Reise

Theaterschiff Heilbronn Christian Marten-Molnár inszeniert „Weiber“

Was Frauen so reden und tun

Als „Ein musikalischer Mädelsabend“ ist es ausgewiesen, was da Christian Marten-Melnár, der neue Kapitän des Theaterschiffs Heilbronn, auf dem am Neckar verankerten Bühnenkahn in Szene setzt. „Weiber“ ist der Titel der „nach einem Programm der ‘academixer’, Leipzig“ entstandenen, rund zwei Stunden, einschließlich einer Pause, dauernden Folge aus gesprochenem und gesungenem Text.

Kabarettistisches Theater

Wenn man die Herkunft des Programms kennt, dann wundert man sich nicht, dass das Ganze kabarettistisches Theater ist und der Inhalt, was Frauen so reden – nicht zuletzt über Männer. Da treffen sich also drei „Weiber“ in einer Bar und legen los.

Zum Auftakt gibt es ein Wiederhören mit dem nicht zuletzt vom Film „Die Drei von der Tankstelle“ her bekannten Schlager „Ein Freund, ein guter Freund“, der dem Anlass gemäß in „Eine Freundin, eine gute Freundin“ umgedichtet und von den drei Protagonistinnen des Abends, Cosima Greeven, Angelika Hardt und Amalie Sturm, gesungen wird. „Freundinnen müsste man sein, dann könnte man über alles reden“ heißt ein anderer Song. Und da es sich bei dem Trio offensichtlich um solche handelt, kann es losgehen.

Da fragt die eine die anderen. „Findet ihr mich schön?“. Die Antworten sind vielsagend: „Ich finde, Du bist gepflegt“ oder „Du bist eine Frau mit Charakter“. Dann erzählt eine, sie mache „Intervall-Fasten“. Auf Nachfrage klärt sie auf: „Acht Stunden alles, 16 Stunden nichts – auch nicht Sex“.

Damit ist auch schon ein Thema angesprochen, das immer wieder zur Sprache kommt, nämlich die Beziehung von Frauen zu Männern, in Wort und Bild.

Denn in diesem Zusammenhang schwenken die Unbefriedigten auch Dildos, denn „der kleine Taschenfreund“ gehört, mit Marianne Rosenberg, „zu mir, wie mein Name an der Tür“. Selbstkritisch meinen die „Weiber“: „In jeder Frau steckt ein Stück Hefe“, was sie besingen, aber auch gleich die Männer mit einbeziehen.

Selbstbewusst wird behauptet. „Wir Frauen sind toll - obwohl wir die Hälfte ausfallen“. Festgestellt wird die zunehmende Ähnlichkeit zwischen Tochter und Mutter. Und dann erfährt man einiges von den Vorbereitungen und dem ersten Zusammentreffen einer Frau mit einem Mann, das hochtrabend als „die Sollbruchstelle des Universums“ bezeichnet wird. Und dazu gehören auch die diversen Ausreden, die sich Männer angeblich bei dieser Gelegenheit einfallen lassen. Wobei es wohl immer darauf ankommt, ob von ihnen ein Wiedersehen angepeilt oder ein Schlussstrich gezogen werden soll.

Erotischer Minimalismus

Von Marilyn Monroes Rock über einem Luftschacht ausgehend, wird die Wahrscheinlichkeit angesprochen, wie oft das wohl einer Durchschnittsfrau passieren kann. Doch davon ist es nicht mehr weit zu männlicher Erotik in Form der beliebten Sockenhalter. Denn schließlich ist der Mann der „Meister des erotischen Minimalismus“.

„Fremdgehen, das hat nichts mit unserer Beziehung zu tun“, wird behauptet. „Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ darf nicht fehlen. Und dann bekommt man noch sogenannte „Männersprüche“ zu hören: „Für eine Frau hast Du Dich sachlich ausgedrückt“, „Kaffee kannst Du kochen“ und schließlich auch noch: „Du bist im Bett gar nicht so schlecht“.

Das ist der nicht nur für „Weiber“ aufschlussreiche „musikalische Mädelsabend“, dessen musikalische Leitung Andreas Benz hat, zu dem Katharina Flubacher die drei Darstellerinnen passend kostümiert hat, die das Programm, unter der einfallsreichen Regie von Christian Marten-Molnár, flott servieren. Dieter Schnabel