Reise

Obertauern im Salzburger Land Ein beliebter Skisportort, der keinen Schneemangel kennt / Selbst die Beatles haben ihre Spuren hinterlassen

Vom Bett direkt auf die Piste

Archivartikel

Ein kleiner Ort, ringsherum ein ausgedehntes Skigebiet und dazu Schnee in Massen – das ist ohne Zweifel Obertauern. Eine Million Übernachtungen zwischen November und April sprechen für sich. Dieser Wintersportort, zwischen Gamsleitenspitz (2357 Meter) und Seekarspitz (2350 Meter) gelegen, ist in.

Raus aus dem Auto und hinein ins Vergnügen ist hier immer möglich, aber die meisten buchen länger – zu Recht. Etwa 150 Unterkünfte aller Kategorien warten mit 9500 Gästebetten. Von denen fällt es sich jeden Morgen aufs Neue sehr weich auf die rund 100 Kilometer bestens präparierten Pisten in direkter Nachbarschaft. Vom Bett auf die Piste und zurück ist also jederzeit möglich. Dazwischen noch etwas Après-Ski. Eine runde Sache für alle, die spannende Abfahrten, fantastische Ausblicke, urige Hütten und die gute Bergluft lieben.

Wohl dem, der sein Auto in einer Tiefgarage abstellen kann, denn es könnte ihm hier sonst passieren, dass er es nach ein paar Tagen erst suchen und dann freischippen muss. Ein wertvoller Tipp dazu von Tourismusdirektor Mario Siedler: „Man sollte immer am Kennzeichen mit dem Freischaufeln beginnen, nicht an der Fahrertüre, denn es ist bei uns (lacht) schon öfters vorgekommen, dass die Leute mühsam stundenlang das falsche Auto freigelegt haben.“

Nicht ohne Grund wird Obertauern im Salzburger Land, knapp 500 Kilometer und fünfeinhalb Autostunden (über München und Salzburg) von Bad Mergentheim entfernt, als die „Schneeschüssel Österreichs“ bezeichnet. Dass man der schneereichste Wintersportort in der Alpenrepublik ist, ist jetzt auch wissenschaftlich belegt. Seit 108 Jahren werden Aufzeichnungen über Schneehöhen vorgenommen. Tourismusdirektor Siedler erzählt: „Das wurde nun mit anderen Skiorten verglichen und herausgefunden, dass wir im Durchschnitt 2,64 Meter Schneehöhe haben und damit mit weitem Abstand an der Spitze bei den Wintersportorten liegen. Diese belegte Schneesicherheit ist ein ganz wichtiger Faktor für uns und unsere Gäste.“

Aber es bedeutet auch viel Arbeit. Die Zufahrten zum Ort, der in den Radstädter Tauern zwischen 1639 und 2526 Meter Seehöhe rund um die Passhöhe des Radstädter Tauernpasses zwischen Untertauern (Pongau) und Tweng (Lungau) liegt, müssen frei gehalten werden, die Pisten täglich gesichert und vorbereitet werden und das Ortsgebiet für die Gäste befahr- und begehbar gehalten werden.

Da kann es schon mal im Januar vorkommen, dass auf’m Berg knapp drei Meter Schnee liegen und im Tal immerhin noch 1,90 bis 2,20 Meter, und dass mit Radladern und Lastwagen der Schnee aus dem Ort geräumt werden muss. Nur für das Ortsgebiet sind laut Siedler allein fünf Leute im Einsatz. Da sieht der neugierige Beobachter auch mal eine „richtig große“ Schneefräse in Aktion.

Und wohin mit der weißen Pracht in Hülle und Fülle? Ein paar Hundert Meter außerhalb des Ortes, Richtung Tweng, gibt es einen tiefen Graben, der über den Winter „zum kleinen Gletschergebiet wird“, so Siedler schmunzelnd, und sich mit vielen Tausend Kubikmetern Schnee, bis zu 50 Meter hoch aufgetürmt, langsam füllt.

Das Skigebiet selbst füllt sich täglich– mit Anfängern, Fortgeschrittenen und Draufgängern gleichermaßen. Es bietet Platz für alle. 26 Liftanlagen schaffen es rund um Obertauern bis zu 50 000 Personen pro Stunde zu befördern und alle Pisten von einfach (rund 60 Prozent), über mittel (35 Prozent) bis zu schwierig (schwarzen Abfahrten) bequem zu erreichen. Die Piste entlang der Sesselbahn „Gamsleiten 2“ ist dabei die zweitsteilste Piste in Österreich.

