Reise

Thessaloniki statt Athen

Griechenland

Ah, du willst zunehmen . . .?“ Oder: „Was willst du denn bei den Armen da oben?“ Wer nach Thessaloniki reist, darf mit reichlich Begleitsprüchen rechnen. In Athen und anderen südlichen Teilen Griechenlands blicken die Menschen gerne mit einem Mix aus Neid (wegen des guten Essens in Thessaloniki) und Überheblichkeit auf die mit 325 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes.

Thessaloniki liegt auf den ersten Blick da, als umarme die Stadt ihre blaue Bucht: wie ein ausgebreiteter, scheckiger Poncho wirken die Viertel – eng miteinander verwachsen und durchzogen von einem kaputten Reißverschluss in Form der geschleiften Stadtmauer, die sich hoch bis ins alte Kastra-Viertel windet.

Dieses Vogelperspektiven-Panorama ist abends ein 1-a-Selfie-Sonnenuntergangsspot. Start-, Treff- und Endpunkt für Stadtbummler ist der Aristoteles-Platz: eingerahmt von schneeweißen Boulevardfassaden, gelüftet mit frischer Seebrise und gesäumt von sonnengegerbten Taubenfütterern.

Drum herum Thessalonikis Tiefparterre – mit spannenden, unterirdischen Spaziergängen durch verschiedene Epochen. Denn Kirchen wie Agios Dimitrios und Panagia Acheiropoietos sind auf antiken Bädern erbaute, bis heute begehbare, oft reich verzierte Gewölbe mit konservierten Mosaiken, Taufbecken und Säulen.

Abends chillt man in Hollywoodschaukeln und Sitzsäcken an der Straße Iktinou – bei einem musikalischen Mix aus Sirtaki und Samba und bestem Blick auf die Nomaden der Nacht: Scharen der 120 000 Studenten stromern mit Flaschenbier vorbei, bringen Thessaloniki klönend und lachend, singend und tanzend auf Betriebstemperatur.

Zum Thema