Reise

Nepal Das Mekka für Hochgebirgsbergsteiger ist auch für Weitwanderungen nicht zu verachten

Schön sind die Berge auch von unten

Archivartikel

Nepal ist ein Mekka für Hochgebirgsbergsteiger. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Achttausender wie hier. Trotzdem ist das Land nicht nur ein Reiseziel für Extremwanderer. Man kann die Bergwelt des Himalayas auch auf einfachen Pfaden erleben.

Wandern in Nepal und trotzdem keine Berge besteigen – geht das überhaupt? Die Wandergruppe jedenfalls hat wenig ambitionierte Ziele. Man ist zwar im Himalayagebiet unterwegs, hinauf auf einen der hohen Berge will aber keiner. Vor den Wanderern liegt der 8091 Meter hohe Annapurna, der zehnthöchste Berg der Welt und einer, der am schwersten zu besteigen ist. Jeder Dritte, der sich auf den Weg Richtung Gipfel macht, kommt nicht mehr zurück. Doch auch der Blick von unten ist imposant genug.

Der Track stellt keine besonderen bergsteigerischen Anforderungen. Trotzdem: Die Anstiege bringen jeden gehörig ins Schwitzen. Da ist es gut, dass die Gruppe Nurbu und Suku dabei hat, zwei junge Träger, die das Gepäck die Hänge hinaufschleppen. Erst binden sie je zwei Rucksäcke mit Bändern zusammen, um sie dann mit einem Art Band am Kopf anzulegen. Sie studieren in der Hauptstadt Kathmandu und für sie ist das Tragen von Touristengepäck ein Ferienjob, wie für deutsche Jugendliche das Kellnern in einem Szenecafé.

Das Matterhorn Asiens

Jeder Berg im Blickfeld ist höher als 6000 Meter und übertrumpft damit den Mont Blanc und den Elbrus, die Könige der europäischen Berge, bei weitem. An den Heimatkontinent erinnert auch der Machapuchare, denn der fast 7000 Meter zählende Gigant sieht aus wie eine XL-Ausgabe des Matterhorns.

Die Einheimischen nennen ihn wegen seiner Silhouette „Fischschwanz“ und verehren ihn als Sitz des „Buddhas des grenzenlosen Lichts“. Noch niemand hat den Machapuchare bestiegen, seit 1964 ist das aus religiösen Gründen auch offiziell verboten.

Das Gerücht, dass der Neuseeländer Bill Denz zu Beginn der 1980er Jahre illegal zum Gipfelsturm aufgebrochen sein soll, lässt sich nicht mehr nachprüfen. Denz verunglückte bei einer anderen Bergexpedition in Nepal 1983 tödlich. Die Einheimischen glauben, Denz habe am Machapuchare einen Fluch auf sich geladen.

Beeindruckendes Schauspiel

Vier Tage führt die Wanderung an der Bergkette entlang. Immer wieder schieben sich Wolken vor die Gipfel. Als öffne jemand einen riesigen Bühnenvorhang, hebt sich die Wolkendecke so schnell, wie sie gekommen war. Der schnelle Wetterwechsel ist ein beeindruckendes Schauspiel. Für einen Bergsteiger beim Aufstieg kann ein solcher Umschwung dagegen nicht nur über den Gipfelerfolg, sondern auch über Leben und Tod entscheiden.

Gebetsfahnen grüßen

Am Morgen kriecht die Sonne langsam über die Berge. Beleuchtet erst die Gipfel und klettert dann Meter für Meter die schneebedeckten Hänge hinunter ins Tal. Von dort wiederum steigen monotone religiöse Gesänge hinauf in die Höhen. Laut zwitschernde Vögel scheinen die Gläubigen unterstützen zu wollen, ein einzelner Hund beginnt den Tag mit verschlafenem Bellen.

Überall wo man hinkommt, grüßen Gebetsfahnen – in bunten Farben flattern sie im Wind. Dadurch werden, so der Glaube der Nepalesen, die Gebete, die auf ihnen abgedruckt sind, in den Himmel getragen. Die Erwachsenen begrüßen freundlich und mit breitem Lachen. „Namaste“ ruft man uns entgegen. Die Kinder sind offenbar besser mit Fremdsprachen vertraut. „Chocolate“, lautet ihr Ruf. Und weil darauf ebenfalls ein breites Lächeln folgt, sind viele Wanderer freigiebig.

Doch davor warnt Christian Hlade, der Besitzer des österreichischen Reiseunternehmens Weltweitwandern und erfahrener Weltreisender. Er empfiehlt, bettelnden Kindern eine freundliche, aber bestimmte Abfuhr zu erteilen.

„Die Kinder profitieren nicht von unseren Almosen. Kinder gehen in stark von Touristen besuchten Gegenden oft deshalb nicht mehr zur Schule, weil sie mit dem Betteln mehr verdienen als ihre hart arbeitenden Eltern. Das Einkommen endet aber, wenn sie keine süßen Kinder mehr sind und dann ganz ohne Schulbildung dastehen.“ Hlade rät deswegen, lieber Bildungsprojekten im Land finanziell unterstützen oder Kinderpatenschaften zu übernehmen.

Das Lachen bleibt

Nach knapp einer Woche geht es nach Kathmandu zurück. In der nepalesischen Hauptstadt löst der Lärm der Autos das Zwitschern der Vögel ab und der Gestank der Abgase ist an die Stelle der klaren Bergluft getreten.

Geblieben ist aber das Lachen auf den Gesichtern der Menschen, wenn sie mit einem freundlichen „Namaste“grüßen.