Reise

Jasper Nationalpark Das Skigebiet in der kanadischen Arktis ist als Winterreiseziel auch perfekt für Sternengucker

Spektakuläre Wände aus gefrorenem Eis

Winterkanada ist als Reiseziel für Pulverschneefans weltweit bekannt. Im Jasper Nationalpark kann man aber noch weit mehr, als nur ins Tal hinunter wedeln.

Die Dickhornschafe zeigen ihre weißen Hinterteile. Gemächlich marschieren sie über die Straße, begleitet vom Klicken der Touristenkameras. Dann geht es mit Anlauf den Steilhang auf der anderen Straßenseite hinauf. Jasper im Frühwinter.

Der zum UNSECO Weltnaturerbe zählende kanadische Nationalpark, der vier Fahrstunden westlich von Edmonton liegt, wartet auf die ersten Wintergäste. Die Bergspitzen sind schon mit einer weißen Glasur überzogen, der Athabasca River versteckt sich unter einer Eisschicht.

In den Lodges ist man bereit fürs Wintergeschäft. Das sieht hier ein wenig anders aus als in anderen kanadischen Skigebieten, in denen es vor allem um die schnelle Fahrt den Berg hinab geht. Gut, auch hier kann man in perfektem Pulverschnee seine Spuren ziehen. Nur 20 Kilometer vom Hauptort Jasper entfernt – Stadt und Nationalpark teilen sich den gleichen Namen – liegt das Skigebiet am Marmot Basin. Obwohl es dort Dutzende von Abfahrten gibt, zählt es doch zu den kleineren im Land. Aber Jasper ist ohnehin weit mehr als ein Winterreiseziel für Skifanatics.

Magische Kunstwerke

Drunten im Tal steigt man, unter den aufmerksamen Blicken eines Guides, in den Maligne Canyon hinab. In dem rinnt von Frühjahr bis Herbst das Wasser die Felsen hinab. Im Winter erstarrt es zu magischen Kunstwerken. Die Säulen aus Eis locken Kletterer an, die mit dem Pickel in der Hand und am Seil gesichert die Wände aus gefrorenem Wasser hinaufklettern. Spektakulär und wagemutig sieht es auch aus, wenn sie die Eiswand bezwingen. Manch einem aber genügt die Wanderung am Grund der engen Schlucht. Beim Fatbiking kommt man gehörig ins Schwitzen. Die dicken Reifen geben zwar auf dem rutschigen Wegen besseren Halt, gleichzeitig scheinen sie aber auch eine eingebaute Bremsfunktion zu haben. Obwohl die Bergpfade gar nicht so steil wirken, klettert man sie nur im Schneckentempo bergan.

Durchgeschwitzt kehrt man ins „Evil Dave’s Grill“ ein. Hier ist der Name Gott sei Dank nicht Programm. Nach dem herzhaften Essen, zu dem natürlich, wie in Nordamerika üblich, Burger im XXL Format gehören, geht es hinaus zum Dark Sky Preserve. Lichtschutzgebiete, so auch dieses, sind Regionen fernab künstlicher Beleuchtung, in denen nachts der Himmel besonders dunkel ist. Das ist perfekt für Sternengucker. Hier können sie viel Funkelndes am Firmament entdecken. Dunkel ist es zwar überall in der kanadischen Wildnis. Bei Jasper schaut man aber nicht nur in den Himmel hinauf. In dem kleinen Planetarium lernt man einiges über den Lauf der Sterne, draußen gibt es fachkundige Hinweise für den richtigen Blick durchs Fernrohr. So finden auch Anfänger Sternbilder am Himmel, entdecken den roten Mars oder staunen über die Ringe des Saturns. Hobbyastronomen sollten sich aber warm anziehen. Die Nächte in der kanadischen Arktis sind kalt und wer nicht schlotternd am Fernrohr stehen will, braucht Daunenjacke, warme Schuhe und vor allem gute Handschuhe.

Mehr als 100 Gletscher

Rund um Jasper gibt es aber noch genug irdische Schönheiten – zum Beispiel eine der schönsten Straßen des Landes, den Icefields Parkway. Der führt bis nach Lake Louise. Wer die ganze 230 Kilometer lange Strecke zurücklegt, kommt an mehr als 100 Gletschern vorbei. Schon der 30 Kilometer lange Ausflug zu den Athabasca Falls führt durch eine magische Bergwelt. Der 23 Meter hohe Fall, der im Sommer vor allem wegen der Wucht des Wassers imponiert, bietet im Winter ein Eisspektakel, das seinesgleichen sucht. Wer sich auf den Ausflug zum Wasserfall beschränkt, ist bald wieder in der Stadt zurück und kann dort im Restaurant der Jasper Brewing Company mit „Selbstgebrautem“ seinen Durst stillen. Mikrobrauereien gibt es in Kanada zwar nicht nur hier – besonders das nahe gelegene Edmonton ist für seine Bierkultur bekannt. Trotzdem darf man in Jasper auf einen kleinen Weltrekord stolz sein. Nirgends sonst existiert eine Brauerei, die auf dem Gebiet eines Nationalparks liegt.