Reise

Wellness im Wallis

Von den Gipfeln in die heißen Quellen – Wellness im Walliser Bergdorf Leukerbad.

Walle, walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße!“ Geheimrat Goethe war der wohl berühmteste Gast in Leukerbad, und die Idee zu seinem „Zauberlehrling“ kann ihm nur in dem engen Walliser Talkessel gekommen sein. Täglich sprudeln in dieser Schweizer Bergarena 3,9 Millionen Liter warmes Thermalwasser aus dem Fels. Nirgendwo in den Alpen ergießt sich eine solche Flut an heilsamem Nass.

65 Quellen hat Leukerbad. Ihre Fließwege beginnen östlich des Dorfs im Gebiet zwischen Majing- und Torrenthorn, wo der Niederschlag in der Tiefe des steil stehenden Kluftgesteins versickert. Das Wasser sättigt sich dabei mit Calcium sowie Sulfat an. Im Erdinneren wird es erwärmt - und steigt dadurch aus zahlreichen Quellen wieder ans Licht. Mindestens 40 Jahre ist es auf seinen unterirdischen Fließwegen unterwegs, bevor es den Körper der Badenden umschmeichelt und ihre Gelenke entspannt.

Am besten entspannt man in den Leukerbader Fluten nach einem langen Tag im Freien. Wer es beschaulich angehen will, wandert auf der Sonnenseite des Tals auf dem Römerweg. Spaziergänger wie Skifahrer finden sich auch auf der Torrentalp und auf der Gemmi gut aufgehoben. Fast senkrecht schwebt die Gemmi-Bahn in die Höhe, hinauf zum Hochplateau mit dem Daubensee.

Für ambitionierte Wanderer führt der Weg weiter zum Gemmipass, einer uralten Verbindung zum Berner Oberland. Mit Beginn des Frühjahrs lässt sich die Route auf einer langen Tour bis nach Kandersteg im Nachbarkanton bewältigen. Lang ist die Liste der Berühmtheiten, die sich auf der Gemmi in der Bergwelt ergingen. Neben Johann Wolfgang von Goethe waren hier unter anderem Jules Verne, Lenin, Pablo Picasso und Mark Twain unterwegs.

Wer nach einem Ski- oder Wandertag mit der Seilbahn nach unten schwebt, sieht im Tal die Schwimmbecken wie türkisblaue Augen glitzern. Dampf entsteigt den Pools, die wohlig-warmes Vergnügen versprechen.

Überall in der Alpentherme scheinen Zauberlehrlinge an den Armaturen gespielt zu haben. Es tost aus Schwallduschen, zischt aus Unterwasserdüsen und sprudelt, dass es eine Freude ist. Und im Walliser Saunadorf der Therme schlagen die Bademeister die Gäste auf Wunsch mit Birkenzweigen – was einen angenehmen Massageeffekt hat.

Vermutlich planschten schon die Römer im warmen Wasser von Leukerbad, zahlreiche antike Funde legen das nahe. 1315 werden die Quellen erstmals urkundlich erwähnt, 1479 sogar vom Schweizer Arzt und Naturphilosophen Paracelsus beschrieben, und ab 1500 setzt ein früher Badetourismus ein. Freilich war die historische Badekultur eine ganz andere als die heutige. Da die Ärzte bis zu 200 Stunden Thermenaufenthalt pro Kur verordneten, aß, trank und schlief man im warmen Wasser.

Weil aber dem anspruchsvollen Gast von heute allein mit balneologischen Wonnen nicht mehr gedient ist, kann er sich mit zig Wellnessbehandlungen verwöhnen lassen. Ayurveda ist ebenso im Angebot wie Bali Boreh, Thalasso und Traditionelle Chinesische Medizin. Zur Kurzweil der Gäste stehen Kinoabende in der Alpentherme ebenso auf dem Programm wie römisch-irische Nächte, bei denen man, in eine Toga gehüllt, ein Büfett genießt. Geschmaust wird dabei allerdings, anders als noch im 19. Jahrhundert, außerhalb der Pools.

Den Baderegeln aus dem Jahr 1825 darf man aber ruhig noch folgen. Denn nach wie vor sollte man es unterlassen, „andere zu bespritzen, ins Becken zu speien, zu pfeifen oder zu schmauchen, unanständige Handlungen vorzunehmen oder ärgerliche Reden zu führen“.