Besonders beliebt ist die Tauernrunde. Man kann im Uhrzeigersinn (rote Runde) oder gegen diesen (grün) das Skigebiet auf seinen Brettern erkunden bis man wieder am Ausgangspunkt ist. Die Liftanlagen und die Abfahrten sind entsprechend angelegt.

Neu in der Saison 2017/18 ist nun die Kindertauernrunde, abgestimmt auf Können und Kondition der jungen Skifahrer. „Das kommt sehr gut an“, weiß Tourismusdirektor Siedler zu berichten, „denn so werden die Kinder und Jugendlichen auch stärker motiviert stets das nächste Ziel anzupeilen und zu schauen, wo es weiter geht“. Auf den skibegeisterten Nachwuchs warten aber auch noch ein Funpark, eine Zeitmessstrecke, eine Wellen- und eine Geisterbahn – natürlich zum Durchfahren – und die Gummibärchenschlucht.

Wer die sieben höchsten Punkte im Skizirkus Obertauern kennenlernen möchte, dem werden unter dem Motto „Super Seven“ selektive Abfahrten an der Seekareck-, Panorama-, Hundskogel-, Plattenkar-, Schaidberg-, Gamsleiten- II und Zehnerkarbahn geboten – mit beeindruckenden Ausblicken. Zum Après-Ski trifft man sich gerne in der Edelweißhütte oder in der Lürzer Alm. Wenn der DJ am frühen Nachmittag beginnt aufzulegen, steigt das feierfreudige Publikum schnell auf die Tische.

Für einen guten Mittagspausen-Einkehrschwung sei übrigens die sehr gemütliche Achenrainhütte empfohlen. Drei Freunde bieten hier leckere Schmankerln an.

Unbedingt probieren sollte man auch unterhalb der Zehnerkarspitze (2381 Meter) eine Gamsmilch in der gleichnamigen Bar – Obertauerns Antwort auf Jagertee und Glühwein. Ein Drink aus Kakaopulver, aufgeschäumter Milch – und Rum, serviert mit der augenzwinkernden Behauptung: „Gamsmilch macht die Buckelpisten flach.“

Breite Pisten zum Carven

Breite Pisten zum Carven, aber auch traumhafte Tiefschneehänge begeistern Skifahrer wie Snowboarder in Obertauern. Es gibt einen attraktiven Snowpark mit 40 Elementen auf drei Pisten mit drei Kilometern Gesamtlänge. Ein besonderes Erlebnis ist noch der Nachtskilauf. Geboten werden ebenso märchenhafte Schneewanderungen oder Skitouren. Langlaufloipen von sechs bis zu 23 Kilometer stehen zur Verfügung, dazu locken eine Pferdeschlittenfahrt, Snow-Biken und das immer beliebter werdende Snow-Kiten.

Oder wie wär’s mit einem Foto mit den Beatles. Die britische Beatband produzierte 1965 einen Teil ihres Films „Help“ in Obertauern und gab hier ihr einziges Konzert in Österreich. „Vorher waren wir der Geheimtipp in Österreich und Bayern, dadurch wurden wir international bekannt“, sagt Tourismusdirektor Mario Siedler nicht ohne Stolz und verweist auf das überlebensgroße Denkmal, das an den Besuch der Pilzköpfe erinnert.

Sind im Winter in Obertauern 2500 Mitarbeiter zusätzlich aus allen Herren Ländern beschäftigt, den Gästen einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen, unter anderem im Hotel Perner, so wird es ab Mai ruhig auf der Höhe.

„Es wird viel geschlafen, alle müssen mal durchatmen, Kraft tanken, die Lifte stehen still und man könnte wohl fast unbemerkt nackt durch den Ort laufen“, erzählt lächelnd Tourismusdirektor Siedler, der abschließend betont, dass man vor Ort auch stolz auf die eigenen Strukturen ist. Hier seien nur Hoteliers und Unternehmen aus der Region aktiv, keine fremden Hotelketten. dieser Umstand spiegele sich auch in der Wertschätzung der umgebenden Natur und dem gemeinsamen Engagement für den Ort wider, so dass man zusammen erfolgreich sein könne.