bereit zu sein?

Seiler: Es kann sein, dass eine äußere Reise den Impuls für eine Reise nach innen auslöst. Weil wir beispielsweise jemand treffen, der uns inspiriert. Ich war in Südafrika zehn Tage lang in einem Meditations- und Schweige-Retreat, das hat mir unglaublich gutgetan. Aber am Ende kommst du natürlich immer nach Hause. Dann zeigt sich, ob sich wirklich was verändert hat.

Eignen sich dafür manche Länder eher als andere?

Seiler: Ich glaube, dass es Länder gibt, die spiritueller als andere sind, zum Beispiel Indien, Bali oder auch Maui. Es gibt Orte, wo eine andere Energie herrscht und wo etwas anderes mit einem passiert. Am Ende ist es aber egal, wo wir sind. Entscheidend ist die Intention, mit der wir reisen. Wenn das Ziel ist, sich persönlich weiterzuentwickeln, kann es helfen, sich geeignete Orte zu suchen. In den USA gibt es beispielsweise ganz viele Zentren für die persönliche Weiterentwicklung.

Wohin zieht es Sie als Nächstes?

Seiler: Meine nächsten Ziele sind Kapstadt, ein sehr inspirierender Ort, und noch mal Maui.