Reise

Gotland Malerische Fischerdörfer und atemberaubende Landschaften auf Schwedens größter Insel

Versteinerte Wächter an der Küste

Archivartikel

Gotland – wer es kennt, bekommt einen träumerischen Blick. Die Region verzaubert mit ihren atemberaubenden Landschaften, den malerischen Fischerdörfern und der mittelalterlichen Hauptstadt Visby.

Die größte Insel Schwedens, rund 50 Kilometer östlich des schwedischen Festlandes und etwa 150 Kilometer Luftlinie südlich von Stockholm, hat 800 Kilometer Küste. Fast die Hälfte der rund 59 000 Einwohner wohnen in Visby – und Schafe gibt es auf Gotland weit mehr als Einwohner. Neben wunderschönen unterschiedlichen Landschaften hat die Ostseeinsel auch viel Kultur und Geschichtliches zu bieten.

Viel Sonne, gemäßigte Temperaturen und im Sommer wenig Regen. Klingt eher nach Süd- als Nordeuropa? Tatsächlich wachsen in manchen Gärten der Insel Aprikosen, Mandeln und Feigen. Selbst Trüffel gibt es hier zu finden. So kommen jeden November während des jährlichen Trüffelfestes hunderte Liebhaber und Genießer des edlen Pilzes aus aller Welt.

Zehn Kilometer von der Unesco-Welterbestadt Visby mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer entfernt liegt Högklint. Die Klippen dort bieten eine traumhafte Aussicht aufs Meer und auch auf die Steilküste bis nach Visby. Nicht weit davon entfernt, bei Tofta, erstrecken sich kilometerlange Strände, wie sie auch an vielen anderen Stellen der Insel zu finden sind. Nur im Juli und August sind die Strände, wie auch die Insel überhaupt, recht voll. Sonst sind meist nur wenige Menschen an den Stränden und man findet hier Ruhe, um Abschalten zu können, ganz allein mit den eigenen Gedanken und den Naturgewalten von Meer und Wind.

Bizarre Felsengebilde

Diese Naturgewalten, die die Wellen der Ostsee gegen die Küste peitschen lässt, hat die für Gotland so typischen Raukar entstehen lassen, bizarre Kalksteinfelsen, welche wie versteinerte Wesen an vielen Orten entlang der Küste scheinbar die Insel bewachen. Ausgewaschen und geformt durch Wind und Salzwasser sind sie entstanden. An manchen Orten sind ganze Ansammlungen von Raukar zu finden, sogenannte Rauk-Felder. Ein schöner Rauk steht an der Südwestspitze in Hoburgen, was auch ansonsten ein faszinierender Ort für Spaziergänge am Strand ist, entlang und über die Klippen. Auf dem Weg nach Hoburgen sollte man auf jeden Fall einen Zwischenstopp in Burgsvik einlegen und die Kunsthalle und den Skulpturenpark Körsbärsgarden besichtigen. Diese private moderne Kunstsammlung ist wirklich sehenswert. Im Café laden die selbst gemachten Kuchen zur Pause ein.

Malerisch sind die Fischerdörfer, die überall an den Küsten zu finden sind. Einige der Fischerhütten sind rot gestrichen, andere unauffällig braun-grau. Manche aus Holz, andere aus Stein. Ungefähr 150 solcher Fischerdörfer soll es über Gotland verteilt geben. Viele stehen unter Denkmalschutz und manche Hütte beherbergt inzwischen auch einen Souvenirshop. Kovik an der Westküste, nördlich von Klintehamn, ist besonders sehenswert – ein echter Foto-Hotspot mit seiner Reihe rot-gestrichener Holzhäuser und einem kleinen Kirchlein entlang des Wassers.

Megalithische Zeitzeugen

Nicht wenige Touristen besuchen Gotland wegen seiner megalithischen Zeitzeugen der Bronze- und Steinzeit, wie Gräber, Fluchtburgen und Schiffssetzungen. Meist muss man sie suchen, liegen sie doch oft versteckt im Wald. Aber manche befinden sich auch leicht zugänglich, wie das Steinhaufengrab bei Bro oder die 29 Meter lange Schiffssetzung bei Gannarve vor Fröjel.

Beeindruckend ist das recht versteckt liegende Gräberfeld Trullhalsar bei Anga. Diese Ansammlung von etwa 350 Gräbern, Steinsetzungen und Steinkreisen inmitten eines Waldes strahlt eine Ruhe und mystische Stimmung aus, die berührt.

Wer auf Gotland ist, sollte auch Farö, die Insel im Norden Gotlands besuchen. Von Farösund, dem nördlichsten Ort des Eilands, setzt man mit der kostenlosen Autofähre das kurze Stück über. Typisch für Farö sind reetgedeckte Steinhäuser, die einsam in der Landschaft stehen, genauso wie die nostalgischen Windmühlen.

Einen breiten weißen Sandstrand mit Dünen gibt es im Süden bei Sudersand. Ein weiterer Strand liegt quasi gegenüber im Norden von Farö in der Bucht Ekeviken. Und auch einer der schönsten Leuchttürme Gotlands ist dort zu finden, der weiß gestrichenen Farofyr an der Ostspitze der Insel.

Vielleicht hat sich der berühmte schwedische Regisseur Ingmar Bergman gerade wegen der besonders faszinierenden Raukar von Langhammars oder der Naturlandschaft in Farö verliebt. So zog er von Stockholm nach Farö und wohnte hier bis zu seinem Tod im Jahr 2007. Heute gibt es in seinem ehemaligen Wohnhaus ein kleines Museum, das ihm gewidmet ist. Viele Drehorte seiner Filme und Serien befinden sich dort, die wie auch sein Grab viele Besucher anziehen. Auch Håkan Nesser lebt auf einer kleinen Insel vor Gotland, den Furillen. Und mit etwas Glück kann man ihn vielleicht sogar in Visby treffen, wo er oft unterwegs ist.

Zu Besuch bei Pippi Langstrumpf

Eine ganz andere Berühmtheit ist die Romanfigur Pippi Langstrumpf, das „stärkste Mädchen der Welt“. In der Nähe von Visby steht die Villa Kunterbunt oder Villa Villekulla, wie sie auf Schwedisch genannt wird. Pippis farbenfrohes Zuhause ist allerdings hinter dem Zaun des Freizeitparks Kneippbyn versteckt. Für Kinder ist der Besuch ein tolles Erlebnis.